Energiespeicher-Definition: Branche begrüßt „rechtliches Fundament“

Zu sehen ist ein symbolisches Bild für die Lebensdauer von Batterien, die das Ladeverfahren verlängern soll.Foto: grandeduc / stock.adobe.com
Ein Energiespeicher verschiebt zeitlich die Nutzung von Energie. Diese simpel klingende Definition hat nun auch einen Weg ins Gesetz gefunden - und öffnet damit neue Möglichkeiten.

Im Zuge des ersten Teils des Osterpaketes hat der Bundestag am Montag auch eine Definition für Energiespeicher beschlossen. Der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) zeigt sich erfreut. Mit der neuen Definition bekommt die Energiespeicherbranche endlich ein passendes rechtliches Fundament“ sagte Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer BVES. Darauf könne man endlich aufbauen und einen stabilen regulatorischen Rahmen für die so wichtige Systemintegration von Energiespeichern entwickeln. Mit Geltung des neuen Gesetzes heiße es im deutschen Energierecht jetzt, dass mit der Energiespeicherung „die endgültige Nutzung elektrischer Energie auf einen späteren Zeitpunkt, als den ihrer Erzeugung verschoben wird“. Diese Definition soll künftig im § 3 Nr. 15d des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) zu finden sein.

„Diese Festlegung der Definition war eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch hat es jetzt fast 10 Jahre und viel Überzeugungskraft gekostet, bis diese Erkenntnis auch rechtliche Realität wird“, fasst Windelen zusammen.

Übernahme der EU-Definition für Energiespeicher

Damit habe Deutschland auch die Definition der Richtlinie (EU) 2019/944 aus dem Jahr 2019 ins nationale Recht übernommen. Die EU-Richtlinie legt die Rolle der Speicher als vierte Säule des gesamten Energiesystems fest. Die neue Definition stelle klar, dass Speicher weder Energieerzeuger noch -verbraucher sind, sondern Energie speichern und zu einem späteren Zeitpunkt bereitstellen.

In einem Detail unterscheidet sich die deutsche Formulierung allerdings von der aus der EU-Richtlinie. Wo die EU-Richtlinie von einer Anlage im ‚Elektrizitätssystem‘ (electricity system) spricht, ist nun in der deutschen Übernahme von ‚Elektrizitätsnetz‘ die Rede. Der BVES vermutet einen Übersetzungsfehler. Um Rechtsunsicherheiten zu vermeiden und die schnelle Aktivierung der Speicher zu erreichen, sollte dieser Begriffsfehler korrigiert werden, so der Verband.

Energiespeicher sollen sich unkompliziert ans Netz bringen lassen

Zudem erleichtert das am Montag beschlossene Gesetzespaket den Anschluss von Energiewende-Anlagen ans Netz mit Hilfe von Digitalisierung. Das war zunächst nur für PV-Anlagen vorgesehen. Der BVES begrüßt diese Ausdehnung der Regelung. Sie werde bürokratische Hemmnisse beseitigen und den schnellen Ausbau der entsprechende Energiewendeanlagen wie Speicher vereinfachen und beschleunigen. „Bei der Vielzahl der Speichersysteme, die aktuell entstehen, ist es entscheidend, auch eine unkomplizierte Anmeldung über ein digitales Portal zu ermöglichen,“ sagt Windelen. „Dem Bürger oder dem Unternehmen, das die Energiewende in seinem Umfeld in die eigene Hand nimmt, sollten keine Steine in den Weg gelegt werden.“

Diese Beschlüsse zur Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren für Energiespeicher- und Energiewendetechnologien würden zudem mehr Investitionssicherheit schaffen. Diese sei wiederum wichtig für den schnellen und planbaren Aufbau des zukünftigen Energiesystems.

Neue Strategie für Energiespeicher angekündigt

Der Beschluss soll gleichzeitig der Beginn einer umfangreichen Speicherstrategie sein, heißt es in der Pressemitteilung des BVES. Diese müsse über das beschlossene jedoch deutlich hinaus gehen, fordert der Verband. Die Speicherbranche sei bereit, die Strategie zu begleiten und ein erneuerbares Energiesystem mit der notwendigen Versorgungssicherheit und Flexibilität aufzubauen.

In der Praxis hat die Bedeutung von Energiespeichern in den letzten Jahren schon deutlich zugenommen, wie die vielen Projektbeispiele und Kapazitätssteigerungen der Hersteller zeigen. Mehr dazu gibt es auf dem Solarserver.

28.6.2022 | Quelle: BVES | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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