Agri-PV-Versuchsanlage an der Uni Freiburg: Erdbeeren unter Solarmodulen
Foto: Michael Spiegelhalter / Universität FreiburgAnlage kombiniert Erdbeerbau mit Photovoltaik
Zwischen den aufgeständerten PV-Modulen wachsen auf Hochbeeten zunächst Erdbeeren. Sensoren erfassen Lichtverfügbarkeit, Lufttemperatur, Bodenfeuchte und Luftfeuchtigkeit. Eine unverschattete Referenzfläche dient als Vergleichsbasis. Die Anlage wurde vom Zentrum für Erneuerbare Energien (ZEE) der Universität Freiburg entwickelt.
Hinter dem Projekt steht eine interdisziplinäre Forschergruppe. Sie wurde im Oktober 2025 am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) gegründet und läuft bis Dezember 2026. Das FRIAS fördert die Gruppe mit 35.000 Euro. Beteiligt sind Forschende aus Biologie, Informatik, Ingenieurwissenschaft, Forstwissenschaft und Ökonomie sowie Wissenschaftler des Fraunhofer ISE.
Uni Freiburg und Fraunhofer ISE bündeln Kompetenzen
Die Zusammenarbeit zwischen Universität und Fraunhofer ISE ist strukturell angelegt. Das Fraunhofer ISE bringt anwendungsnahe PV-Forschung und Erfahrung aus bestehenden Agri-PV-Projekten ein. Die Universität steuert Grundlagenforschung aus mehreren Disziplinen bei. Prof. Dr. Moritz Diehl, Leiter des ZEE und Mitglied der FRIAS-Gruppe, formuliert das Ziel so: „Mein Traum ist, dass wir hier in Freiburg viele verschiedene neue Agri-PV-Systeme als Demonstratoren aufbauen, die Ästhetik, Ökologie, netzdienliche Stromerzeugung und landwirtschaftliche Nutzung auf verschiedene Weise vereinen.”
Die Versuchsanlage soll zugleich als Demonstrator dienen – für Studierende, Besucher und die breitere Fachöffentlichkeit.
Technologischer Hintergrund: DIN SPEC 91434 setzt den Rahmen
Agri-PV geht auf den Physiker Adolf Goetzberger zurück. Er entwickelte die Grundidee Anfang der 1980er Jahre am Fraunhofer ISE. Seit den 2010er Jahren wächst die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema deutlich. Einen regulatorischen Rahmen liefert seit 2021 die deutsche Vornorm DIN SPEC 91434. Sie definiert unter anderem, dass auf einer Agri-PV-Fläche mindestens 66 Prozent des landwirtschaftlichen Ertrags erhalten bleiben müssen, der ohne die PV-Anlage möglich wäre.
Für die Energiewende ist die Flächenfrage zentral. Der weitere Ausbau der Photovoltaik konkurriert mit landwirtschaftlicher Nutzung. Agri-PV gilt als möglicher Ansatz, diesen Konflikt zu entschärfen – vorausgesetzt, Ertragseinbußen bleiben gering und die Systeme lassen sich wirtschaftlich betreiben.
Fazit / Ausblick
Die Freiburger Anlage ist ein früher Schritt in einem Forschungsfeld mit wachsendem Praxisdruck. Agri-PV ist im EEG 2023 als förderfähige Sonderform verankert und kann über Ausschreibungen der Bundesnetzagentur vergütet werden. Wie sich verschiedene Systemkonfigurationen auf Pflanzenwachstum, Biodiversität und Netzeinspeisung auswirken, ist jedoch noch wenig systematisch untersucht. Die Messdaten aus Freiburg können dazu beitragen, Planungsgrundlagen für Projektierer zu verbessern.
Quelle: Universität Freiburg | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH