Ein E-Auto für den Bürgermeister
Foto: VolkswagenWer in einer Internetsuchmaschine die Worte „E-Fahrzeug“ und „Bürgermeister“ eingibt, stößt an prominenter Stelle auf Peter Tschentscher, den Hamburger Bürgermeister. Vor etwas mehr als zwei Jahren hat er seinen vollelektrischen Dienstwagen wieder gegen einen Plug-in-Hybriden eingetauscht. Sein Argument war: im Winter komme man mit einer vollen Batterie nicht von Hamburg nach Berlin und wieder zurück. Kommentare dazu wiesen natürlich darauf hin, dass Tschentscher sicherlich bei einem Termin in der Hauptstadt etwas verweile und sein Fahrer in der Zwischenzeit das Auto laden könne.

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Die Anfrage der Energiekommune bei der Pressestelle Tschentschers, ob sich nach zwei Jahren an der Situation etwas geändert habe, blieb unbeantwortet. Doch bundesweit hat sich die Elektromobilität durchaus dynamisch entwickelt. Und gerade Kommunen kaufen mehr und mehr E-Autos. So berichtet Škoda, ein Blick auf deren kommunalen Kunden zeige einen klaren Trend. Im Jahr 2025 habe Škoda in Deutschland besonders viele vollelektrische Fahrzeuge an kommunale Unternehmen ausgeliefert. Ihr Anteil liege bei 55 Prozent und damit deutlich über dem allgemeinen Marktanteil von 19 Prozent.
Reichweite der E-Autos steigt
Und Volkwagen erklärt: „Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass das Interesse an Elektromobilität bei öffentlichen Auftraggebern deutlich zunimmt. Insbesondere reine Elektrofahrzeuge (BEV) werden zunehmend bevorzugt, aber auch Plug-in-Hybride (PHEV) gewinnen an Bedeutung.“ Dabei kommen auch reine E-Autos schon auf hohe Reichweiten. Fahrzeuge der E-Oberklasse von BMW und Mercedes erreichen bereits etwa 800 Kilometer. Der VW ID.7 schafft im Idealfall 700 km – laut Volkswagen ist er im „Regierungsprogramm“ ein beliebtes Modell. Doch auch die elektrische Mittelklasse fragen Kommunen für ihre Bürgermeister:innen nach.
Verbrenner-Autos contra Klimaschutz
Aus Sicht von Umweltverbänden wie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist wichtig, welche Fahrzeuge Kommunen kaufen. „Wer sich für Klimaschutz einsetzt, selbst aber einen schweren ‚Spritfresser‘ als Dienstwagen fährt, ist nicht glaubwürdig. Gehen die Verantwortlichen dagegen mit gutem Beispiel voran, untermauern sie damit ihre Bemühungen um den Klimaschutz“, so der Verband. Schon seit einigen Jahren erstellt die DUH eine Liste der Fahrzeuge von Minister:innen – und verteilt dafür grüne und rote Karten.
Doch es geht nicht allein um den guten Willen beim Autokauf oder beim Leasing von Städten und Gemeinden. Sie müssen sich auch nach dem Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungsgesetz richten. Das setzt eine EU-Richtlinie in deutsches Recht um und schreibt bestimmte Anteile emissionsarmer sowie -freier Fahrzeuge vor. So müssen seit dem 1. Januar 2026 mindestens 38,5 Prozent der von öffentlichen Stellen neu beschafften Pkw und leichten Nutzfahrzeuge emissionsfrei sein bzw. dürfen kein Kohlendioxid ausstoßen. Das ist nur mit reinen E-Fahrzeugen zu erreichen.
Geld sparen mit E-Fahrzeugen
Teurer ist das für Kommune nicht. Nachrechnen lässt sich dies über einen Kostenrechner auf www.elektromobilitaet.nrw vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium. Vergleicht man hier beispielsweise einen aktuellen VW Golf in der Basisvariante mit dem – besser ausgestatteten – ID.3, so ist das E-Auto bei einer jährlichen Fahrleistung von 13.500 km schon nach 2,8 Jahren oder 37.800 km günstiger als der Verbrenner. In zehn Jahren spart eine Kommune so fast 8.000 Euro, wenn deren Stromeinkaufspreis bei 30 Cent/kWh liegt. Kann das E-Auto mit Solarstrom aus der eigenen Photovoltaikanlage geladen werden, so liegt die Einsparung sogar bei mehr als 10.000 Euro.
Mit Blick auf die Fahrzeuge für Bürgermeister:innen kann die Differenz zwischen E-Fahrzeug und Verbrenner sogar noch deutlich höher sein. Denn den Autoherstellern ist es etwas wert, wenn die obersten Repräsentant:innen einer Stadt mit ihren Modellen unterwegs sind. Gerade für diese gibt es Sonderkonditionen.
