Baden-Württembergs Kommunen starten Wärmeplanung

Nahwärmeleitungen vor einem Erdwall.Foto: KEA-BW / trilog
Der Ausbau der Nahwärme kommt wie in der Gemeinde St. Peter in Baden-Württemberg voran.
Bis Ende des Jahres müssen Baden-Württembergs größte Kommunen einen Wärmeplan vorlegen. Doch auch kleine Gemeinden sind bereits aktiv.

Die kommunale Wärmeplanung kommt in Baden-Württemberg voran. Bereits 100 kleinere Kommunen sind in den Prozess der Wärmeplanung eingestiegen. Das teilte die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) mit. Das sei jeder zehnte Gemeinde im Land. Neben der freiwilligen Option für kleine Gemeinden verpflichtet das Bundesland die 104 großen Kreisstädte und Stadtkreise, einen kommunalen Wärmeplan zu erstellen. Das sieht das Klimaschutzgesetz des Landes vor. Die Pläne sollen zeigen, wie sich der Energieverbrauch des Gebäudebestandes in Baden-Württemberg spätestens bis zum Jahr 2040 klimaneutral gestalten lässt. Die Frist zum Erstellen endet für die verpflichteten Kommunen Ende 2023.

Ein kommunaler Wärmeplan besteht aus vier Abschnitten. „Im ersten Schritt ermittelt die Kommune den aktuellen Stand der Wärmeversorgung“, erklärt Dr. Max Peters, Bereichsleiter Wärmewende bei der KEA-BW. „Zuerst werden alle Informationen erfasst, die den Gebäudebestand, den Wärmeverbrauch, die Treibhausgasemissionen und die bestehende Wärmeversorgungsstruktur im Gemeindegebiet betreffen.“ Im zweiten Schritt analysiert die Kommune, wo sich ihre Energieeffizienz steigern lässt. Wo ermöglichen der Einsatz von erneuerbaren Energien, Abwärme und Kraft-Wärme-Kopplung eine klimaneutrale Wärmeversorgung?

Während der dritten Etappe entwickelt die Stadt bzw. die Gemeinde Szenarien, wie ihre klimaneutrale Wärmeversorgung in Zukunft aussehen kann. „Schließlich finalisiert die Kommune den Wärmeplan. Er enthält neben einer Zusammenfassung der vorherigen Schritte auch die Ausformulierung konkreter Maßnahmen“, so Peters. Er empfiehlt ferner vom ersten Prozessschritt an eine übergreifende Beteiligung und Diskussion der Maßnahmen mit allen betroffenen kommunalen Abteilungen, Eigenbetrieben und Stadtwerken, Netzbetreibern, Wohnbaugesellschaften und weiteren Betrieben.

Wärmeplanung für kleine Gemeinden

Noch ist der Plan für eine klimaneutrale Wärmeversorgung nicht für alle Kommunen Pflicht. Doch wenn das Land Baden-Württemberg in Zukunft komplett klimaneutral sein wolle, müssen früher oder später alle Kommunen mittels Wärmeplanung die Versorgung mit Wärme auf klimaneutrale Alternativen umstellen. Als Anreiz hält das Land ein für sie zugeschnittenes Förderprogramm bereit, das noch bis Ende 2026 läuft. Alle bisher eingereichten Förderanträge wurden bewilligt. Eine Nachahmung ist erwünscht.

Behalten große und kleine Gemeinden das aktuelle Tempo bei, sind zum Ende des Förderzeitraums mehr als die Hälfte der Gemeinden und damit mehr als 80 Prozent der Bevölkerung mit einem kommunalen Wärmeplan versorgt.

Für kleinere Gemeinden ist ein Zusammenschluss mehrerer Kommunen zu einem sogenannten Planungskonvoi interessant. Möglich ist das auch gemeinsam mit einer verpflichteten großen Kreisstadt. Die Beteiligten entwickeln dabei einen gemeinsamen Wärmeplan. Die KEA-BW empfiehlt den an interkommunaler Wärmeplanung interessierten Gemeinden vor der Beantragung von Fördermitteln die geeignete Konvoigröße und -zusammensetzung gründlich zu prüfen. Stimmen die geographischen Voraussetzungen? Verfolgen alle Parteien das gleiche Ziel? Gibt es bereits Erfahrungen aus einer früheren Zusammenarbeit? Die Beantwortung dieser Fragen kann einen entscheidenden Einfluss auf das Gelingen oder Scheitern der kommunalen Wärmeplanung im Konvoi haben. Von den 100 freiwilligen Gemeinden nutzen aktuell 77 Gemeinden diese Möglichkeit. Sie agieren in insgesamt 17 Konvois.

Angebot der Landesenergieagentur

Die kommunale Wärmeplanung ist eine große Herausforderung. Auf Dauer wird das Thema vermutlich jede Kommune erreichen, da die Bundesregierung an entsprechenden Regelungen arbeitet. Um den Einstieg zu erleichtern, gibt es viele Beratungs- und Unterstützungsangebote der KEA-BW. Ein Leitfaden zeigt zahlreiche Tipps und praxisorientierte Handlungsempfehlungen für alle Gemeinden im Land.

23.1.2022 | Quelle: KEA-BW | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

Energiekommune 10/2021 Titelbild

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