Meyer Burger: Über Monate ausverkauft

Meyer Burger CEO Gunter Erfurt in der Solarzellenfabrik.Foto: Meyer Burger
Meyer Burger CEO Gunter Erfurt in der neuen Solarzellenfabrik.
Die Meyer Burger Technologie AG erfreut sich starker Nachfrage ihrer neuen Solarmodule. Zum Halbjahr haben die Schweizer planmäßig weniger Umsatz bei ähnlich hohen Verlusten wie im Vorjahr erzielt.

Meyer Burger ist Dank hoher Nachfrage für die neuen Solarmodule über Monate ausverkauft. Das teilte das Unternehmen im Rahmen der Halbjahresberichterstattung mit. Nach der Vorstellung der Meyer Burger-Solarmodule für das Dachanlagen-Segment entwickelte sich der Bestellungseingang demnach höchst erfreulich. Meyer Burger ist heute mit den vorliegenden Bestellungen bis weit ins vierte Quartal 2021 hinein vollständig ausverkauft. Die erzielten Preise entsprechen vollumfänglich den Erwartungen. Zudem konnte Meyer Burger bereits früher als geplant erste Pilotprojekte im Bereich Solarkraftwerke und grosse Industrie-Dachanlagen gewinnen. 

Die Kundenliste von Meyer Burger umfasst inzwischen rund 30 Kunden, dabei marktführende Grosshändler wie BayWa r.e., Krannich Solar, IBC Solar, Sonepar, Memodo in Europa sowie der US-Grosshändler CED Greentech. Damit sind Meyer Burgers Produkte in mehr als 60 Länderniederlassungen von Grosshändlern vertreten. Mehr als 175 Installateure haben sich inzwischen als Meyer Burger-Installateure registrieren lassen.

Komponenten mittlerweile geliefert

Parallel zum Hochfahren der Produktion hat Meyer Burger mit der Auslieferung erster Module Ende Juli begonnen. Die Fertigungen an beiden Standorten laufen inzwischen im kontinuierlichen Schichtbetrieb rund um die Uhr. Fehlende, für den plangemässen Hochlauf der Fabriken notwendige Standardkomponenten haben jedoch die Inbetriebnahme einzelner Teile der Produktionslinien verzögert und verringern derzeit die Hochlaufgeschwindigkeit der Fabriken. Diese Teile sind zwischenzeitlich geliefert worden.

Meyer Burger rechnet nun trotzdem nicht mehr damit, die volle Produktionskapazität wie avisiert Ende August zu erreichen, sondern wenige Wochen später. Meyer Burger liefert derzeit kontinuierlich und individuell abgestimmte Teilmengen, um die bereits vereinbarten Liefertermine bestmöglich einzuhalten. Die Versorgung mit kritischen Materialien für die Solarzellen- und Modulproduktion ist trotz der angespannten globalen Marktsituation nachhaltig durch verbindliche Lieferverträge gesichert.

Neuer Modulstandort

Meyer Burger plant, bereits Ende 2022 je 1,4 GW Zell- und Modulproduktionskapazität zu erreichen und damit auch die Lücke zwischen Modul- und Zellkapazität zu schliessen. Geplant ist ab diesem Zeitpunkt eine jährliche Modulproduktionskapazität von ca. 1 GW in Freiberg und zunächst ca. 0,4 GW an einem zweiten, ausbaufähigen Modulproduktionsstandort. Die Entscheidung zum zweiten Produktionsstandort wird noch im dritten Quartal 2021 angestrebt. 

Die Resultate des ersten Halbjahres 2021 reflektieren ferner erwartungsgemäss die strategische Neuausrichtung des Geschäftsmodells. Während die Umsätze unter dem alten Geschäftsmodell mit insgesamt CHF 18,0 Millionen (H1 2020: CHF 51,0 Millionen) ausliefen, erzielt Meyer Burger ab Beginn des zweiten Halbjahres 2021 erste Umsätze mit Solarmodulen.

 Das erwirtschaftete EBITDA betrug CHF -30,9 Millionen (H1 2020 angepasst: CHF -25,5 Millionen). Mit Abschreibungen und Wertberichtigungen, dem Finanzergebnis sowie dem anteiligen Ergebnis assoziierter Unternehmen und Steuern ergab sich ferner ein Halbjahresergebnis von CHF -37,2 Millionen (H1 2020 angepasst: CHF -37,4 Millionen). 

Restrukturierung in Asien

Die Nachfrage für das Servicegeschäft für Bestandskunden von Produktions-Equipment geht erwartungsgemäss zurück. Daher hat Meyer Burger im Juli 2021 eine Restrukturierung der asiatischen Standorte bekanntgegeben. Damit optimiert Meyer Burger die globale Organisationsstruktur entsprechend der Neuausrichtung und stärkt die Ertragskraft des Unternehmens. Die Tochtergesellschaft Pasan mit Vertrieb und Service ihrer hochpräzisen Messtechnik-Produkte setzt das Geschäft aber unverändert fort.

Im Rahmen der Kapazitätserweiterung plant Meyer Burger, ab dem zweiten Halbjahr 2022 spezielle Solarmodule mit ihrer Hochleistungs-Technologie für das weltweit wachsende Solarkraftwerk-Segment anzubieten. 

Ab dem zweiten Halbjahr 2022 ist darüber hinaus geplant, das Portfolio im Hausdachsegment um innovative Solar-Dachziegel zu erweitern, die wie traditionelle Dachziegel einfach montiert werden können. Meyer Burger konnte dazu eine zertifizierte und bauaufsichtlich zugelassene Lösung von einem deutschen Ingenieurdienstleister erwerben.

Auch konnte Meyer Burger die Heterojunction-Technologie der nächsten Generation (Heterojunction/IBC) weiter in Richtung Produktionsreife entwickeln. Bei ersten mit marktüblicher Grösse hergestellten Modulen wies das Unternehmen in einem «Proof-of-Concept» eine Moduleffizienz von 24,7 % nach. Dieser Wert zählt damit zu den höchsten jemals erzielten Moduleffizienzen mit Silizium-Technologie.

Zukunft von Perowskit

Im Juli 2021 kündigte Oxford Photovoltaics Limited (Oxford PV) unerwartet den seit 2019 bestehenden Kooperationsvertrag zur gemeinsamen Entwicklung der Technologie für die Massenfertigung von Perowskit-Tandemzellen auf. Meyer Burger strebt nun neue Forschungsprojekte zum Thema Industrialisierung von Perowskit an.

Das Unternehmen rechnet damit, dass die Nachfragedynamik in den kommenden Jahren anhält. Die Fertigung von Zellen und Modulen in Zentraleuropa stärkt die Marktposition von Meyer Burger zusätzlich, da die Lieferzeiten kurz und Logistikkosten im Vergleich zu asiatischen Produzenten tief sind. Die auf Europa ausgerichtete Lieferkette verbessert zudem den CO2-Fussabdruck. Der Solarsektor erfährt darüber hinaus in den USA und der Europäischen Union wachsende industriepolitische Unterstützung.

20.8.2021 | Quelle: Meyer Burger | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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