Energiewenderechner des BEE simuliert Ausbau bis 2045
Foto: Miha Creative / stock.adobe.comDer Energiewenderechner des BEE zeigt den Stand der Stromerzeugung und des Energiebedarfs auf einer Karte deutscher Kommunen und Landkreise. Seine Simulationen reichen auf Landkreisebene bis 2045. Nutzerinnen und Nutzer können Annahmen zu Erzeugung, Verbrauch, Flexibilitäten und Sektorenkopplung verändern und so eigene Szenarien berechnen. Entwickelt hat das Werkzeug die Fachabteilung des BEE mit wissenschaftlicher Unterstützung des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE). Die Kartenansicht des Rechners ist öffentlich einsehbar, der volle Zugang zum Rechner ist derzeit nur auf Anfrage beim BEE möglich.
Energiewenderechner des BEE nutzt acht Wetterjahre
Nach Angaben des BEE beruhen die Berechnungen auf acht Wetterjahren mit stündlicher Auflösung. Das Wettermodell verwendet laut BEE ein Raster von 6 × 6 Kilometern mit mehr als 10.000 Rasterpunkten für Deutschland, um jeden Windpark, jede PV-Anlage und jede Wasserkraftanlage einzeln abzubilden. Der Rechner bezieht zudem das Marktstammdatenregister ein; diese Daten sollen nach Unternehmensangaben regelmäßig aktualisiert werden. Neue Daten aus den Landkreisen will der BEE zudem automatisch und zeitnah einspielen, damit alle Nutzerinnen und Nutzer auf demselben Informationsstand arbeiten.
Mehr als 300 Akteure an Entwicklung beteiligt
Szenarien lassen sich nicht nur für einzelne Landkreise, sondern auch für mehrere Landkreise zusammen sowie für Bundesländer und Deutschland berechnen. Die erste Ausbaustufe umfasst nach BEE-Angaben Stromerzeuger und Stromverbraucher einschließlich der Sektorenkopplung. Laut Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen (LEE Niedersachsen/Bremen), der das Projekt mit unterstützt, deckt der Rechner dabei konkret auch die Bereiche Speicher, Elektromobilität, Power-to-Heat und Elektrolyse ab. Für eine zweite Stufe ab 2027 kündigt der Verband die vollständige Wärmeplanung an. An der Entwicklung waren laut BEE 305 Akteure aus Energiewirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung beteiligt, darunter Betreiber, Projektierer, Verbände, Netzbetreiber und wissenschaftliche Institute.
Mit Blick auf die nächste Phase der Energiewende ordnet BEE-Fachbereichsleiter Dr. Matthias Stark das Projekt ein: „Die zweite Hälfte der Energiewende ist die Phase der Systemintegration.“ Es gehe künftig nicht mehr nur darum, wie viel erneuerbare Energie zugebaut wird, sondern wo, wann und im Zusammenspiel mit welchen Verbrauchern und Speichern.
Stromnetze sind kein Teil der Simulation
Die Stromnetze selbst bildet der Rechner nicht flächendeckend in seinen Simulationen ab. Der BEE nennt dafür drei Gründe: Erstens fehlen flächendeckende Daten zu den Stromnetzen, vor allem unterhalb der Hochspannungsebene. Zweitens verändern sich die Netze derzeit in kurzen Abständen. Drittens will der BEE mit dem Rechner bewusst nicht vom heutigen Netzzustand und seinen Beschränkungen ausgehen, sondern einen höheren regionalen Deckungsgrad ermöglichen – das führe zu effizienteren und günstigeren Netzausbaustrukturen, als sie aktuelle Netzausbaupläne vorsehen.
Wo Informationen vorliegen, zeigt der Rechner Stromnetze dennoch als Kartenebene an. Netzbetreiber sollen die im Rechner erstellten Ausbauplanungen laut BEE nutzen, um ihren digitalen Netzzwilling zu füttern und so die Netzsimulation zu integrieren. Damit kann das Werkzeug regionale Annahmen zu Erzeugung, Bedarf und Flexibilitäten vergleichbar machen. Ob eine bestimmte Planung im vorhandenen Netz umsetzbar ist, lässt sich aus der Simulation allein jedoch nicht ableiten.
Der Energiewenderechner des BEE ist hier zu finden.
Quelle: BEE e.V. / LEE Niedersachsen/Bremen e.V. | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH