Gewerbespeicher: Acht häufige Fehler bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung

Eine Hand zeigt auf Diagramme, Acht häufige Fehler bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung von einem Gewerbespeicher.Illustration: InfiniteFlow / stock.adobe.com
Wer bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung für den Gewerbespeicher Fehler macht, wird keine optimale Auslegung erreichen.
Wer bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung des Gewerbespeichers mit Standardlastgängen rechnet, Netzentgelte aus dem Vorjahr übernimmt oder die Wechselwirkungen zwischen Anwendungsfällen ignoriert, kommt zu Ergebnissen, die mit der Realität wenig zu tun haben. In seinem Gastbeitrag erläutert Lennart Wittstock, welche Fehler häufig gemacht werden.

Gewerbespeicher können die Stromkosten von Unternehmen deutlich senken, ob durch Eigenverbrauchsoptimierung, Lastspitzenkappung oder die Nutzung dynamischer Stromtarife. Doch bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung werden in der Praxis immer wieder entscheidende Fehler gemacht. Manche davon führen dazu, dass der Speicher schöngerechnet wird, andere unterschätzen den tatsächlichen Nutzen erheblich. Dieser Beitrag zeigt die acht häufigsten Fehler bei der Auslegung von Gewerbespeichern und erklärt, wie sich diese vermeiden lassen.

1. Nicht mit dem echten Lastgang gerechnet

Standardlastprofil nach BDEW für einen Gewerbebetrieb.
Im Standardlastprofil nach BDEW für einen Gewerbebetrieb sind die jahreszeitlichen Schwankungen gering. Grafik: Green Energy Tools

Viele Speicheranalysen basieren auf Standardlastprofilen statt auf echten Verbrauchsdaten. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Beispiel aus der Praxis: Für eine Schule ergab der Standardlastgang eine Eigenverbrauchsquote von 64 Prozent, der echte Lastgang nur 42 Prozent. Der Grund: In den Sommerferien gibt es kaum Verbrauch, aber viel PV-Produktion. Interessanterweise heißt das nicht, dass ein Speicher hier weniger Sinn ergibt. Gerade weil der Grundverbrauch im Sommer so niedrig ist, kann ein Speicher diesen fast komplett aus Photovoltaik-Strom decken.

Lastprofil einer Schule, ein häufiger Fehler bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung für Gewerbespeicher ist die Nutzung von Standardlastprofilen.
Das Lastprofil einer Schule zeigt enorme jahreszeitliche Schwankungen. Grafik: Green Energy Tools Analyse

Auch Lastspitzenkappung lässt sich ohne echten Lastgang nicht seriös bewerten. Entscheidend ist nicht nur die Höhe der Spitzen, sondern auch ihre Dauer, Häufigkeit und zeitliche Verteilung. Standardlastprofile bilden viel zu gleichmäßige Spitzen ab. Ebenso hängt bei dynamischen Stromtarifen das Optimierungspotenzial komplett vom realen Verbrauchsprofil ab, da Strom tendenziell mittags günstiger ist als morgens und abends.

2. Netzentgelte, Steuern und Umlagen nicht berücksichtigt

Bei der Eigenverbrauchsoptimierung ist die Differenz zwischen Einspeisevergütung und Strombezugskosten der zentrale Hebel. Was oft übersehen wird: Jede kWh, die aus PV und Speicher statt aus dem Netz kommt, vermeidet nicht nur den reinen Strompreis, sondern auch Stromsteuer und Umlagen (2026 regulär 4,996 Ct/kWh), den Arbeitspreis der Netzentgelte (je nach Netzbetreiber 1 bis 9 Ct/kWh) und in einigen Fällen die Konzessionsabgabe. In Summe kommen also cirka 5 bis 15 Ct/kWh an vermiedenen Kosten auf den reinen Strompreis obendrauf.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel verdeutlicht den Effekt: Bei einem Strompreis von 16 Ct/kWh und einer Einspeisevergütung von 6 Ct/kWh ergibt sich ohne Berücksichtigung dieser Komponenten eine Differenz von 10 Ct/kWh und eine Amortisation von rund 12 Jahren (bei 200 Vollzyklen und 240 Euro/kWh Speicherpreis). Rechnet man 8 Ct/kWh an Netzentgelten, Steuern und Umlagen ein, steigt die Differenz auf 18 Ct/kWh und die Amortisation sinkt auf rund 6,7 Jahre.

3. Preisblattwechsel bei den Netzentgelten nicht beachtet

Für Standorte mit registrierender Leistungsmessung (RLM) gibt es zwei unterschiedliche Netzentgelt-Preisblätter, abhängig davon, ob die Jahresbenutzungsdauer (JBD) über oder unter 2.500 Stunden liegt. Die beiden Preisblätter unterscheiden sich erheblich in der Aufteilung zwischen Leistungspreis (€/kW/a) und Arbeitspreis (€/kWh).

Das Problem: Eine PV-Anlage senkt den Netzbezug, die höchste Lastspitze bleibt aber oft gleich (weil sie im Winter oder nachts auftritt). Die JBD sinkt dadurch, und der Standort kann ins andere Preisblatt rutschen. Das verändert die Wirtschaftlichkeit von Lastspitzenkappung und Eigenverbrauchsoptimierung erheblich. Im Preisblatt unter 2.500 Stunden ist der Leistungspreis niedriger (Lastspitzenkappung weniger lukrativ), dafür der Arbeitspreis höher (Eigenverbrauchsoptimierung lukrativer). Photovoltaik und Speicher müssen daher immer gemeinsam betrachtet werden.