„Die Mercedes-Benz AG gewährt der öffentlichen Hand festgelegte Preiskonditionen, die sich nach den jeweiligen Strukturen des Bundes sowie der Länder und Kommunen richten“, erklärt das Unternehmen etwas verklausuliert. Denn, so Mercedes: „Grundsätzlich ist es für uns natürlich Image-bildend, wenn wichtige Amtsträger mit unseren Fahrzeugen unterwegs sind.“
Bürgermeister als Botschafter der E-Mobilität
Volkswagen sagt: „Aus Marketingsicht ist es für Volkswagen – insbesondere im Kontext der E-Mobilität – durchaus wichtig, dass Bürgermeisterinnen und Bürgermeister mit entsprechenden Fahrzeugen unterwegs sind. Sie fungieren als sichtbare Vorbilder auf kommunaler Ebene und können Vertrauen in unsere vollelektrischen ID.-Modelle stärken.“ Würde diese Käufergruppe gezielt E-Fahrzeuge nutzen, so unterstützte das die Glaubwürdigkeit von Nachhaltigkeitszielen, erhöhe die Akzeptanz in der Bevölkerung und wirke als indirekte, authentische Markenkommunikation.
Daher bietet VW Bürgermeister:innen von Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohner:innen sowie für Landräte, „maßgeschneiderte Lösungen rund um Leasing und Kauf von personengebundenen Dienstfahrzeugen im Leitungsbereich“. Jede Anfrage werde von VW individuell geprüft.
Generell ist bei den von den Autoherstellern angebotenen Behördenkonditionen zu beachten, dass diese nur für die Kommunen als Käufer oder Leasingnehmer gelten, nicht für die Bürgermeister:innen als Privatpersonen.
Bürgermeister:innen als Vorbild
Allerdings läuft dies nicht bei allen Fahrzeugunternehmen gleich. So regelt Škoda den Verkauf auch an Bürgermeister:innen im Rahmen von Großkundenverträgen von VW. Audi wickelt den Vertrieb je nach Größe der Kommune über den Audi-Direktvertrieb oder über örtliche Händler ab. Kia Deutschland habe keine Kenntnis über die einzelnen Käufer:innen, sagt Kia-Pressespecherin Susanne Mickan, denn der Vertrieb erfolge ausschließlich über die regionalen Kia-Partner.
Und nicht jedem Unternehmen scheint es vor allem darum zu gehen, die Bürgermeister:innen mit ihren Autos zu versorgen. Volvo erklärt: „Aus Marketingsicht ist für uns vor allem entscheidend, dass Kommunen insgesamt vollelektrische und nachhaltige Mobilitätslösungen in ihre Flotten integrieren.“ Allerdings sagt das Unternehmen auch: „Wenn kommunale Entscheidungsträger moderne Antriebstechnologien nutzen, kann dies zugleich zur Sichtbarkeit neuer Mobilitätslösungen beitragen.“
E-Autos im kommunalen Alltag?
Die Elektromobilität ist längst im Alltag vieler Kommunen angekommen. Viele ihrer Mitarbeiter:innen fahren inzwischen gern mit den klimafreundlichen Dienstwagen – und mehr und mehr Bürgermeister:innen. Dabei kann der Einstieg in die Elektromobilität auch Anlass sein, an Mobilitätskonzepten zu arbeiten. Sie können durch eine gezielte Optimierung, eine bessere Auslastung der Fahrzeuge, sogar dabei helfen, die Kosten zu reduzieren. Oder sie sind, wie das Beispiel einzelner Kommunen zeigt, zum Aufbau eines kommunalen Carsharings nutzbar. Doch wichtig ist auch, für eine ausreichende Ladeinfrastruktur zu sorgen. So ist die Zahl an Ladestellen, auch von Schnelladern, in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Es gibt aber, wie das Verzeichnis der Bundesnetzagentur zeigt, noch einige Tausend Gemeinden ohne Ladestelle – dafür können auch Kommunen gut den ersten Impuls setzen. Denn sichtbare öffentliche Ladeinfrastruktur ist sicherlich noch wichtiger für die Attraktivität der Elektromobilität als die Autos der Bürgermeister:innen.
Autor: Andreas Witt | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

Dieser Artikel ist original in der Ausgabe 4/2026 der Zeitschrift Energiekommune erschienen. Energiekommune ist der Infodienst für die lokale Energiewende. Er erscheint monatlich. Bestellen Sie jetzt ein kostenloses Probeabonnement mit drei aktuellen Ausgaben!