DEN und Vedec plädieren in Rockywood für Contracting
Foto: DENDie Verbände plädieren gemeinsam für einen verstärkten Einsatz dieses Instruments vor allem in Kommunen mit ihren chronisch klammen Kassen. Denn Contracting bietet Kommunen die Möglichkeit, Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen, wenn finanzielle Mittel, technisches Know-how oder personelle Ressourcen begrenzt sind. Es erlaubt Investitionen in effiziente, zukunftsweisende Technik oder erneuerbare Energien – ohne dass die Kommunen hohe Anfangskosten tragen.
Um in und an der Praxis zu diskutieren, wie gutes Contracting umgesetzt werden kann, besuchte das DEN gemeinsam mit dem vedec und der MVV Energie AG das Offenbacher Quartier „Rockywood“. Der Gebäudekomplex befindet sich in Sichtweite des Heizkraftwerkes des Offenbacher Versorgers EVO. Von hier wird der Komplex zur Hälfte mit Wärme versorgt, die andere Hälfte steuert das Müllheizkraftwerk des Unternehmens bei. Diese „klimaneutrale Fernwärme“ macht jedoch nur einen Teil des sektorengekoppelten Systems aus. Das Projekt umfasst neben Kälte- und PV-Stromerzeugung auch Energiemonitoring, Mittelspannungstechnik für die Versorgung der E‑Ladestationen sowie eine raumlufttechnische Anlage mit Wärmepumpe. Alle diese Komponenten sind Teil eines Energieliefer-Contractings.
Holzbau speichert CO2
„Ein nicht alltägliches und recht komplexes Projekt“ nennt es denn auch MVV-Key-Account-Manager Pierre van Veldhoven. Ungewöhnlich ist die Architektur des Hybridhauses „Rockywood“, die auch namensgebend war: Der größere, L‑förmige Teil des Gebäudekomplexes besteht aus Holzmodulen in Stapelbauweise. Insgesamt 2.600 Kubikmeter Holz seien verbaut worden, was fast 2.400 Tonnen gespeichertem CO2 entspreche, so van Veldhoven. In diesem Gebäudeteil befinden sich vor allem Büros.
Der zweite Teil des Ensembles, ein schwarzer, durch große Fensterflächen geprägter Kubus in klassischer Beton-Bauweise, bietet sich unter anderem für Veranstaltungen an. Aber auch in ihm spielt Holz eine Rolle. Auf den Dächern der Gebäudeteile befinden sich PV-Module, Kälteerzeugungs- und Lüftungsanlagen mit der dazugehörigen Wärmepumpe.
Contracting: In Nutzenergie investieren, nicht in Technik
Dass sich Contracting-Lösungen nicht nur für ambitionierte und hoch moderne Neubauprojekte wie „Rockywood“ anbieten, erläuterte Dave Welmert in seinem Vortrag. Der Leiter Politik und Kommunikation des vedec konzentrierte sich dabei auf das Energieliefer-Contracting. Dieses biete sich insbesondere bei der Wärmeversorgung an, wenn mögliche Kunden weder über das nötige Kapital für moderne Heizanlagen, noch über das nötige Know-how, die Zeit und das Personal verfügten. Contractoren würden diese Defizite auffangen und als Energieexperten durch Optimierungsprozesse deutliche wirtschaftliche und ökologische Vorteile erzielen. Der Kunde investiere insofern nicht in technische Anlagen, sondern zahle für die bezogene Nutzenergie.
Insbesondere mit Blick auf den Einsatz erneuerbarer Energieträger sei dies aus Kundensicht sehr interessant. Auch für die gewerbliche Seite biete Contracting weitere Kostenvorteile sowie eine umfassende Kontrolle über die Energiekosten, so Welmert, dessen Verband rund 250 Mitgliedsunternehmen zählt.
Ausnahmebauwerk Rockywood
„Rockywood“ sei sicherlich ein Ausnahmebauwerk, welches mit Blick auf Energieeffizienz-Maßnahmen zeige, welches Potential durch Contracting gehoben werden könne, findet Ralf Enneking, Koordinator des DEN-Kompetenzteams Contracting: „Das verdeutlicht, dass die Zusammenarbeit von Contracting-Unternehmen und Energieberater/innen – auch im Gebäudebereich –fruchtbar und sinnvoll ist.“
Hermann Dannecker, Ehrenvorsitzender des DEN sagt: „Gemeinsam müssen wir Kommunen zeigen, wie gutes Contracting Klimaschutz finanzierbar macht. Als Netzwerk von Energieberater/innen ist es uns ein Anliegen, die Energiewende effizient und bezahlbar voranzubringen. Unsere Mitglieder können Kommunen fachlich begleiten, sie als unabhängige Sachverständige mit Blick auf die Auswahl geeigneter Angebote beraten.“
Quelle: DEN e.V. | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH