Geothermie München: DMT startet großflächige 3D-Seismik
Foto: Giga-MDMT, eine Gesellschaft der TÜV NORD GROUP, führt im Auftrag der Stadtwerke München (SWM) eine 3D-seismische Erkundung durch. Die Untersuchung im Rahmen des Forschungsprojekts GIGA-M erstreckt sich über rund 1.100 Quadratkilometer. Bereits heute nutzen verschiedene Betreiber das Thermalwasserreservoir im Großraum München. Rund 50 Bohrungen liefern dabei eine thermische Gesamtleistung von etwa 400 MW. Das zusätzlich erschließbare Potenzial beziffert das Projektkonsortium auf mehr als 1.000 MW.
Vibro-Trucks und Geophone erzeugen 3D-Untergrundmodell
Für die Messungen setzt DMT Vibro-Trucks ein, die kontrollierte Schwingungen in den Untergrund einleiten. Die an Gesteinsschichten reflektierten Signale erfassen Tausende Geophone. Aus den Daten soll ein hochauflösendes dreidimensionales Modell des Untergrunds entstehen. Christian Henke, Leiter Seismik Exploration & Processing bei DMT, beschreibt die planerische Herausforderung: In dicht besiedeltem Gebiet müssten die Zahl der Messpunkte, der Einsatz der Vibro-Trucks und die Aufzeichnung durch Tausende Geophone über die gesamte Fläche präzise aufeinander abgestimmt werden. So entstehe eine konsistente Datengrundlage für das 3D-Modell. DMT hatte vergleichbare Erfahrungen mit Planung und Umsetzung urbaner seismischer Messungen bereits in Münster gesammelt. Diese fließen nun in die Münchner Erkundung ein.
Zeitplan: Messungen wandern von Süden nach Norden
Die Kampagne wird blockweise durchgeführt und läuft mit mehreren parallelen Messteams. Begonnen haben die Arbeiten im südlichen Landkreis München, unter anderem bei Hofolding, sowie im nördlichen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und Teilen der Landkreise Miesbach, Starnberg und Fürstenfeldbruck. Im September folgen die Landkreise Fürstenfeldbruck und Dachau sowie Teile des westlichen Münchner Stadtgebiets. Ab Oktober werden Teile des nördlichen und östlichen Stadtgebiets sowie weitere Gebiete in den Landkreisen Dachau und Freising vermessen. Die abschließenden Messungen sind in den Landkreisen Ebersberg und Erding vorgesehen. GIGA-M zufolge dauern die Arbeiten an einem einzelnen Messpunkt jeweils nur wenige Minuten und liegen innerhalb der einschlägigen DIN-Anhaltswerte. Das zuständige Bergamt bei der Regierung von Oberbayern hat die Arbeiten genehmigt.
Die Technische Universität München koordiniert das Forschungsprojekt. Gefördert wird es vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE). Weitere Projektpartner sind die SWM, die Energie-Wende-Garching, die Energieagentur Ebersberg-München, der Landkreis München und die Landeshauptstadt München.
Datengrundlage für koordinierte Wärmeplanung
Nach Projektabschluss stellt das Bayerische Landesamt für Umwelt das geologische 3D-Modell allen Interessierten im Großraum München kostenlos zur Verfügung. Kommunen und Projektentwickler sollen damit potenzielle Standorte im Zusammenhang des gesamten Thermalwasserreservoirs bewerten können. DMT bezeichnet die Kampagne als weltweit größte innerstädtische seismische Standorterkundung. Das Projektkonsortium spricht zurückhaltender von der bislang umfassendsten seismischen Untersuchung eines Geothermiepotenzials in Deutschland.
Quelle: Stadtwerke München GmbH / DMT | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH