IRENA sieht großes ungenutztes Potenzial bei Erneuerbaren

3-Säulendiagramm zeigt notwendigen Ausbau erneuerbarer EnergienGrafik: IRENA
Die Ausbauziele der erneuerbaren Energien liegen noch deutlich unter den notwendigen Kapazitäten zur Erfüllung des 1,5 Grad-Zieles.
Das Potenzial erneuerbarer Energien ist viel größer als bisher von der interantionalen Staatengemeinschaft realisiert wird. Darauf weist die Internationale Agentur für Ökoenergien IRENA anlässlich der aktuellen Weltklimakonferenz hin

Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) weist in einem neuen Bericht auf das hohe Potenzial von erneuerbaren Energien hin, das die Staaten bisher nicht erschließen. Die Organisation hat den Bericht Renewable Energy Targets in 2022: A guide to design auf der aktuellen UN-Klimakonferenz 2022 veröffentlicht. Darin bewertet sie das Niveau der Ambitionen im Bereich der erneuerbaren Energien in den Klimaschutzzusagen der einzelnen Länder. Diese vergleicht sie dann mit dem globalen Klimaziel, den Temperaturanstieg auf 1,5°C zu begrenzen. Der Bericht führe vor Augen, dass die bisherigen gemeinsamen Ambitionen für die Energiewende nicht ausreichten, so IRENA. Und dass obwohl der Klimapakt von Glasgow ehrgeizigere Ziele für 2030 in den Klimaschutzzusagen forciere.

Francesco La Camera, Generaldirektor von IRENA, dazu: „Dringender denn je ist jetzt eine rasche Umsetzung gefragt. Der Bericht ist ein Warnsignal an die internationale Gemeinschaft, dass erneuerbare Energien eine einfach umsetzbare Lösung für die Klimakrise, aber sofortige Maßnahmen gefragt sind. Wir brauchen ehrgeizigere Klimaschutzzusagen, um das volle und ungenutzte Potenzial der erneuerbaren Energien zu erschließen.“

„Ein Mangel an entsprechenden Maßnahmen in der nahen Zukunft verringert die Chance, das 1,5°C-Klimaziel zu erreichen. Nach dem Motto der UN-Klimakonferenz, Together for Implementation, müssen wir von Versprechungen zu konkreten Lösungen übergehen, die den Menschen vor Ort zugute kommen.“

Pläne reichen nur für Hälfte notwendiger Kapazitäten

Der World Energy Transitions Outlook von IRENA geht davon aus, dass im Jahr 2050 die Hälfte der verbrauchten Energie aus Elektrizität stammt. Die Dekarbonisierung wird ferner zu 90 % auf erneuerbare Energien durch direkte Versorgung mit kostengünstigem Strom, Effizienz, Elektrifizierung, nachhaltige Bioenergie und grünen Wasserstoff zurückgehen.

Aus der neuen Analyse von IRENA zum Potenzial der Erneuerbaren geht hervor, dass die Länder bis 2030 eine installierte Leistung von 5,4 TW aus erneuerbaren Energien anstreben. Dies wäre nur die Hälfte der 10,8 TW an installierter Kapazität, die nach dem 1,5°C-Szenario von IRENA erforderlich sind. Um das Ziel Netto-Null-Emissionen zu erreichen, müsste die angestrebte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2030 im Vergleich zu den derzeitigen Zielen verdoppelt werden.

Zubau von 259 Gigawatt jährlich notwendig

Dies sei ohne weiteres möglich, da die derzeitigen Ziele für erneuerbare Energien hinter dem aktuellen Ausbaugrad nachhinken, so der Bericht von IRENA. Um die derzeitigen Ziele bis 2030 zu erreichen, müssten die Länder 2,3 TW an Kapazität zubauen, was einem durchschnittlichen jährlichen Zubau von 259 Gigawatt (GW) in den nächsten neun Jahren entspricht. Dies ist weniger als die in den letzten beiden Jahren installierte Kapazität: In den Jahren 2020 und 2021 wurden trotz der pandemiebedingten Komplikationen und den daraus resultierenden Unterbrechungen der Lieferkette weltweit jedes Jahr fast 261 GW zugebaut.

Darüber hinaus konzentriert sich die bis 2030 angestrebte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien nach wie vor auf einige wenige Regionen der Welt. Die Hälfte der weltweiten angestrebten Kapazität entfällt auf Asien, gefolgt von Europa und Nordamerika. Im Vergleich dazu entfallen auf den Nahen Osten und Nordafrika trotz des hohen Potenzials der Region nur 3 % der globalen Ausbauziele für 2030. Auf die afrikanischen Länder südlich der Sahara entfallen nur etwas mehr als 2 %.

Die Länder mit dem höchsten Ausbauziel gehören alle zu den G20 und machen fast 90 % des globalen Gesamtziels aus. Obwohl ihr Anteil am bisherigen Einsatz erneuerbarer Energien gering ist, würden die aggregierten Ziele der am wenigsten entwickelten Länder (LDC – least developed countries) und kleiner Inselentwicklungsstaaten (SIDS – small island developing states) deren derzeitige Kapazität an erneuerbaren Energien verdoppeln.

Die Analyse von IRENA stützt sich auf den kürzlich von UN Climate Change veröffentlichten 2022 Nationally Determined Contributions Synthesis Report, demnach die Klimaschutzpläne noch immer nicht ausreichen, um den globalen Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

7.11.2022 | Quelle: IRENA | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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