Photovoltaik-Ausbau in Brandenburg 2025 eingebrochen
Foto: Benoît / stock.adobe.comDer Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) Berlin Brandenburg hat Zahlen zum Zubau der erneuerbaren Energien in Brandenburg im Jahr 2025 veröffentlicht. Der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen verliert demnach deutlich an Dynamik. Die Windenergie in Brandenburg sowie neue Geothermieprojekte bleiben derweil auf Kurs.
Im Jahr 2025 haben die Brandenburger:innen 874 Megawatt (MW) neue Solarleistung installiert – rund ein Drittel weniger als 2024 und in etwa so viel wie 2022. Im bundesweiten Zubau-Ländervergleich rutscht Brandenburg damit um einen auf den sechsten Platz ab. Besonders stark ist der Einbruch bei Photovoltaik-Freiflächenanlagen. Nach 189 Anlagen mit 991 MW im Jahr 2024 gingen 2025 lediglich 78 Anlagen mit 594 MW ans Netz. In diesem Segment fiel der Leistungszubau somit um rund 40 Prozent zurück. Damit entwickelt sich die Photovoltaik in Brandenburg entgegen dem bundesweiten Trend, der einen stabilen Solarpark-Zuwachs aufweist.
Sonderabgabe belastet Photovoltaik-Ausbau in Brandenburg
„Die Rentabilität neuer Freiflächenprojekte zu sichern, wird immer schwerer. Seit 2024 sind viele Kosten gestiegen, etwa für Netzanschlüsse und Finanzierung. Unter diesem Kostendruck können Projekte auch an der Sonderabgabe scheitern, die seit 2025 greift“, sagt Tatjana Rosenthal, Stellvertretende Vorsitzende des LEE Berlin Brandenburg und Expertin für Freiflächensolar. „Denn die 2.000 Euro pro Megawatt und Jahr, die Betreiber an die Standortkommunen in Brandenburg zahlen, berechnen sich an der potenziellen Nennleistung, nicht an der tatsächlichen Einspeisung. Für regelbare Freiflächenanlagen stellt dies eine zusätzliche Unsicherheit dar.“ So schafften es insgesamt deutlich weniger Projekte in die Umsetzung. Abhilfe könnten Mehrfachnutzungen mit Zusatzerlösen wie Agri-PV oder Kombinationen mit Batteriespeichern schaffen.
Insgesamt sind in Brandenburg aktuell Solaranlagen mit rund 8,8 Gigawatt Leistung in Betrieb – das Ausbauziel für 2030 sieht rund doppelt so viel Leistung vor. Um das Ziel noch zu erreichen, müssten in den kommenden fünf Jahre Anlagen mit jeweils rund 2 GW neu installiert werden.
Windenergie: Zubau und Genehmigungen auf Rekordniveau
Deutlich positiver ist die Bilanz bei der Windenergie. Im vergangenen Jahr gingen in Brandenburg Anlagen mit einer Gesamtleistung von 622 MW ans Netz, knapp doppelt so viel wie 2024. Für weitere rund 1.500 MW liegen Genehmigungen vor. Weil schon jetzt absehbar ist, dass die kommenden Ausschreibungen erneut massiv überzeichnet sein werden, werden aber nicht alle geplanten Anlagen auch tatsächlich in Betrieb gehen.
„Wenn wir das aktuelle Tempo halten, sind die Ausbauziele für 2030 erreichbar“, sagt Jan Hinrich Glahr, Vorsitzender des LEE Berlin Brandenburg. „Aber noch können wir uns vor dem Ziel verstolpern. Denn mehrere Faktoren treiben die Risiken für Unternehmen in die Höhe. Zum einen sinken die Zuschlagswerte für Windstrom durch den Preiswettbewerb in den überzeichneten Ausschreibungen. Gleichzeitig steigen seit 2020 die Investitionsausgaben, unter anderem durch höhere Rohstoffpreise, Logistik- und Finanzierungskosten.“ Zudem kritisiert der Verbandsvorsitzende, dass in einigen Landesteilen rechtswirksame Regionalpläne fehlen und der Aus- und Umbau des Stromnetzes nur schleppend vorankommt.
Batteriespeicher in der Region erhöhen Flexibilität der Netze
Positiv bewertet Glahr, dass in Berlin und Brandenburg bereits zehntausende Batteriespeicher installiert sind: „Eine dezentrale Netzstruktur trägt zur Flexibilität, zur Resilienz gegenüber Krisen und Preisschocks sowie zur Versorgungssicherheit bei.“ Der LEE Berlin Brandenburg schlägt deshalb vor, Brandenburg als Modellregion für flexible, speicherbasierte Energiesysteme zu positionieren.
Erfolgreiche Geothermie-Projekte gibt es aktuell in mehreren Brandenburger Städten. In Potsdam ging 2025 ein Heizwerk in Betrieb, das mit 4 MW mehr als doppelt so viel Erdwärmeleistung erbringt als prognostiziert. Die Stadtwerke Prenzlau planen eine geothermische Heizzentrale für bis zu 60 % des städtischen Fernwärmebedarfs. Auch die Stadtwerke Neuruppin arbeiten an Wärmebohrungen.
Biomasse ist eine wichtige Einnahmequelle für landwirtschaftliche Betriebe in Brandenburg und ebenso wichtig für Versorgungssicherheit. Allerdings ist die wirtschaftliche Perspektive vieler Anlagen unsicher, notwendige Investitionen stocken. Hier braucht es laut LEE Berlin Brandenburg einen zügigen Ausbau geeigneter Strom- und Gasnetze sowie einfachere Regelungen für den eigenständigen Bau von Netzanschlüssen. Der Verband kritisiert die aktuellen Pläne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. „Der Referentenentwurf zum Netzanschlusspaket, der nun auf dem Tisch liegt, schafft keine Lösungen, sondern zementiert bestehende Probleme“, sagt Glahr. „Mit großer Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass die Bundesregierung offenbar entschlossen ist, den EE-Zubau komplett auszubremsen und damit einen zentralen Standortvorteil Brandenburgs aufs Spiel zu setzen. Die neue Landesregierung ist daher sofort gefordert, energisch zu intervenieren und echte Lösungen vom Bund zu fordern.“
Quelle: LEE Berlin Brandenburg | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH