Branchenverbände: Zubau von Windenergieanlagen an Land zu gering

Der Brutto-Zubau von Windenergieanlagen an Land 2022 liegt mit 2.403 MW um 25 Prozent über dem Vorjahreszubau von 1.925 MW.Grafik: Deutsche WindGuard
Mit 551 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 2.403 MW ist der Zubau an Land weiterhin zu niedrig, um die Ziele der Bundesregierung zu erreichen. Branchenverbände sehen die Bundesregierung und die Länder in der Verantwortung, die Potenziale der Windenergie zu entfesseln.

Im Gesamtjahr 2022 wurden in Deutschland 551 Windenergieanlagen (WEA) an Land mit 2.403 Megawatt (MW) installierter Leistung errichtet. Dies ist das Ergebnis der Auswertung der Deutschen WindGuard im Auftrag der Branchenverbände BWE und VDMA Power Systems. Der Brutto-Zubau von Windenergieanlagen an Land 2022 liegt damit 25 Prozent über dem Vorjahreszubau von 1.925 MW. Die Verbände appellieren an die Bundesländer, nun den von der Bundesregierung bereitgestellten Instrumentenkasten zu nutzen und schnell deutlich mehr Zubau zu ermöglichen.

„Der Zubau von Windenergieanlagen an Land im vergangenen Jahr 2022 war weiterhin zu gering. Um auf den für die Zielerreichung notwendigen und für die Hersteller von Windenergieanlagen verlässlichen Ausbaupfad einzuschwenken, müssen vor allem Flächen bereitgestellt, Genehmigungsengpässe überwunden, Transporte erleichtert und Zertifizierungshürden bei den Türmen der Anlagen beseitigt werden“, sagt Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer VDMA Power Systems. „Die bisher angestoßenen Maßnahmen reichen nicht aus. Wir brauchen jetzt schnellstmöglich einen Hochlauf von Projekten – dies wäre ein dringend notwendiges positives industriepolitisches Signal für die gesamte Lieferkette in Deutschland und Europa. Nicht durch politische Ziele, sondern mit genehmigten Projekten kann die Windindustrie den notwendigen Produktionshochlauf bewerkstelligen.“

Im Jahr 2023 steht ein Rekordvolumen von 12,84 Gigawatt zur Ausschreibung bereit. „Die Bundesländer sind in der Verantwortung, von den ihnen gegebenen Möglichkeiten zur Beschleunigung Gebrauch zu machen. Besonders der Süden muss endlich liefern und darf sich nicht länger aus der Verantwortung stehlen. 2023 kann für die Windenergie das Jahr des Aufbruchs werden“, sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie BWE.

Beschleunigungsgesetz schnell vorlegen

Ursprünglich als Teil des Sommerpakets 2022 angekündigt, wartet die Branche weiter auf das geplante Beschleunigungspaket. Hermann Albers: „Mit dem neuen EEG, der Anpassung des Höchstwertes sowie der Reduzierung der Prüfbereiche um DVOR-Radaranlagen sind wichtige erste Schritte unternommen. Die größte Hürde für einen schnellen Ausbau bleiben die deutlich zu komplizierten und langwierigen Genehmigungsverfahren. Hier muss die Bundesregierung das angekündigte Gesetz zur Verfahrensbeschleunigung möglichst schnell vorlegen. Wir brauchen die LNG-Geschwindigkeit auch bei der Windenergie.“

Trotz all der bereits erfolgten Weichenstellungen bleiben laut BWE weiterhin einige Themen offen, welche zügig angegangen werden müssen. Dabei sollte dem Repowering eine besondere Rolle zukommen. Es gilt, die Potenziale in den Bestandsflächen konsequent durch effiziente Neuanlagen zu nutzen. Perspektivisch sind hier kurzfristig bis zu 45 Gigawatt erreichbar, um die Ausschreibungsmengen der kommenden Jahre zu füllen. Es braucht daher dringend die von der Bundesregierung angekündigten Erleichterungen für Repoweringprojekte.

Erhebliche Probleme gab es auch im vergangenen Jahr bei den Transporten der Onshore-Windenergieanlagen von den Produktionsstandorten zu den Errichtungsorten. Ohne eine Verbesserung der Schwerlasttransportbedingungen sind die Lieferketten und die Ausbauziele gefährdet. Daher braucht es kurzfristig pragmatische Lösungen bei Transportgenehmigungen sowie der Anpassung und dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur unter Berücksichtigung des Schwerlasttransportbedarfs. Zur Sicherung der europäischen Windenergieindustrie benötigt es außerdem eine Antwort der Europäischen Union auf den Inflation Reduction Act in den USA.

Prognose Deutschland und Welt

Für das Jahr 2023 prognostizieren die Verbände bei unveränderter Realisierungsgeschwindigkeit einen zu erwartenden Zubau in Höhe von 2,7 GW bis 3,2 GW. Der Global Wind Energy Council (GWEC) rechnet in seiner aktuellen Prognose mit einem weltweiten Onshore-Zubau von rund 87 GW für das Jahr 2022. Gemäß dieser Prognose bleibt der Wert der globalen Neuinstallationen auch im Jahr 2023 nahezu unverändert. Für den Zeitraum von 2022 bis 2026 wird mit einem weltweiten Onshore-Zubau von 479 GW gerechnet. China (257 GW) und die USA (47 GW) werden in diesem Zeitraum gefolgt von Europa (88 GW) die größten Wachstumsmärkte für Windenergie an Land sein. Die jährliche Wachstumsrate außerhalb der beiden führenden Märkte beträgt laut GWEC 5,7 %.

Zubau von Windenergieanlagen an Land 2022 im Überblick

Status des Windenergieausbaus an Land Leistung in MW Anzahl Anlagen
Brutto-Zubau 2022 2.403 551
Davon Repowering 423 103
Stilllegungen Gesamtjahr 2022 266 246
Nettozubau Gesamtjahr 2022 2.137 305
Kumulierter Bestand am 31.12.2022 58.106 28.443

18.1.2022 | Quelle: BWE | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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