RWTH Aachen erweitert M5Bat um Natrium-Ionen-Forschungsspeicher
Foto: ISEA, RWTH Aachen UniversityNatrium-Ionen-Speicher als Kern der M5Bat-Erweiterung
Das Institut für Stromrichtertechnik und elektrische Antriebe (ISEA) erweitert M5Bat um zwei Batterieeinheiten. Im Mittelpunkt steht ein Natrium-Ionen-Batteriecontainer mit 750 Kilovoltampere (kVA) Leistung und 1,5 MWh Kapazität. Er gilt als der bislang größte in Betrieb gehende Natrium-Ionen-Speicher in Deutschland.
Natrium-Ionen-Batterien nutzen Natrium als Rohstoff, der nahezu unbegrenzt verfügbar ist. Das kann die Rohstoffabhängigkeit reduzieren. Perspektivisch werden geringere Kosten pro gespeicherter Kilowattstunde erwartet, vor allem bei stationären Großspeichern.
Ergänzung durch Semi-Solid-State-LFP-Batterien
Zusätzlich integriert die RWTH ein Batterie-Cabinet mit 125 kVA Leistung und 250 kWh Kapazität. Es nutzt Semi-Solid-State-LFP-Zellen. Diese kombinieren die Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP) mit einem teilfesten Elektrolyten.
Der Ansatz verspricht zusätzliche Sicherheitsreserven gegenüber flüssigen Elektrolyten. Zugleich bleibt die Technologie als „Drop-in“ in bestehende Produktionslinien integrierbar. Das macht sie für sicherheitskritische oder urbane Anwendungen interessant.
Betrieb im Markt und Datenauswertung
Beide Systeme beschaffte die RWTH Aachen. Die Lieferung erfolgte exklusiv durch die MegaLion Europe GmbH, eine Tochter der ENPERIUM GmbH. Eine Inbetriebnahme ist für das Frühjahr 2026 vorgesehen.
Im Betrieb setzt Uniper M5Bat in einer Multi-Market-Strategie ein. Der Speicher nimmt sowohl am Großhandelsstrommarkt als auch an Regelleistungsmärkten teil. So lassen sich Effizienz, Leistungsfähigkeit und Alterungsverhalten der neuen Zellchemien unter unterschiedlichen Lastprofilen analysieren.
„Gemeinsam mit der RWTH und Megalion testen wir mit M5Bat neue Zellchemien im echten Marktbetrieb – von Großhandel bis Regelleistung. So reduzieren wir technologische Risiken und verstehen Alterung und Effizienz im Detail“, sagt Patrick Kruchen, General Project Manager bei Uniper.
Plattform für Forschung und Demonstration
„Solche Demonstrationsprojekte sind entscheidend, um technologische Risiken zu reduzieren“, sagt Markus Korsten, Founding Partner und CEO der Megalion Europe GmbH. Aus wissenschaftlicher Sicht sei vor allem die Verbindung von Analyse und realer Marktintegration relevant, erklärt Professor Dirk Uwe Sauer, Leiter des Forschungszentrums CARL an der RWTH Aachen.
Langfristig soll M5Bat zu einem offenen Demonstrationslabor werden. Projektpartner wollen dort neue Batterietechnologien, Systemarchitekturen und Betriebskonzepte mit Industrieunternehmen testen. Betriebsdaten aus M5Bat stellt die RWTH bereits öffentlich zur Verfügung.
Quelle: ISEA, RWTH Aachen | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH