Pilotprojekt: Mittelspannungslängsregler soll 260 Prozent mehr Solarstrom in Netze integrieren

Im Bild Offizielle bei der Inbetriebnahme des Mittelspannungslängsreglers in Hopfgarten bei Weimar, der mehr Photovoltaik-Strom in die Netze integrieren kann.Foto: TEAG / Carlo Bansini
Dr. Johannes Hoffmann (Hitachi), Stefan Reindl (TEAG), Roland Bodechtel (Bürgermeister Hopfgarten), Peter Tille (TEN) und Dr. Michael Kramer (Thüga) nehmen den MSLR in Hopfgarten bei Weimar in Betrieb.
Ein neuartiger Mittelspannungslängsregler (MSLR) korrigiert das Spannungsband und erhöht damit die Aufnahmefähigkeit bestehender Leitungen, die dann rund 260 Prozent mehr Photovoltaik-Leistung aufnehmen können. In Hopfgarten bei Weimar startet nun ein Pilotprojekt.

Ein Pilotprojekt in Thüringen soll zeigen, wie sich der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen lässt, ohne unmittelbar neue Leitungen zu bauen. In Hopfgarten bei Weimar kommt weltweit erstmals ein Kompakt-Mittelspannungslängsregler (MSLR) zum Einsatz. Dieser MSLR steuert gezielt die Spannung. Er korrigiert das Spannungsband und erhöht damit die Aufnahmefähigkeit bestehender Leitungen. Entwickelt haben die Technologie der Stadtwerkeverbund Thüga, der Netzbetreiber TEN Thüringer Energienetze, Tochtergesellschaft des Energieversorges TEAG, und Hitachi Energy.

Das Pilotnetz der TEN Thüringer Energienetze kann durch den Einsatz der neuen Technologie so ein Vielfaches an Photovoltaik-Strom aufnehmen. Eine Rechnung in einem Beispiel-Verteilnetz hat ergeben, dass es möglich ist, dadurch rund 260 Prozent mehr PV-Leistung zu integrieren. Thüga gab den Anstoß für die Entwicklung des MSLR: Sie definierte die Anforderungen auf der Basis von Erkenntnissen aus der Thüga-Gruppe.

Lösung für akutes Problem der Energiewende

Der Zubau von Photovoltaik überfordert vielerorts bereits die Verteilnetze. Dadurch entsteht ein struktureller Engpass. Allein im Netzgebiet der TEN sind derzeit 17 Mittelspannungsbereiche „voll“. Das heißt: Die Netze können keine weitere PV-Einspeisung aufnehmen. In der Thüga-Gruppe stehen alle Flächennetzbetreiber von der Ostsee bis zu den Alpen vor derselben Herausforderung. Allein durch die Pilotinstallationen in Hopfgarten können rund 2.750 Balkonkraftwerke mehr ans Netz gehen – ohne konventionellen Netzausbau.

Technisch setzt der MSLR auf Pragmatismus. Das Gerät ist auf Basis von Thüga-Spezifikationen standardisiert und kompakt, etwa so groß wie ein großer Ortsnetztransformator. Man kann es ohne zusätzliche Bauarbeiten in bestehende Trafostationen integrieren. Zugleich soll es robust und betrieblich unkritisch sein. In Vorserien-Tests erwies sich die Technik als unempfindlich selbst gegenüber Fehlbedienung. Für Netztechniker unterscheidet sich die Handhabung kaum von der konventioneller Komponenten.

„Berechnungen für Flächenversorger in der Thüga-Gruppe ergeben, dass der Einsatz von MSLR bis 2035 bei einzelnen Netzbetreibern einen dreistelligen Millionenbetrag an Netzausbaukosten sparen kann, wenn wir diese Regler dort einsetzen, wo es sinnvoll und möglich ist“, sagt Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Thüga Aktiengesellschaft.

Mittelspannungslängsregler ergänzt Ortsnetztrafos, Speicher oder Redispatch

Im Gesamtsystem ist die Technik ein Ergänzungsinstrument. Sie steht neben anderen Lösungen wie regelbaren Ortsnetztrafos, Speichern oder Redispatch. Sie zielt vor allem auf Anwendungen, in denen man schnell zusätzliche Netzkapazität benötigt. Die strategische Bedeutung liegt damit laut Thüga weniger im Einzelgerät als im Zusammenspiel. Netzausbau, Digitalisierung und flexible Netztechnik werden nur zusammen die steigenden Mengen erneuerbarer Energie integrieren.

Hitachi Energy fertigt den Mittelspannungslängsregler zukünftig in Serie im Transformatoren-Werk im polnischen Lodz. Die kurzfristige Bereitstellung großer Stückzahlen ist somit laut Thüga möglich.

Quelle: Thüga | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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