Analyse: Europas Batteriespeicher kommen nur noch schwer ans Netz
Foto: scharfsinn86 / stock.adobe.comDer europäische Batteriespeichersektor ist nach einem rasanten Wachstum der letzten 18 Monate zunehmend mit regulatorischen und netzbezogenen Zugangshürden konfrontiert. Zu diesem Schluss kommt die Wirtschaftskanzlei Fieldfisher in ihrem „The European Battery Energy Storage System (BESS) Economy“-Report. Der Konflikt im Nahen Osten werde die Nachfrage nach sauberer Energie zwar weiter steigern und damit auch den Bedarf an Batteriespeicherkapazitäten erhöhen. Doch der Fortschritt hänge entscheidend von drei Faktoren ab: einem beschleunigten Netzausbau, vereinfachten Planungsprozessen und klareren, berechenbareren und verlässlicheren rechtlichen Rahmenbedingungen für Investoren und Entwickler.
Die Analyse von Fieldfisher erstreckt sich auf elf europäische Märkte und basiere auf dem BESS Market Maturity Index, der die Länder anhand von fünf rechtlichen und regulatorischen Säulen bewertet. Dabei handelt es sich um Regulierung, Netzanschluss, Investorenvertrauen, Fördermaßnahmen und Cybersicherheit. Zusammengenommen zeigen diese Faktoren, wo die Märkte reifen – und wo strukturelle und rechtliche Hindernisse den Ausbau weiterhin bremsen.
Deutschland besonders hoher Engpass
Der Report kommt zu dem Ergebnis, dass 9 von 11 Märkten bereits mit überlasteten Netzen konfrontiert sind, was zu langen Wartezeiten bei der Genehmigung von Netzanschlüssen und zunehmender Unsicherheit hinsichtlich der Realisierbarkeit von Projekten führt. In Deutschland sei die Lage besonders akut. Die Übertragungsnetzbetreiber erhielten Anfang 2025 Anträge auf neue Netzanschlüsse im Umfang von 226 GW, was die verfügbare Kapazität bei weitem übersteigt. Ein Netzbetreiber habe bestätigt, dass bis 2029 keine weiteren Kapazitäten zur Verfügung stehen. Irland sieht sich ähnlichen Einschränkungen gegenüber und nutzt aufgrund von Problemen mit der Netzbereitschaft nur 730 MW einer 10-GW-Pipeline. Der Bericht beschreibt, wie die Netzbetreiber mit diesen Herausforderungen umgehen, und zeigt Chancen auf, die sich aus der aktuellen Situation ergeben.
Belgien und die Niederlande haben flexible Zugangsregelungen eingeführt, um Verkehrsüberlastungen zu bewältigen, während Spanien angesichts des raschen Anstiegs des Anteils erneuerbarer Energien mit zunehmenden Einspeisebeschränkungen konfrontiert ist. Dieser wachsende Druck macht deutlich, dass eine systemische Reform des Stromnetzes in ganz Europa erforderlich ist.
Verpflichtung zu Cybersecurity
Daneben gehören Verzögerungen bei der Genehmigungserteilung zu den drängendsten Herausforderungen in Europa. In Österreich, Deutschland und Irland überschreiten Planungs- und Umweltgenehmigungen regelmäßig die von der EU empfohlenen Fristen, wobei zusätzliche Brandschutz- und Umweltprüfungen die Entwicklung weiter verzögern. Im Gegensatz dazu hat Portugal die effizientesten Reformen in Europa umgesetzt, indem es Projekte für Batteriestationen am Standort beschleunigt und die Genehmigungszeiten um bis zu 40% verkürzt hat – unterstützt durch einen stabilen Rechtsrahmen und Fördermittel für mehr als 500 MW Kapazität.
Cybersicherheit sei mittlerweile zu einer vorgelagerten rechtlichen Verpflichtung geworden und nicht mehr nur eine nachgelagerte operative Überlegung. Neue Standards beeinflussten die Lieferantenauswahl, die Systemarchitektur und die Fristen für Due-Diligence-Prüfungen, wobei Verstöße zunehmend zu Neukonzeptionen, Verzögerungen oder Eskalationen auf behördlicher Ebene führten.
Trotz der beschriebenen Hindernisse biete Europa aber auch erhebliche Chancen, so der Bericht weiter. So können beispielsweise die gemeinsame Errichtung von Batterieanlagen an Standorten mit Wind- oder Solaranlagen die Einnahmen um 8–25 % steigern. Vorübergehende Befreiungen von Netzentgelten in Deutschland und Belgien verbesserten zudem die Renditen in der Anfangsphase, während neue Kapazitätsmärkte in Italien, Belgien und Polen besser vorhersehbare Einnahmequellen eröffnen. Viele dieser Chancen hängen jedoch von einer proaktiven regulatorischen Positionierung, einer frühzeitigen Minderung rechtlicher Risiken und der Sicherung des Netzzugangs ab, bevor es zu Engpässen kommt.
“Europas Ambitionen im Bereich der Batteriespeicher sind real”, sagt Daniel Marhewka, Co-Head der Praxisgruppe Energy, Natural Resources & Sustainability bei Fieldfisher. “Doch um sie zu verwirklichen, müssen Investoren und Finanziers sich in einem sich stetig wandelnden regulatorischen Umfeld zurechtfinden und künftige Entwicklungen vorausschauend einkalkulieren.”
Quelle: Fieldfisher | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH