Windprojektierer fordern bessere Rahmenbedingungen für Windenergie im Süden Deutschlands

Blick von der Gondel einer Windkraftanlage, Windenergie im Süden Deutschlands hat es in den EEG-Ausschreibungen schwer.Foto: Badenova / Jonas Conklin
Die Zahl der Genehmigungen für Windparks in Baden-Württemberg steigt. Doch ohne Zuschlag in den Ausschreibungen kommt es nicht zur Verwirklichung der Projekte.
Windkraft steht im Süden vor dem Aus. Denn in den Ausschreibungen der Bundesnetzagentur haben Windkraftprojekte in Baden-Württemberg und Bayern kaum noch Chancen. 22 Windpark-Projektierer fordern politische Nachbesserungen.

22 im Südwesten aktive Windpark-Projektierer haben sich mit einem Forderungspapier an politische Entscheidungsträger:innen gewandt. Zu den unterzeichnenden Unternehmen zählen unter anderem Badenova, Ökostrom und EWS Schönau. Der Auslöser ist die dramatische Überzeichnung der jüngst erfolgten EEG-Ausschreibung für Windenergieanlagen an Land der Bundesnetzagentur. Schon im November war die Ausschreibung deutlich überzeichnet.

Der EEG-Mechanismus benachteiligt Windenergie im Süden Deutschlands

Baden-Württemberg war in den Ausschreibungen der letzten Jahre deutlich unterrepräsentiert. Laut Badenova zeigt eine Prognose der Unternehmensberatung Enervis, dass Baden-Württemberg und auch Bayern in der aktuellen Ausschreibungsrunde unter den in der Studie getroffenen Annahmen vollständig leer ausgehen könnten. Denn der aktuelle Mechanismus des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, der den Ausbau grüner Energien durch eine vorrangige Abnahme und garantierte Vergütungen für Anlagenbetreiber fördert, missachtet zentrale Kostenfaktoren im Südwesten. Das sind laut den Windpark-Projektierern:

  • Höhere spezifische Projektkosten durch anspruchsvolle Topographie und Genehmigungsverfahren sowie kleinteiligere Projekte.
  • Teure Infrastrukturmaßnahmen wie Erschließungswege, Kabeltrassen und Speziallogistik.
  • Für das Energiesystem vorteilhafte Erzeugungsprofile, die Netzengpässe reduzieren könnten.

„Wenn die Bundesregierung in der anstehenden EEG-Novelle auf die Besonderheiten von Windkraftparks in Baden-Württemberg keine Rücksicht nimmt, steht der Windkraftausbau im Südwesten still“, sagt Matthias Welss, kaufmännischer Geschäftsführer von Badenova Erneuerbare.

Genehmigung für Windpark keine Garantie für Zuschlag in Ausschreibung

Die Zahl der Genehmigungen in Baden-Württemberg ist zuletzt gestiegen. Das ist jedoch bedeutungslos, wenn Projekte keine wirtschaftliche Perspektive haben. Zahlreiche bereits genehmigte Windparks der unterzeichnenden Unternehmen liegen baureif in der Schublade und brauchen jetzt den Zuschlag. „Kein Projektierer wird in neue Standorte investieren, wenn sogar genehmigte Projekte nicht mehr realisiert werden“, sagt Dirk Sattur, Vorstand von Badenova: „Das bricht der Energiewende im Süden das Genick. Und dabei wollen wir nicht tatenlos zusehen.“

EEG-Novelle nutzen

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bereitet derzeit eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vor. Das wäre eine Chance zur Korrektur. Die unterzeichnenden Unternehmen fordern Gegenmaßnahmen, um den wirtschaftlich erforderlichen sowie netz- und systemdienlichen Ausbau der Windkraft in Baden-Württemberg und in Süddeutschland weiter zu ermöglichen. Sie fordern eine finanzielle Berücksichtigung der Systemvorteile von Windenergieanlagen im Südwesten und eine Erhöhung der Ausschreibungsmenge.

Der Wind weht im Süden zeitlich anders als im Norden. Wenn durch Ausschreibungen nur im Norden des Landes weitere Anlagen entstehen, dann braucht es dort noch mehr Speicherkapazitäten und weitere Stromtrassen, die in den Süden führen. Es ist energiewirtschaftlich und volkswirtschaftlich also sinnvoll, Windenergieanlagen auch im Süden zu errichten – nah an industriellen Verbrauchern und mit hohem Nutzen für die Netzstabilität.

„Die Energiewende kann nur gelingen, wenn Windkraft in ganz Deutschland ausgebaut wird“, sagt Michael Klein, technischer Geschäftsführer von Badenova Erneuerbare: „Wir brauchen faire Rahmenbedingungen für alle.“

Diese Windprojektierer haben das „Forderungspapier Wind an Land“ unterzeichnet:

  •     Badenova AG & Co. KG
  •     EWS Elektrizitätswerke Schönau eG
  •     Ökostrom Erzeugung Freiburg GmbH
  •     Bürgerenergie Projektentwicklung GmbH
  •     Bürgerwindpark Hohenlohe GmbH
  •     EG Energie Grossrinderfeld GmbH
  •     Elektrizitätswerk Mittelbaden AG & Co. KG
  •     Iberdrola Deutschland GmbH
  •     KB Renewables
  •     Koehler Renewable Energy
  •     KS Energiesysteme GmbH & Co. KG
  •     KWA Contracting AG
  •     Qualitas Energy Deutschland GmbH
  •     SHE Schweizer Honold Energiesysteme GmbH & Co. KG
  •     Sowitec Group GmbH
  •     Solarcomplex AG
  •     Stadtwerke Radolfzell GmbH
  •     Teckwerke Bürgerenergie eG
  •     Teckwind Bürgerwind GmbH
  •     Vattenfall Europe Windkraft GmbH
  •     WEBW Neue Energie GmbH
  •     WW Süd GmbH & Co. KG

Quelle: Badenova | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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