Bundesregierung einigt sich auf Kraftwerksstrategie

Eine Wasserstoffpipeline und Gastanks mit der blauen Aufschrift H2.Foto: Yingyaipumi / stock.adobe.com
Wasserstoff spielt in der deutschen Kraftwerksstrategie eine wichtige Rolle. Dabei geht es neben grünem Wasserstoff aus regenerativ erzeugtem Strom auch um die umstrittene Farbe blau: das ist Wasserstoff aus fossilen Energien mit energieaufwändiger CO2-Abscheidung.
Ohne Bioenergie, dafür aber mit blauem Wasserstoff: die Bundesregierung hat sich auf eine Kraftwerksstrategie geeinigt. Nun folgt das parlamentarische Verfahren.

Die Bundesregierung hat sich auf eine Kraftwerksstrategie geeinigt. Sie legt damit die Eckfeiler fest für die Kapazitäten, die künftig kontinuierlich zur Verfügung stehen sollen, um die Fluktuation von erneuerbaren Energien zu kompensieren. Ursprünglich hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck die Strategie bereits 2023 vorlegen wollen.

Wie das BMWK mitteilte, hat sich die Bundesregierung im Rahmen des Wachstumspakets für die Wirtschaft auf die Kraftwerksstrategie geeinigt. Diese setze die im Februar dieses Jahres mit den Koalitionsspitzen gefundene Einigung um. Die Einigung sei auch mit den Dienststellen der Europäischen Kommission abgestimmt. Im Vorgriff auf einen umfassenden Kapazitätsmechanismus sollen insgesamt 12,5 GW an Kraftwerkskapazität und 500 MW an Langzeitspeichern zur Ausschreibung kommen. Die Umsetzung finde im Rahmen eines Kraftwerkssicherheitsgesetzes in zwei Säulen statt.

In einer ersten Säule sollen zeitnah die Ausschreibungen für 5 Gigawatt an neuen H2-ready-Gaskraftwerken und 2 GW an umfassenden H2-ready-Modernisierungen zur Ausschreibung kommen. Diese müssten als Beitrag zur schnellen Dekarbonisierung des Kraftwerksparks ab dem 8. Jahr ihrer Inbetriebnahme oder Modernisierung auf den Betrieb auf grünen oder blauen Wasserstoff gemäß Nationaler Wasserstoffstrategie umstellen.

Hinzu kommen 500 MW an reinen Wasserstoffkraftwerken, die sofort mit Wasserstoff laufen (Wasserstoffsprinter) und 500 MW Langzeitspeicher. Bei den Kraftwerken werden Investitionskosten (Capex) und ab dem Umstieg auf Wasserstoff für 800 Vollbenutzungsstunden im Jahr die Differenzkosten zwischen Wasserstoff und Erdgas (Opex) gefördert.

Kritik an „blauem“ Wasserstoff

In einer zweiten Säule sollen noch einmal 5 Gigawatt neue Gaskraftwerke zur Ausschreibung kommen (Capex), die insbesondere in Dunkelflauten einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Diese stellen quasi eine „Brücke“ in einen umfassenden, technologieoffenen Kapazitätsmechanismus dar, der ab 2028 operativ sein soll.

Der Zubau der Kraftwerke solle jeweils überwiegend im sog. „netztechnischen Süden“ Deutschlands stattfinden, um Redispatchkosten zu senken und zur Netzstabilität beizutragen.

Von den Verbänden kam in einer ersten Reaktion weitgehend Zustimmung. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) wies aber darauf hin, dass der Einsatz von blauem Wasserstoff – wie vom BMWK geplant – ein Etikettenschwindel sei. Dabei handelt es sich um herkömmlichen Wasserstoff aus Erdgas, bei dem das CO2 aufgefangen und eingespeichert werden soll. Dies sei laut DUH „alles andere als klimaneutral“. Die Technologien der CO2-Abscheidung sind sehr energieintensiv und aktuell auch noch mit technologischen Unsicherheiten verbunden. Die Solarthemen hatten darüber kürzlich ausführlich berichtet.

Die Bioenergieverbände äußerten sich zur Stunde noch nicht. Sie hatten verschiedentlich damit geworben, die gleiche Leistung günstiger und klimafreundlicher als Erdgas zur Verfügung stellen zu können. Das BMWK hatte noch im letzten Jahr den Solarthemen gegenüber bestätigt, dass auch Biogas bei der Kraftwerksstrategie eine Rolle spielen soll. Jetzt ist davon keine Rede mehr.

Quelle: BMWK, DUH | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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