Tagung: Wüstensonne soll künftig Strom für Europa liefern

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Mit der globalen Energiekrise beschäftigt sich am 9. und 10. Juni 2008 der 1. Gießener Workshop zur Solarenergie- Partnerschaft mit Afrika (SEPA08). Zu der Tagung kommen Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachgebieten zusammen, um über Solarenergie-Nutzung in der Sahara zu diskutieren. An der Justus- Liebig-Universität hatte sich bereits im Sommersemester 2007 eine interdisziplinäre Forschergruppe zusammengefunden, deren Ziel ist, die Chancen und Probleme einer Energie-Partnerschaft Europas mit Afrika auszuloten. “Die Energiemenge, die unser ‘Fusionsreaktor’ Sonne an einem Tag innerhalb von sechs Stunden in die Wüstenregionen der Erde einstrahlt, entspricht dem Weltenergiebedarf eines ganzen Jahres”, erläutert Prof. Dr. Michael Düren (II. Physikalisches Institut), einer der Organisatoren der Tagung. Ein kleiner Bruchteil der in die Wüste eingestrahlten Solarenergie könnte also die Energieprobleme der Welt lösen – wenn es gelingen würde, sie nutzbar zu machen.
Mit solarthermischen Kraftwerken könne Solarenergie in der Wüste kostengünstig in Wärme und Strom umgewandelt werden, und sei ist kein technisches Problem mehr, aus Anlagen in der Sahara rund um die Uhr den Strom für ganz Europa zu liefern. “Aus physikalischer Sicht gibt es in dem Sinne keine Energiekrise, solange die Sonne scheint”, betont Prof. Düren.

Wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Gründe standen dem Bau solarthermischer Kraftwerke im Wege
Die Idee ist nicht neu, sie wird im Gegenteil seit 20 Jahren immer wieder diskutiert. Dennoch sei ihre Umsetzung bis heute nicht ernsthaft vorangetrieben worden, so die Justus- Liebig-Universität. Das lasse erahnen, dass es weniger technische Probleme waren, welche die effiziente Nutzung dieser Ressourcen bisher verhinderten, als wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Gründe, die dem Bau solcher Anlagen im Wege standen. “Historische und politische Belastungen, wie beispielsweise die Erinnerung an die Epoche kolonialer Ausbeutung, und die ganz aktuellen, gewaltsamen Auseinandersetzungen um Energieressourcen in Afrika, wie zum Beispiel die Ölförderung in Nigeria, spielen hier eine Rolle”, sagt Prof. Dr. Winfried Speitkamp (Historisches Institut), der die Tagung zusammen mit Prof. Düren ins Leben gerufen hat.

Nutzung der regenerativen Ressourcen für Europa und Afrika immer dringender
Mit der Verschärfung der Energie- und Klimaprobleme werde die Nutzung der regenerativen Ressourcen aber für beide Kontinente immer dringender, betonen Gießener Forscher. Es sei Ziel des Workshops, das Zusammenspiel der technischen Optionen und ihrer wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen eingehender zu analysieren, um so die Möglichkeiten einer für beide Seiten vorteilhaften, klimafreundlichen Energieversorgung ausloten zu können. “Eine Solarenergie-Partnerschaft zwischen Europa und Afrika sollte überdies nicht nur zur Lösung der Energieprobleme im engeren Sinne beitragen”, betont Prof. Speitkamp. “Sie sollte darüber hinaus in der Lage sein, die zu erwartenden politischen und humanitären Probleme der Zukunft zu entschärfen. Mit unserem Workshop ‘SEPA08’ wollen wir dazu einen Beitrag leisten.”
Die Tagung im Senatssaal im Hauptgebäude der Universität (Ludwigstr. 23, Gießen) beginnt am Montag, 9. Juni 2008, um 14 Uhr mit einer Begrüßung durch Universitätspräsident Prof. Dr. Stefan Hormuth und schließt am Dienstag, 10. Juni 2008, um 11 Uhr mit einer Podiumsdiskussion zu der Frage “Was ist nötig, um in Ägypten, Marokko und Namibia Solarkraftwerke zu bauen?”.

09.06.2008 | Quelle: Justus- Liebig-Universität Gießen | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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