Bauwerkintegrierte Photovoltaik: Webbasierter Leitfaden für standardisierte BIPV-Lösungen
Illustration: Wulf Architekten Ein neuer, webbasierter Leitfaden beschreibt 15 technisch, ökonomisch und architektonisch sinnvolle Lösungen für die Integration von Photovoltaik in Dächer und Fassaden. Die damit vorgelegten standardisierten Konstruktionsprinzipien für bauwerkintegrierte Photovoltaik (BIPV) sollen es Architekt:innen, Planer:innen und Projektentwicklern erleichtern, Solarenergie in ihre Entwürfe einzubeziehen. Gleichzeitig können sie sich sicher sein, dass sie technisch umsetzbare Lösungen wählen, die alle normativen und bauordnungsrechtlichen Anforderungen erfüllen. Design und gestalterische Umsetzung der gewählten BIPV-Lösung bleiben flexibel.
Ein Konsortium aus Forschung, Architektur, Fassadenplanung und Solarwirtschaft hat den webbasierten BIPV-Planungsleitfaden entwickelt, durch den Planende unkompliziert die für sie passende BIPV-Lösung in den frühen Planungsphasen nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) finden können.
Diese standardisierten BIPV-Lösungen können sie für den Entscheidungsprozess frühzeitig visualisieren und im Verlauf des Bauvorhabens weiter ausarbeiten. Hersteller oder Produkte und damit auch das genaue Design sind nicht vorgegeben. „Außerdem haben wir intensiv zu BIPV-Produkten recherchiert, um sicherzustellen, dass diese Lösungen nicht nur allen Bauvorschriften entsprechen, sondern tatsächlich auch realisiert werden können“, sagt Frank Ensslen, Leiter des Projekts und Bauingenieur am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. „Für jedes dieser fünfzehn Konstruktionsprinzipien gibt es ausreichend Produkte auf dem Markt – aufwendige Spezialfertigungen sind so im Realisierungsfall nicht nötig.“
Der Planungsleitfaden verfügt über eine Eingabemaske, in der man die Leistungsphase, in der sich das Bauprojekt befindet, sowie die gewünschte Einbaukategorie angibt. „In einem zweiten Schritt kann ich dann in einem komfortablen Online-Konfigurator genau die Parameter anpassen, die für mein Bauvorhaben zutreffen und erhalte dann die für mein Projekt passenden BIPV-Normallösungen“, sagt Baldur Dilthey, Architekt bei Wulf Architekten. „In den frühen Leistungsphasen dienen sie als ‚Platzhalter‘, die dann später ausgearbeitet werden können.“ Die BIPV-Normallösungen wiesen gewisse Freiheiten bei der Systembilanz und im Solarmodul-Design auf, zum Beispiel in Bezug auf Vorder- und Rückseitenglastyp, Glasdicken, PV-Modulabmessungen, Zelltechnologie und -belegung sowie die Einkapselungsmaterialien.
Leitfaden für standardisierte BIPV-Lösungen bietet Orientierung für Solarmodul-Hersteller
„BIPV-Normallösungen können andersherum auch für Modulhersteller als Orientierung zur Ergänzung ihres Produktportfolios mit individuellen Fertigungsmöglichkeiten dienen“, sagt Kai Babetzki, Berater bei Drees & Sommer SE. „Noch ist bauwerkintegrierte Photovoltaik eine Nische, doch ihr Potenzial ist groß. Dass es sich heute schon lohnt, kann man mit Hilfe des Amortisationsrechners prüfen, den wir ebenfalls in den BIPV-Planungsleitfaden aufgenommen haben.“
Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie Landesverband Berlin Brandenburg entwickelte im Projekt Weiterbildungsmaßnahmen zum Thema BIPV für Solarfachkräfte, Installateurinnen, Planer, Energieberaterinnen und Architekten. Innerhalb der Seminare will amn auch den Umgang mit dem Webtool vermitteln.
Entwickelt hat man die standardisierten BIPV-Lösungen im Rahmen des Forschungsprojekts „SolarEnvelopeCenter – Planungsunterstützung für die Solarisierung der Gebäudehülle in Neubau und Bestand“. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat das dreijährige Verbundprojekt gefördert. Projektpartner sind das Fraunhofer ISE, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI), Drees & Sommer SE, Wulf Architekten gmbh, IBC Solar AG sowie die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie Landesverband Berlin Brandenburg.
Quelle: Fraunhofer ISE | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH