EUROSOLAR kommentiert Oettingers „Mitteilung der EU-Kommission“ zum Einspeisevorrang und zur Förderung der erneuerbaren Energien: „Werden sich Merkel und Altmaier schützend vor die Energiewende stellen?“

Die Mitteilung der EU-Kommission vom 15.11.2012 übernehme die unrealistischen und wirtschaftspolitisch verheerenden Vorgaben des "Strategiepapiers" von EU-Energiekommissar Oettinger vom Juni dieses Jahres, erklärt Stephan Grüger, Mitglied des Vorstands der deutschen Sektion von EUROSOLAR e.V.


Damit plane nun die gesamte EU-Kommission eine Rolle rückwärts in der Energiepolitik und huldige den Interessen weniger Großkonzerne.

Stephan Grüger: Oettinger probt den Ausstieg aus der Energiewende
"Energiekommissar Oettinger hat offensichtlich die wirtschaftliche Bedeutung einer dezentralen, mittelständischen und vollständigen Energiewende hin zu erneuerbaren Energien nicht verstanden. Das Vorbild der deutschen Energiewende würde zunichte gemacht, wenn sich die EU-Kommission im Rat und im Parlament mit ihren Vorstellungen durchsetzen würde", warnt Grüger.
"Herr Oettinger probt den Ausstieg aus der Energiewende. Wir sind gespannt, was Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesumweltminister Peter Altmaier hierzu sagen. Die Energiegipfel-Beschlüsse mit den Ministerpräsidenten für den dezentralen Ausbau der Erneuerbaren könnten mit den EU-Vorgaben nicht mehr umgesetzt werden. Werden sich Merkel und Altmaier – wie angekündigt – schützend vor die laufende Energiewende stellen?", fragt Grüger.

Großkraftwerke contra dezentrale Photovoltaik

Die Rede von zentralistischen Wind-Großkraftwerken im Meer und Sonnen-Großkraftwerken in der Wüste zeige einen geradezu erschreckenden ökonomischen Unverstand, es sei denn, eine möglichst teure, möglichst unvollständige Energiewende sei der von Oettinger erwünschte Effekt, heißt es in der Pressemiteilung von EUROSOLAR.
Dabei seien Offshore-Windkraftwerke und große Solar-Kraftwerke in der Wüste teurer als dezentrale Photovoltaik. Hinzu kämen eklatante Transportkosten und politische Probleme bei der Errichtung von Transportleitungen. Der Zeitverlauf von Planung und Ausführung dieses zentralistischen Großprojektes übersteige den möglichen Zeitraum einer vollständigen dezentralen Energiewende zudem um ein Vielfaches. So verhalte es sich auch mit den Kostenrelationen.

Technische und sozio-ökonomische Probleme von Offshore-Wind und Solar-Großkraftwerken nicht berücksichtigt
"Dabei sind die technischen Probleme von Offshore-Windenergieanlagen und zusätzlich noch sozioökonomischen Probleme von Sonnengroßkraftwerken in außereuropäischen Ländern wie den Staaten des Maghreb, deren Energie ausschließlich nach Zentraleuropa geleitet werden soll, noch gar nicht berücksichtigt. Arbeitsmarkteffekte und Preisdämpfungseffekte durch erneuerbare Energien existieren zwar in der realen Welt, aber offenbar nicht im Brüsseler Wolkenkuckucksheim", sagt Grüger.

"Die von Herrn Oettinger eingebrachte Vorlage ist gut für einige wenige Großkonzerne. Für Arbeitnehmer, Energieverbraucher und für den Mittelstand ist es ein Trauerspiel", fasst das EUROSOLAR-Vorstandsmitglied zusammen.
 

16.11.2012 | Quelle: EUROSOLAR e.V. | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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