Solarthermie-Symposium: Wärmepläne der Regierung kaum machbar

Handwerker installieren eine Solarthermie-Anlage auf einem Dach. Symbolbild für BAFA-Förderung - BEGFoto: Ingo Bartussek / stock.adobe.com
Das Symposium Solarthermie und innovative Wärmesysteme findet derzeit wieder im Kloster Banz in Bad Staffelstein statt. Die Branche diskutiert dort auch die Pläne der Bundesregierung zum Ausbau der Erneuerbaren im Wärmesektor. Offenbar ist sie skeptisch, wie realistisch diese Pläne sind.

Das „Symposium Solarthermie und innovative Wärmesysteme“ konnte in den beiden vergangenen Jahren wegen der Corona-Pandemie nur online stattfinden. Doch seit kurzem steht das Kloster Banz bei Bad Staffelstein wieder als Tagungsort zur Verfügung.

Tagungsleiterin Karin Rühling (TU Dresden) eröffnete das 32. Symposium am 4. Mai bereits mit der Ermahnung, die Situation im Wärmesektor realistisch einzuschätzen. „Wir dürfen uns nicht alles schönrechnen. Das durchschnittliche Gebäude wird in den nächsten zehn Jahren alt bleiben und hohe Vorlauftemperaturen benötigen.“ Mit anderen Worten: Die von der Bundesregierung bevorzugte Wärmepumpe wird sich voraussichtlich nicht so schnell durchsetzen können wie geplant.

65 Prozent Anteil erneuerbarer Energie in neuen Heizungen

Wenn die Bundesregierung ihren Willen durchsetze, dass sich ab dem 1. Januar 2024 jede Heizung zu 65 Prozent aus erneuerbaren Energien speisen soll, dann „wird ein Riesen-Chaos entstehen“, prophezeite Moritz Ritter, der Präsident des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) zu Beginn des Symposiums. Und Bernd Hafner von Viessmann ergänzte: „Wir brauchen langfristig stabile Ziele!“ Kurzfristig lasse sich in der Wärmeversorgung nur wenig bewegen. Es fehlten Wärmepumpen, Installateure und die finanziellen Mittel, um Millionen von Wohnungen innerhalb weniger Jahre umzurüsten.

Umbau der Wärmeversorgung mit Solarthermie in Kassel als Beispiel

Wie es gelingen kann, die Wärmeversorgung einer Großstadt ohne Kohle, Erdöl und Erdgas zu sichern, erläuterte Ulrike Jordan, Fachgebietsleiterin für Solar- und Anlagentechnik an der Universität Kassel. Bisher wird die Stadt Kassel nur zu 21 Prozent durch Fernwärme versorgt. In Zukunft könnte eine bunte Mischung aus Solarthermie, Biogas, Altholz, Klärschlamm, Abwärme und Müll sowie der Einsatz großer zentraler Wärmepumpen den Fernwärmeanteil auf 60 Prozent hochschrauben. Dezentral installierte Wärmepumpen und Solarthermieanlagen könnten dann weitestgehend den Rest abdecken. Der Anteil der Solarthermie an der Wärmeversorgung läge in diesem Szenario bei 8 Prozent.

Es handelt sich um eine optimistische Prognose. „Wir haben wahnsinnig ambitionierte Annahmen getroffen“, gab Ulrike Jordan zu bedenken, „denn sonst kommen wir überhaupt nicht hin.“ Eine Zeitachse gibt es noch nicht, aber es wurde deutlich, dass die Wärmewende viel mehr Zeit braucht als von vielen Akteuren erhofft.

5.5.2022 | Autor: Detlef Koenemann | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

Diesen Beitrag hat das Redaktionsteam des Solarthermie-Jahrbuchs verfasst. Sie können das Solarthermie-Jahrbuch unter diesem Link bestellen.

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