Finanzierung von Wärmenetzen: Studie gibt Kommunen konkrete Planungshilfen

Das Foto zeigt zwei Personen stehend in einer Straßenschlucht mit mehrstöckigen Altbauten rechts und links. Unter ihren Füßen eine Baustelle, die Straße ist aufgerissen und legt Rohre frei.Foto: KEA-BW
Eine aktuelle Studie der KEA-BW analysiert, wie Kommunen ihre Wärmenetze erfolgreich planen und finanzieren können.
Der Ausbau von Wärmenetzen erfordert hohe Investitionen und stellt Kommunen vor finanzielle Herausforderungen. Eine aktuelle Studie der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) zeigt nun Wege auf, wie Planung, Finanzierung und Betrieb strukturiert werden können. Ergänzend steht ein Excel-Tool zur Wirtschaftlichkeitsberechnung bereit.

Hoher Investitionsbedarf für Wärmenetze

Der Ausbau der Wärmenetze in Baden-Württemberg gewinnt vor dem Hintergrund der Wärmewende zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig ist der finanzielle Aufwand erheblich: Bis 2030 wird ein Investitionsbedarf von rund 10 Milliarden Euro erwartet. Für viele Kommunen, die bereits unter Haushaltsdruck stehen, stellt die Finanzierung entsprechender Projekte eine zentrale Hürde dar.

Die im Auftrag der KEA-BW erstellte Studie „Finanzierung von Wärmenetzen“ setzt genau an diesem Punkt an. Sie richtet sich insbesondere an Städte und Gemeinden und soll als praxisnahe Entscheidungshilfe dienen. Erarbeitet wurde sie von der GEF Ingenieur AG, der IBS Ingenieurgesellschaft sowie dem Institut für Energie- und Umweltforschung gGmbH (ifeu).

Wärmenetzplanung: Von der kommunalen Wärmeplanung zur Umsetzung

Die kommunale Wärmeplanung bildet zwar die Grundlage für den Ausbau von Wärmenetzen, liefert jedoch keine belastbaren Aussagen zu Kosten und Wirtschaftlichkeit konkreter Projekte. Hier setzt die Studie an und ergänzt die strategische Planung um operative und finanzielle Aspekte.

Ein zentraler Baustein ist die Strukturierung der Projektphasen. Nach der Wärmeplanung empfiehlt sich eine Machbarkeitsstudie, die die technische Ausgestaltung des Netzes definiert und wesentliche Kostentreiber identifiziert. Diese Phase wird durch die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützt.

Bereits in dieser frühen Phase sollten Kommunen auch Entscheidungen über das spätere Betreibermodell treffen. Diese wirken sich direkt auf Finanzierung, Risikoallokation und organisatorische Anforderungen aus.

Betreibermodelle und Finanzierung im Vergleich: Eigenbetrieb oder Drittinvestor?

Die Studie stellt unterschiedliche Organisations- und Finanzierungsmodelle gegenüber. Dazu zählen kommunale Eigenbetriebe ebenso wie Pachtmodelle oder Drittinvestorenlösungen, etwa im Rahmen von Contracting.

Während im kommunalen Eigentumsmodell die Steuerung und Kontrolle stärker bei der Kommune liegen, bieten Drittinvestorenmodelle eine Entlastung bei Finanzierung und Betrieb. Insbesondere kleinere Kommunen können dadurch personelle und finanzielle Ressourcen schonen, indem externe Betreiber Planung, Umsetzung und Betrieb übernehmen.

Auch bei der Finanzierung unterscheiden sich die Modelle deutlich:

  • Im Eigenbetriebs- und Pachtmodell tragen Kommunen einen Großteil der Investitionen selbst.
  • Bei Drittinvestorenmodellen übernehmen externe Akteure die Finanzierung.

Breites Spektrum an Finanzierungsinstrumenten

Die Untersuchung zeigt zudem verschiedene Finanzierungsquellen auf. Dazu zählen klassische Darlehen ebenso wie Investitionsfonds, Inhaberschuldverschreibungen oder Genussrechte. Ergänzend können Bürgschaften von Land oder Bund eine Rolle spielen.

Vor dem Hintergrund steigender Investitionsbedarfe – etwa in Bildung oder soziale Infrastruktur – wird deutlich, dass Kommunen zunehmend auf externe Kapitalquellen angewiesen sind. Die Studie betont daher die Bedeutung einer strategischen Kombination aus Eigenmitteln, Förderprogrammen und privatem Kapital.

Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen im Fokus: Excel-Tool zur Kalkulation

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist ein Excel-basiertes Berechnungstool. Dieses ermöglicht es Kommunen, die finanziellen Auswirkungen eines Wärmenetzprojekts auf den eigenen Haushalt zu analysieren.

Das Tool berücksichtigt verschiedene Einflussfaktoren auf die Wirtschaftlichkeit, darunter Anschlussquoten und Zinssätze. Es bietet eine strukturierte Eingabemaske sowie automatisierte Berechnungen und erlaubt damit eine differenzierte Bewertung von Investitions- und Betriebskosten.

Für kommunale Entscheidungsträger entsteht so eine belastbare Grundlage, um Wirtschaftlichkeit und Risiken eines Projekts frühzeitig einzuschätzen.

Einordnung für den Markt der Wärmenetze

Die Studie adressiert eine zentrale Herausforderung der Wärmewende: die Finanzierung kommunaler Infrastruktur. Gerade im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien – etwa der Integration von Großwärmepumpen oder solarthermischen Anlagen – gewinnen Wärmenetze an Bedeutung für die Dekarbonisierung des Wärmesektors.

Für die Energiewirtschaft und Investoren ergeben sich daraus neue Geschäftsfelder, insbesondere im Bereich Contracting und Infrastrukturfinanzierung. Gleichzeitig steigt der Bedarf an standardisierten Bewertungs- und Planungsinstrumenten, wie sie die Studie bereitstellt.

Fazit
Die Untersuchung der KEA-BW liefert Kommunen erstmals eine strukturierte Entscheidungsgrundlage für Finanzierung und Umsetzung von Wärmenetzen. Besonders das Berechnungstool kann helfen, Projekte frühzeitig wirtschaftlich zu bewerten. Künftig dürfte entscheidend sein, in welchem Umfang es gelingt, externe Finanzierungsquellen systematisch zu erschließen.

Der Studienbericht und das Excel-Tool zur Wirtschaftlichkeitsberechnung bei der KEA-BW.

Quelle: KEA-BW | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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