Forschungsprojekt eHaul: Batteriewechsel neue Option für e-LKW

E-LKW auf einer Rampe zum Wechsel der Antriebsbatterie.Foto: eHaul
Wechselstationen könnten künftig in wenigen Minuten die Batterien für e-LKW tauschen.
Batteriewechselstationen für LKW können eine ergänzende Alternative zu Ladestationen darstellen. Das zeigt ein Forschungsvorhaben der TU Berlin, das ein neu gegründetes Unternehmen kommerzialisieren will.

Die Umstellung des Schwerlastverkehrs von Diesel auf elektrische Antriebe lässt sich auch durch Stationen für einen Batteriewechsel für e-LKW voranbringen. Das ist das zentrale Ergebnis des Forschungsprojekts „eHaul“ der TU Berlin, dessen verlängerte Praxisphase nun zu Ende gegangen ist. Wie die TU mitteilte, geht es um Wechselstationen für standardisierte Batterien von E-Lkw an strategisch ausgewählten Orten wie Autobahnen und Logistikzentren.

Das wichtigste Ergebnis des Vorhabens: Der vollautomatisierte Wechsel der Batterien von in Europa zugelassenen, schweren E-Nutzfahrzeugen sei im Praxisbetrieb innerhalb von wenigen Minuten möglich. Damit stelle der Batteriewechsel eine relevante Ergänzung zum Schnellladen dar, das bei Lkw deutlich länger dauert und sehr große Ladeleistungen erfordert. Zudem stocke der Netzausbau und somit ist die für das Schnelladen nötige Leistung nicht überall verfügbar.

Der Praxisbetrieb der europaweit ersten automatisierten Batteriewechselstation für Lkw begann Ende November 2023. Er habe sich so erfolgreich entwickelt, dass die TU Berlin zusammen mit den beiden beteiligten Speditionsunternehmen, Unitax Pharmalogistik und Reinert Logistic, nach dem ursprünglich geplanten Jahr eine Verlängerung um ein weiteres Jahr beschloss.

Ausgründung E-Haul will Konzept kommerzialisieren

„Das Konzept wurde für den Serienbetrieb in unserem Nachfolgeprojekt ‚UniSwapHD‘ nochmals weiterentwickelt, auch gemeinsam mit europäischen Lkw-Herstellern”, sagt Stefanie Marker, Hochschuldozentin für Mobile Energiespeicher am Fachgebiet Elektrische Energiespeichertechnik der TU Berlin. “Ein Weiterbetrieb der ersten Station mit öffentlichen Mitteln sehen wir daher als nicht mehr gerechtfertigt an. Vielmehr sollte nun der Fokus auf der Kommerzialisierung des skalierungsfähigen Systems liegen“. Die Wechselstation ziehe in Teilen von ihrem jetzigen Standort in Lübbenau im Spreewald zur Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) um, um dort in einer Forschungskooperation Verwendung zu finden.

Die Erkenntnisse aus Projektarbeit, Testphase und Weiterentwicklung flössen nun in ein Wechselsystem 2.0 ein, das die ausgegründete E▪Haul GmbH im Jahr 2026 vorstellen will. „Wir favorisieren in der neuen Station einen Wechsel der Batterien von unten statt wie jetzt von der Seite. Dies bringt Vorteile in den Bereichen Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Kompatibilität mit sich“, so Marker.

Dank eines neuen Automatisierungskonzepts soll der Batteriewechsel statt in zehn Minuten wie jetzt in unter fünf Minuten möglich sein – und zwar so, dass die Fahrer sitzen bleiben können. Damit wäre die Prozedur bequemer als ein normaler Tankvorgang und die Wechselstation könnte noch effektiver und damit kostengünstiger betrieben werden.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) hatte das eHaul-Projekt mit fünf Millionen Euro gefördert. Die E▪Haul GmbH mit ihrem Geschäftsführer Jens Jerratsch, bisher wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Projekten, sucht nun Kapitalgeber, um ein ganzes Netz von Wechselstationen realisieren zu können – mit einem typenoffenen Ansatz, so dass künftig eine große Palette an elektrischen Lkw mit dem System fahren kann. Im Jahr 2026 stehe die erste Finanzierungsrunde an.

DIN-Norm für Batteriewechselsysteme

Jerratsch sei auch federführend beim Projekt UniSwapHD, das bereits eine DIN-Norm für Batteriewechselsysteme auf den Weg gebracht habe. Die „DIN SPEC 91533“ als Vorläuferin für eine Norm solle voraussichtlich im ersten Quartal 2026 veröffentlicht werden. „Solche Normungsverfahren sind für die deutsche und europäische Industrie sehr wichtig, auch im Hinblick darauf, dass in China bereits Batteriewechselsysteme flächendeckend existieren und ein Drittel aller seit 2023 neu zugelassenen E-Lkw diese nutzt“, sagt Jerratsch. „Schwerlaster sind für knapp ein Drittel der Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors in Deutschland verantwortlich obwohl sie weniger als drei Prozent der Fahrzeuge ausmachen. Der Batteriewechsel ist die Methode, um klimafreundliche E-Lkw schnell in großer Zahl auf die Straße zu bringen. Europa sollte in der Lage sein, diese Schlüsseltechnologie selbst zu gestalten“, so Stefanie Marker.

Quelle: TU Berlin | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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