Nordsee-Gipfel 2026: Europäische Kooperation spart Milliarden beim Offshore-Wind-Ausbau

Eine Bauplattform im Meer errichtet eine Offshore-Windenergieanlage, der Nordsee-Gipfel 2026 soll die europäische Zusammenarbeit stärken.Foto: DJ / stock.adobe.com
Die teilnehmenden Staaten des Nordsee-Gipfels wollen bis zu 100 GW Erzeugungsleistung grenzüberschreitend vernetzen.
Die Nordseeanrainer wollen den grenzüberschreitenden Ausbau der Windenergie auf See stärken. Laut einer Studie im Auftrag des BDEW kann mehr Kooperation Milliarden beim Offshore-Wind-Ausbau einsparen.

Auf dem internationalen Nordsee-Gipfel 2026 in Hamburg beraten Staats- und Regierungschefs und Energieminister:innen der Nordsee-Staaten mit Branchenvertreter:innen über den Ausbau von Windenergie in der Nordsee und die Stärkung der Offshore-Branche. Der 3. Nordsee-Gipfel baut auf den vorausgegangenen Gipfeltreffen 2022 in Dänemark und 2023 in Belgien auf, bei welchen sich die Teilnehmerstaaten als Reaktion auf den illegalen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die dadurch ausgelöste Energiekrise auf einen ambitionierten Ausbau von Windenergie auf See im Nordseeraum verständigt haben.

100 GW grenzüberschreitende Windenergie-Erzeugungsleistung

Die teilnehmenden Staaten wollen bis zu 100 GW Erzeugungsleistung grenzüberschreitend vernetzen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stärkung der regionalen Koordination und Finanzierung des Ausbaus von Offshore-Windparks und der dazugehörigen Stromnetze. So können etwa durch den vermehrten Bau sogenannter Kooperationsprojekte bestehende Flächen effizienter genutzt, Kosten reduziert und die Resilienz des Energiesystems verbessert werden. Kooperationsprojekte sind Offshore-Windparks mit Stromanbindung an mehr als ein Land sowie aus der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) anderer Länder angebundene Offshore-Windparks.

Zudem soll es einem gemeinsamen Investitionspakt zwischen Nordsee-Staaten, Offshore-Windindustrie und Übertragungsnetzbetreibern geben. Die Nordsee-Staaten streben die Sicherstellung einer stabilen Pipeline von Offshore-Wind-Ausschreibungen über das Jahr 2030 hinaus an und wollen der Windenergie- und Netzindustrie damit Planungs- und Investitionssicherheit ermöglichen. Basierend darauf verpflichtet sich die Branche dazu, die Stromgestehungskosten bis 2040 um 30 Prozent zu reduzieren, in Europa bis 2030 9,5 Milliarden Euro in neue Produktionskapazitäten zu investieren und 91.000 zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

BDEW begrüßt Ziele des Nordsee-Gipfels 2026

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) begrüßt einen Ausbau der Offshore-Windenergie, der stärker auf europäischer Kooperation basiert. Die Vorteile einer grenzüberschreitenden Offshore-Planung belege eine aktuelle Studie des Fraunhofer IWES im Auftrag von BDEW und BWO.

„Der Offshore-Wind-Ausbau in der Nordsee ist und bleibt ein Schlüsselelement der Energiewende in Deutschland und Europa. Entscheidend ist jetzt, den weiteren Ausbau nicht nur ambitioniert, sondern auch volllaststundenoptimiert und damit noch kosteneffizienter zu gestalten, ohne das 70-Gigawatt-Ziel bis 2045 aus den Augen zu verlieren. Ein zentraler Hebel für die Steigerung der Kosteneffizienz ist die weniger dichte Bebauung und die Nutzung und Anrechnung ausländischer Flächen“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Grenzüberschreitender Kooperation komme daher eine neue, zentrale Rolle zu. Die vorliegende Studie zeige anhand verschiedener 70-GW-Szenarien, dass durch eine weniger enge Bebauung und eine grenzüberschreitende Flächenkooperation Abschattungseffekte deutlich reduziert, Volllaststunden und Erträge um durchschnittlich 6 bis 13 Prozent gesteigert und die Kosten pro Megawattstunde Offshore-Strom somit um 6 bis 11 Prozent gesenkt werden können.

„Eine enge und verbindliche Zusammenarbeit mit unseren Nachbarländern im Nordsee- und Ostseeraum bietet somit immense Potenziale“, sagt Andreae. Um diese zu heben, müsse man bilaterale Vereinbarungen zwischen den Ländern schließen. So könne man Offshore-Wind-Flächen in der dänischen oder schwedischen AWZ, die man dort nicht benötigt, ausschließlich an das deutsche Stromnetz anschließen.

Verlässliche Rahmenbedingungen gefordert

Gleichzeitig benötigen Investoren laut BDEW verlässliche und vergleichbare Rahmenbedingungen im gesamten Nordseeraum. Zweiseitige Contracts for Difference (CfD) mit sektorspezifischer Indexierung und sinnvoll gesetzten Zuschlagsobergrenzen sollten allen Nordseeanrainerstaaten einführen und harmonisieren. „Die Erfahrungen zum Beispiel in Großbritannien zeigen, dass CfDs essenziell für die Investitionssicherheit und die Senkung der Projektkosten sind“, so Andreae. Neben staatlich abgesicherten Modellen sollten auch weiterhin separate Ausschreibungen für rein marktgetriebenen Ausbau möglich bleiben. Zudem sollte man die Nachfrage nach PPA durch eine bessere staatliche Flankierung der Dekarbonisierungsbestrebungen in der Industrie anreizen.“

Die Kurzversion der Studie des Fraunhofer IWES ist unter diesem Link zu finden. Die Veröffentlichung des Gesamtberichts folgt im Februar 2026.

Quelle: BMWE, BDEW | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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