4. Opportunitätskosten der PV-Einspeisung nicht berücksichtigt

Jede kWh, die der Speicher zwischenspeichert und für den Eigenverbrauch bereitstellt, kann nicht eingespeist werden. Damit entgeht dem Betrieb die Einspeisevergütung für genau diese kWh. Diese Opportunitätskosten müssen in jeder seriösen Wirtschaftlichkeitsberechnung berücksichtigt werden. Der Fehler tritt besonders dann auf, wenn PV-Anlage und Speicher in getrennten Tools analysiert werden und die Einspeisevergütung nur auf der PV-Seite auftaucht, aber in der Speicherbewertung nicht als Kostenfaktor eingerechnet wird.

5. Multi-Use-Erlöse einfach addiert

Wenn ein Speicher mehrere Anwendungsfälle gleichzeitig bedient (Multi-Use), dürfen die Erlöse der einzelnen Anwendungsfälle nicht einfach addiert werden. Bringt eine Batterie in der Einzelbetrachtung durch Eigenverbrauch 8.000 Euro und durch Lastspitzenkappung 5.000 Euro, sind das im Multi-Use-Betrieb nicht automatisch 13.000 Euro. Die Anwendungsfälle konkurrieren um dieselbe Kapazität und dieselben Zeitfenster.

Besonders heikel ist die Kombination mit Lastspitzenkappung: In Deutschland wird fast immer nach der höchsten Lastspitze im gesamten Jahr abgerechnet. Eine einzige verpasste Spitze kann den Business Case erheblich schmälern. Damit die Batterie eine Spitze kappen kann, darf sie in diesem Moment nicht leer sein. Der sicherste Weg ist, einen festen Teil der Kapazität dauerhaft zu reservieren. Diesen Anteil zwischendurch anderweitig zu nutzen ist möglich, setzt aber voraus, dass die Lastspitzen des Betriebs gut vorhersagbar sind. Diese Abwägung von Risiko und Wirtschaftlichkeit sollte offen mit dem Kunden besprochen werden.

6. Netzentgelte aus dem letzten Jahr verwendet

Netzentgelte werden häufig aus der letzten Stromrechnung übernommen, ohne zu prüfen, ob sie noch aktuell sind. Von 2025 auf 2026 sind die Netzentgelte bei den meisten Verteilnetzbetreibern deutlich gesunken, weil die Bundesregierung sie mit 6,5 Milliarden Euro subventioniert. Mit den alten Werten zu rechnen, verzerrt das Ergebnis. Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel ein grundsätzliches Dilemma: Netzentgelte ändern sich jährlich und niemand kennt die Werte der nächsten 10 bis 15 Jahre. Es ist daher wichtig, die Annahmen transparent aufzuzeigen und verschiedene Szenarien durchzuspielen.

7. Einsparungen ohne saubere Vergleichsbasis berechnet

Ein häufiger Fehler bei der Bewertung dynamischer Stromtarife: Die Batterie wird isoliert betrachtet, ohne die Auswirkungen des Tarifwechsels selbst einzurechnen. Voraussetzung für die Optimierung ist ja, dass der Betrieb überhaupt auf einen dynamischen Tarif wechselt. Steigen die Strombezugskosten durch den Wechsel um 20.000 Euro, während die Batterie 30.000 Euro einspart, dürfen der Batterie nicht die vollen 30.000 Euro zugeschrieben werden, sondern nur die Netto-Ersparnis von 10.000 Euro. Denn ohne den Tarifwechsel gäbe es das Optimierungspotenzial gar nicht. Die Vergleichsbasis muss immer transparent und ehrlich gewählt werden.

8. Solarspitzengesetz nicht beachtet

Das Solarspitzengesetz (§ 51 EEG 2023) gilt für PV-Anlagen, die ab dem 25. Februar 2025 neu ans Netz gegangen sind. Betroffene Anlagen erhalten, stark vereinfacht ausgedrückt, keine Einspeisevergütung für Viertelstunden, in denen der Strompreis an der Day-Ahead-Börse negativ ist. Die ausgefallenen Viertelstunden werden zwar an das Ende der 20-jährigen EEG-Vergütung angehängt, tragen in den ersten Jahren aber nicht zur Amortisation bei.

Für Gewerbespeicher ist das positiv: In genau diesen Viertelstunden sinken die Opportunitätskosten der Einspeisung auf null, weil es für den Strom ohnehin keine Vergütung gibt. Es ist dann besonders lukrativ, den PV-Überschuss in der Batterie zu speichern. In der Praxis sind Speicher aber oft so eingestellt, dass sie direkt laden, sobald es Überschüsse gibt. Oft ist die Batterie dann bereits voll, bevor die Börsenpreise mittags ins Negative drehen. Die Day-Ahead-Preise werden am Vortag veröffentlicht. Ein gutes Energiemanagementsystem kann die Ladestrategie also entsprechend vorausschauend ausrichten.

Fazit: Sauberes Rechnen schafft Vertrauen

Die Wirtschaftlichkeitsanalyse eines Gewerbespeichers steht und fällt mit der Qualität der Berechnung und der verwendeten Daten. Wer mit Standardlastgängen rechnet, Netzentgelte aus dem Vorjahr übernimmt oder die Wechselwirkungen zwischen Anwendungsfällen ignoriert, kommt zu Ergebnissen, die mit der Realität wenig zu tun haben. Solarinstallateure, die sich die Mühe machen, sauber und transparent zu rechnen, bauen etwas Wertvolleres auf als einen einzelnen Abschluss: Vertrauen und Reputation.

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