Solar-Interview mit Wolfgang W. Lange

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Der Photovoltaik-Produzent Showa Shell Solar (Tokio) hat sich im Mai 2010 in Solar Frontier umbenannt und vermarktet seine CIS-Solarmodule unter dem Markennamen „Solar Frontier“.

Wolfgang W. Lange ist Geschäftsführer der Solar Frontier Europe GmbH. Lange, ein Veteran der Energieindustrie, zeichnet verantwortlich für die Expansion des Unternehmens in weitere europäische Photovoltaik-Märkte. Die deutsche Niederlassung des Unternehmens in Unterföhring ist das Hauptvertriebsbüro für ganz Europa.

Solarserver: Herr Lange, unter dem Namen der ehemaligen Auslands-Vertriebsmarke will  Solar Frontier CIS-Solarmodule mit einer Gesamt-Nennleistung von einem Gigawatt an Kunden auf der ganzen Welt verkaufen und hat dazu Übersee-Niederlassungen in Nordkalifornien und München gegründet. Sind Nordamerika und Deutschland für Sie die wichtigsten PV-Märkte der Zukunft?
Wolfgang W. Lange: Nordamerika und Deutschland sind zwar auf jeden Fall wichtige Märkte, wir möchten uns jedoch nicht nur auf diese beiden Märkte beschränken. Unsere Zielmärkte sind momentan Asien, Amerika und Europa. In Asien konzentrieren wir uns vor allem auf Japan, in Amerika sind die USA derzeit der wichtigste Markt für uns. In Europa wollen wir zunächst unser Geschäft in Deutschland ausbauen und uns auf den mediterranen Raum konzentrieren – also Italien, Spanien und Griechenland. Wir planen aber auch schon die ersten Aktivitäten in Frankreich und England.

Welche Rolle werden Dünnschichtmodule und speziell CIS-Module auf den Weltmärkten spielen?
Wolfgang W. Lange: Ich bin überzeugt, dass insbesondere CIS-Module großes Potenzial haben. Im Gegensatz zu etablierten Technologien bieten sie noch enorme Steigerungsmöglichkeiten, was die Effizienz der Module angeht. In unserem Forschungslabor haben wir bereits Effizienzgrade von über 16 Prozent erreicht, und wir sind überzeugt, dass wir die Ergebnisse kontinuierlich steigern können. Ein weiterer Vorteil der CIS-Module ist, dass nur wenige Rohstoffe nötig sind. Wir benötigen nur extrem wenig Indium und Di-Selenid und können auf Schwermetalle wie Blei oder Cadmium komplett verzichten. Gleichzeitig verbrauchen die Module deutlich weniger Energie im Herstellungsprozess als andere Technologien. Dadurch erreichen wir Energierückgewinnungszeiten von unter einem Jahr – im Vergleich zu 1,5 bis 1,7 Jahren bei kristallinen Modulen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern senkt die Herstellungskosten und damit auch den Endkundenpreis. Wir sind überzeugt, dass wir mit unseren CIS-Modulen ein Produkt entwickelt haben, das ideale Voraussetzungen für den internationalen Wettbewerb bietet.Solar Frontier wird im kommenden Jahr seine dritte Produktionsanlage in Miyazaki eröffnen, die mit 900 MW weltgrößte CIS-Produktion. Welche Vorteile bringt die Massenproduktion in einer Gigawatt-Größenordnung hinsichtlich der Kosten und Effizienz?
Wolfgang W. Lange: Die Vorteile, die eine Anlage in dieser Größenordnung bringt, sind enorm. Und mit der neuen Anlage machen wir den größten Sprung bei der Kapazität in der Geschichte der Photovoltaik. Hinter diesem ehrgeizigen Projekt steckt natürlich auch jahrelange Forschung. Dabei haben wir uns jedoch nicht auf die Module selbst beschränkt, sondern haben an der gesamten Prozesslinie geforscht. In unserem Forschungslabor in Atsugi, Japan, läuft bereits seit einigen Jahren eine Produktionslinie, an der CIS-Module hergestellt werden. Dadurch konnten wir den gesamten Herstellungsprozess optimieren, die Effizienz unserer Module steigern und gleichzeitig auch die Kosten reduzieren. In unserem Research-Center erreichen wir jetzt bereits Wirkungsgrade von 14 Prozent, und die Produktionslinien in unserer Fertigung in Miyazaki werden die gleiche Technologie verwenden. Deshalb sind wir sehr sicher, dass wir die angepeilten hohen Wirkungsgrade bis 2014 durch die Anlagenjustierung erreichen und auf die 14 Prozent gehen. Auf welche Vertriebskanäle und -strategien setzt Solar Frontier als globales Solarunternehmen?
Wolfgang W. Lange: Einen Großteil unserer Kapazität werden wir in Europa vertreiben. Dabei eignet sich unser Produkt nicht nur für große Freilandanlagen, sondern aufgrund des hohen Wirkungsgrades, des ästehetischen Aussehens und des Rahmens insbesondere auch für Dachanlagen und den Gebäudebereich. Wir werden langfristige Partnerschaften mit ausgewählten, großen Vertriebsorganisationen eingehen, die eine exzellente Infrastruktur bieten. Zusätzlich wollen wir aber auch mit kleineren regionalen Systemintegratoren in Europa kooperieren, um eine hohe Kundennähe zu haben.

Auf globaler Ebene sind die Vertriebskanäle ähnlich aufgebaut, auch hier arbeiten wir mit verschiedenen Partnern zusammen. Erst vor wenigen Tagen haben wir beispielsweise unsere globale Partnerschaft mit GE bekannt gegeben. Da Solar Frontier momentan stark wächst, wird auch die Anzahl der Partner weiter steigen.

Solar Frontier hat unlängst auch angekündigt, mit IBM eine Dünnfilm-Solartechnologie basierend auf den Rohstoffen Kupfer, Zink, Zinn, Schwefel und Selen (CZTS) zu entwickeln. Welche Vorzüge bietet CZTS, und welche Wirkungsgrade erwarten Sie?

Wolfgang W. Lange: Der Vorteil CZTS-basierter Technologien liegt vor allem darin, dass kosteneffiziente Materialien ohne Schwermetalle genutzt werden können. Ziel dieses Projekts ist es, eine neue Generation an Solarmodulen zu entwickeln, die die Energie-Produktionskosten senken. IBM erzielte bereits im Februar 2010 eine Effizienz von 9,6 Prozent mit CZTS-Solarmodulen – das ist eine 40-prozentige Steigerung gegenüber bisherigen Modulen, die auf dieser Technologie basieren. Natürlich wollen wir den Wirkungsgrad mit unserer Kooperation noch weiter verbessern. Solar Frontier bringt seine Entwicklungs- und Produktionsexpertise im Dünnfilm-Bereich in das Projekt ein, während IBM seine bisherigen Forschungsergebnisse sowie bestehende Entwicklungslabore zur Verfügung stellt – das sind ideale Voraussetzungen, um das Projekt weiter voranzutreiben. Neben Solar Frontier ist DelSolar Co. ein weiterer IBM Partner bei diesem Projekt.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch, Herr Lange.
Die Fragen an Wolfgang W. Lange stellte Solarserver-Chefredakteur Rolf Hug.

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