Kommunale Wärmeplanung: TÜV Rheinland Whitepaper gibt neun Handlungsimpulse
Foto: TÜV Rheinland / ShutterstockKommunale Wärmeplanung entscheidet darüber, wie schnell Städte und Gemeinden eine klimaneutrale Wärmeversorgung erreichen. Gleichzeitig stehen viele Kommunen unter Zeitdruck: Spätestens bis 30. Juni 2028 müssen Wärmepläne vorliegen, Großstädte ab 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern bereits bis 30. Juni 2026.
In der Praxis sorgen jedoch offene Fragen zu gesetzlichen Vorgaben, Zuständigkeiten und zur konkreten Umsetzung für Verunsicherung. Genau hier setzt ein Whitepaper von Rheinland Consulting, einem Beratungsunternehmen von TÜV Rheinland, an: Neun Thesen zeigen, wie Städte und Gemeinden passende Gebiete für Wärmenetze und dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen identifizieren können.
Gesetzlicher Rahmen kommunaler Wärmeplanung bleibt unklar
Dr. Florian Nigbur, Teamleiter Energieinfrastruktur bei TÜV Rheinland Consulting, erklärt: „Entscheidend ist, dass Wärmepläne und die darin definierten Maßnahmen in konkrete Schritte überführt werden. Rahmen und Vorgaben sind durch das Wärmeplanungsgesetz (WPG) auf Bundesebene und entsprechende Landesgesetze klar abgesteckt, doch vieles lässt sich aus den Bestimmungen allein nicht unmittelbar ableiten. Hier setzt das Whitepaper an: Auf Grundlage unserer Erfahrungen listen wir neun Thesen auf, aus denen jeweils ein Handlungsimpuls abgeleitet wird.“
Wärmeplan als strategischer Kompass für Investitionen und Umsetzung
Das Autorenteam ordnet den Wärmeplan als strategischen Kompass ein. Er kann Orientierung für künftige Investitionen geben, ohne für sich genommen bereits rechtliche Verbindlichkeiten für einzelne Gebäude oder Heizsysteme zu schaffen. Die Strategie im Wärmeplan sollte so angelegt sein, dass sie nahtlos umsetzbar ist:
- durch klare Zuständigkeiten,
- verbindliche Fristen und
- eine Erfolgskontrolle anhand weniger, aussagekräftiger Kennzahlen.
Kommunen sollten die Wärmewende trotz offener Fragen zum Gebäudeenergiegesetz, zur Stromsteuer und zu Förderprogrammen aktiv angehen. Gleichzeitig ist die Bürgerbeteiligung entscheidend: Zentraler Erfolgsfaktor ist eine frühe, klare Kommunikation mit aktiver Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger im Planungsprozess.
Wasserstoff in der Wärmeplanung nur in begründeten Anwendungsfällen
Wasserstoff ist für die flächendeckende Gebäudeheizung keine tragfähige Standardlösung. Sinnvoll bleibt er dort, wo lokale Bedingungen passen, etwa in der Industrie. Prüfgebiete können helfen, wenn die geeignete Wärmequelle noch nicht belastbar feststeht. Sie sollten aber begründet, befristet und räumlich begrenzt sein, damit Entscheidungen nicht aufgeschoben werden.
Abwärme aus Rechenzentren als Chance für kommunale Wärmenetze
Lokale Rechenzentren erzeugen kontinuierlich große Wärmemengen. Diese Abwärme sollte systematisch erfasst und frühzeitig in die Netzplanung eingebunden werden. Entscheidend sind Temperaturniveau, Leitungswege und eine verlässliche Anbindung. Rechenzentren können damit vor Ort zum „Gamechanger“ werden.
Kommunale Wärmeplanung: Maßnahmen priorisieren und lokal anpassen
Das Spektrum an möglichen Maßnahmen in Wärmeplänen ist breit und eröffnet Raum für vielfältige Lösungsansätze. Das Whitepaper nennt etwa Machbarkeitsstudien und Transformationspläne für Wärmenetze, energetische Sanierung, kommunales Energiemanagement und Energieberatung. Wichtig ist, dass alle Maßnahmen systematisch geprüft, nach Wirkung und Machbarkeit priorisiert und im engen Austausch mit den lokalen Beteiligten umgesetzt werden.
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