Unternehmensberatung goetzpartners: Deutsche Photovoltaik-Unternehmen geraten zunehmend unter Druck

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In der Solarbranche herrscht Unruhe, so das Finanz- und Managementberatungsunternehmen goetzpartners (München). Gerade erst sei die EEG-Vergütung um 13 Prozent gekürzt worden, zum Januar 2011 werde derzeit die Deckelung des Zubaus an Photovoltaik-Leistung auf drei Gigawatt diskutiert. Trete dies ein, drohe vor allem die deutsche Solarindustrie massiv geschwächt zu werden. Viele Komponentenhersteller müssten mit ruinösen Preiskämpfen im heimischen Markt rechnen. Das treffe sie umso härter, da sie über schlechtere Kostenstrukturen als die stark expandierende asiatische Konkurrenz verfügten. Auch die Photovoltaik-Projektierer, Systemhäuser und Großhändler geraten laut goetzpartners in Bedrängnis: Da sie international oft noch zu schwach positioniert seien, um lokale Umsatzverluste aufzufangen, gelte es quasi um jeden Preis, das eigene Geschäft auszubauen.

Zusätzliche Kürzung der deutschen Solarstrom-Einspeisevergütung um drei Prozent zum Oktober 2010 wurde völlig unterschätzt
2010 wird mit einem erwarteten Zubau von bis zu acht Gigawatt in Deutschland ein Boomjahr für die Solar-Branche. Ende 2010 wird dann die weltweit neu installierte Leistung auf ca. 16 Gigawatt angestiegen sein, das entspricht einem Zuwachs von 120 Prozent im Vergleich zu 2009. Interessant sei dabei ein Blick auf die Investitionszyklen, so das Beratungsunternehmen. Die Kürzung der Photovoltaik-Förderung in Deutschland um 13 Prozent zum 1. Juli 2010 zeigte einen für den Markt zwar typischen, aber auch extremen Vorzieheffekt: Allein im Juni 2010 wurden 2,1 Gigawatt Photovoltaik-Leistung neu installiert, im Vergleich zu lediglich 0,2 Gigawatt im Juni 2009.

Volle Lager, härterer Wettbewerb
Doch auch in den Folgemonaten blieb die Nachfrage nach Modulen und Wechselrichtern nahezu ungebremst. Die vergleichsweise geringe zusätzliche Kürzung um drei Prozent zum Oktober 2010 sei jedoch völlig unterschätzt worden: Seit Mitte Oktober seien die Auftragseingänge massiv zurückgegangen, die Branche kämpfe mit vollen Lagern und werde sich im neuen Jahr voraussichtlich einem harten Preiswettbewerb stellen müssen.

Deckelung des Photovoltaik-Zubaus in Deutschland könnte den Heimatmarkt verstopfen
Zwar gehe die Branche aufgrund der sonst stabilen Rahmenbedingungen und konstanten Renditen auf Neuinstallationen weiterhin von einer Nachfrage von rund sechs Gigawatt in Deutschland für 2011 aus. Doch mindestens im ersten Quartal 2011 müssten Hersteller mit leeren Auftragsbüchern rechnen, da Projektierer, Systemhäuser und Großhändler auf fallende Preise hoffen und ihre Aktivitäten auf das zweite Halbjahr 2011 fokussieren. Sollte jedoch die geplante Deckelung des Photovoltaik-Zubaus auf insgesamt drei Gigawatt für 2011 zusätzlich zur Kürzung der EEG-Vergütung im Januar 2011 in Kraft treten, werde dieses Kalkül nicht mehr aufgehen. Denn der Heimatmarkt wäre dann schnell verstopft. Diese Situation könnte sich noch dadurch verschärfen, dass auch andere europäische Hoffnungsträger wie Frankreich und Tschechien über Mindestgrenzen für den Zubau an Photovoltaik-Leistung diskutieren bzw. ihre Einspeisevergütungen radikal überarbeitet haben. Eine Deckelung des deutschen Marktes würde nach Einschätzung von goetzpartners dazu führen, dass die weltweite Nachfrage nach neuinstallierter Photovoltaik-Leistung erstmalig in der Geschichte der Solarindustrie fällt.

Kapazitätsausweitung asiatischer Hersteller sorgt für Preisdruck
Zu den angespannten Marktaussichten ab 2010 trägt auch die stetige Kapazitätsausweitung vor allem der asiatischen Hersteller bei. Allein mit den 10 größten Ausbauvorhaben (neun davon von asiatischen Unternehmen) stieg die neu installierte Leistung 2010 auf neun Gigawatt – und das bei bereits existierenden Überkapazitäten. Da all diese Module auch bankfähig sein werden und somit Projekte mit diesen Modulen auch von Banken finanziert werden, wird sich der Preisdruck für etablierte Anbieter weiter verschärfen. "Deutsche Hersteller müssen auf innovative und qualitativ hochwertige Produkte, Mehrwertdienstleistungen im Vertrieb und allem voran auf Internationalisierung setzen", so Sebastian Olbert, Solar-Experte bei goetzpartners.
Das Problem sei, dass die meisten Unternehmen nicht über die notwendigen Strukturen verfügen, um eine Internationalisierung stemmen zu können, so Olbert:
Fehlendes Vertriebsnetz
Einige Unternehmen haben bereits Vertriebsstrukturen im Ausland geschaffen; diese gilt es auszubauen und zu stärken. Diejenigen, die jetzt erst damit beginnen, werden mit hohen Einstiegsbarrieren in die ausländischen Märkte zu kämpfen haben.
Angeschlagene Finanzstruktur
Zwar haben die Solarunternehmen in 2010 durch den Nachfrageboom Rückenwind bekommen, jedoch verfügen nur wenige über robuste Finanzstrukturen. Dies wird bei den zunehmend schwierigeren Marktbedingungen zu massiven Problemen führen.

2015 wird es bis zu 40 Prozent weniger Solar-Unternehmen geben
Die Folge sei absehbar: der Solarmarkt werde sich konsolidieren. Wie goetzpartners bereits zu Zeiten des Nachfrageeinbruchs im ersten Halbjahr 2009 analysiert hat, werde es bis 2015 um bis zu 40 Prozent weniger Solar-Unternehmen am Markt geben. Durch das hervorragende Jahr 2010 habe sich dieser Trend zwar nach hinten verschoben, jedoch werde er den Markt nach Einschätzung des Beratungshauses jetzt mit umso größerer Wucht treffen.
"Unternehmen mit gesunder Finanzstruktur werden zu den Gewinnern zählen. Eine antizyklische, anorganische Wachstumsstrategie verbunden mit einem stringenten Integrationsprogramm ist das Erfolgskonzept in einer solchen Phase", sagt Günther Schermer, Partner der Industry Line Energy/Utilities bei goetzpartners. Die Unternehmen müssten jedoch jetzt aktiv werden. Reagierten sie zu spät, würden sie das Nachsehen haben.

15.12.2010 | Quelle: goetzpartners | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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