Fraunhofer ISE: Softwaretool soll Wärmepumpen-Einbau beschleunigen
Grafik: Fraunhofer ISEForschende des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE haben den Prototyp einer herstellerunabhängigen App für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik-Betriebe entwickelt. Diese soll Heizungsanlagen virtuell planen können. Anders als bereits erhältliche Softwaretools bündelt die Heat-Pump-PlanAR-App verschiedene Arbeitsschritte des Planungs- und Installationsprozesses in einer einzelnen Anwendung. Der Software-Prototyp ist ein Ergebnis des Verbundprojekts WESPE unter der Leitung des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Die Forscher:innen haben ihn in engem Austausch mit Handwerksbetrieben konzipiert. Nun wollen sie die Anwendung gemeinsam mit interessierten Softwareunternehmen weiterentwickeln und auf den Markt bringen.
„Die Installation von Wärmepumpen zu beschleunigen, ist ein wichtiges Ziel, aber auch ein kontinuierlicher Prozess, der durch regelmäßiges Hinterfragen der Arbeitsabläufe und Analysieren von Fehlern und Schwierigkeiten vorangetrieben werden muss“, sagt Annette Uhl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer ISE. Im Rahmen des WESPE-Projekts befragte das Forschungsteam zunächst Handwerksbetriebe in ganz Deutschland nach ihren Anforderungen. Eine Mehrzahl der Betriebe wünschte sich ein einzelnes, integratives Werkzeug für den gesamten Installationsprozess, um den zeitaufwändigen Datentransfer zwischen verschiedenen Anwendungen – etwa zur Bestandserfassung, technischen Auslegung oder Angebotserstellung – zu vermeiden.
„Unser Ziel war daher, ein Workflow-übergreifendes Tool zu schaffen, um den Installationsprozess zu beschleunigen und die Betriebe zu entlasten“, so Annette. Mithilfe der neu entwickelten Heat-Pump-PlanAR-App können SHK-Handwerker:innen verschiedene Anlagen-, Verrohrungs- und Aufstellungsvarianten einer Wärmepumpe bereits beim ersten Kundenbesuch durchspielen. Betriebe sollne Angebote einfacher erstellen und Aufwände verschiedener Anlagenvarianten automatisch miteinander vergleichen können. Zudem soll die App die Kommunikation zwischen Mitarbeitenden im Betrieb und auf der Baustelle beim Wärmepumpen-Einbau erleichtern.
System platziert Hauptkomponenten automatisch im Raum
Sobald die auf einem Tablet installierte App den Heizungsraum per dreidimensionalem Scan erfasst hat, können die SHK-Handwerker und -Handwerkerinnen ein passendes Anlagenschema aus der Datenbank auswählen. Das System platziert die Hauptkomponenten nun automatisch im erfassten Raum und berechnet eine kostenoptimierte Verrohrungsplanung. App-Nutzende können die Konfiguration mithilfe von Augmented Reality im Raum ansehen und bei Bedarf manuell anpassen, nachträgliche Änderungen können sie in einer Virtual-Reality-Ansicht auch vom Schreibtisch aus vornehmen. Abschließend können sie sowohl eine Stückliste der benötigten Materialien als auch Angaben zur prognostizierten Installationszeit exportieren.
Die neu entwickelte App oder einzelne Bestandteile davon stehen nun Softwareanbietern zur Verfügung, die diese in ihre Lösungen integrieren, weiterentwickeln und kommerzialisieren können. Einzelne Funktionen, darunter die Positionsoptimierung von Komponenten oder das Autorouting für Verrohrungen, sind als lizenzierbarer Webservice zugänglich.
Mit einer Absatzsteigerung von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr zählen Wärmepumpen zu den aktuell meistgefragten Heizungstypen. „Wer einen SHK-Betrieb führt, weiß: Uns fehlt nicht die Arbeit. Knapp ist vor allem die Zeit unserer Fachkräfte“, sagt Frank Senger, Vizepräsident des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima ZVSHK. Die Heat-Pump-PlanAR-App soll Handwerksbetriebe und Installateure nun darin unterstützen, die Installation von Wärmepumpen angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels und des gestiegenen Kostendrucks wesentlich zu beschleunigen.
WESPE-Check für Optimierung beim Wärmepumpen-Einbau
Im Rahmen des Projekts WESPE (Wärmepumpen-Einbau Schneller, Produktiver und Effizienter) haben die beteiligten Projektpartner außerdem zwei Online-Angebote erarbeitet. Der WESPE-Check und eine ab dem 5. Oktober 2026 verfügbare Wissensplattform sollen SHK-Betrieben eine kostenlose Selbsteinschätzung der eigenen Prozesse ermöglichen und helfen, Optimierungsmöglichkeiten zu identifizieren.
Bei der WESPE-Abschlussveranstaltung am 17. September in Berlin präsentierte der ZVSHK gemeinsam mit den Projektpartnern die Ergebnisse und diskutierte mit Vertretern aus Handwerk, Wissenschaft und Branche über den Transfer in die Praxis.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat das dreijährige Forschungsprojekt WESPE gefördert. Am Projekt beteiligt waren neben dem ZVSHK das Fraunhofer IBP, das Fraunhofer ISE, die Hans Schramm GmbH, die SHK-Innung Berlin und 15 Handwerksbetriebe.
Quelle: Fraunhofer ISE | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH