28-kWp-PV-Anlage mit Speicher: Wie ein Handwerksmeister seine Energie selbst steuert
Foto: Martin StoltenbergAn sonnigen Tagen ist der Batteriespeicher von Martin Stoltenberg schon morgens voll. Wie der Tag energietechnisch verläuft, verfolgt der pensionierte Kfz-Meister genau. Seit Jahren dokumentiert er täglich, wie viel Strom sein Haus erzeugt, verbraucht, speichert oder ins Netz einspeist. Mit einem Blick auf das Monitoring erkennt er, ob gerade die Wärmepumpe läuft, das Elektroauto lädt oder größere Haushaltsgeräte Strom beziehen.
Eigentlich hatte Stoltenberg für seinen Ruhestand andere Pläne. Mit einem großen Wohnmobil wollte er um die Ostsee und später entlang der europäischen Küsten fahren. Stattdessen investierte er nach eigenen Angaben rund 250.000 Euro in sein Haus – unter anderem in dessen energetischen Umbau.
Ein Haus, das mit seinem Besitzer gewachsen ist
Heute gehören dazu ein 28,08-kWp-PV-Dach aus Solarziegeln, ein Batteriespeicher mit 39,6 kWh Kapazität, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, eine Wallbox und eine automatische Stromumschaltung für den Ersatzstrombetrieb. „Meine Antriebsfeder war, so weit wie möglich autark zu werden – und bei Stromausfall abgesichert zu sein“, sagt Stoltenberg. Nach seinen Aufzeichnungen gelingt das über weite Teile des Jahres. Netzstrom benötigt das Haus vor allem von Mitte November bis Mitte Februar, wenn die Photovoltaikanlage weniger erzeugt und gleichzeitig die Wärmepumpe mehr Energie verbraucht.
Die Geschichte dieses Energiesystems beginnt allerdings viel früher – mit einem Haus, an dem Stoltenberg seit mehr als vier Jahrzehnten arbeitet.
Martin Stoltenberg kauft sein Haus 1982 als Rohbau. Den Ausbau übernimmt der Handwerksmeister nach eigenen Angaben weitgehend selbst. Über die Jahrzehnte verändert er das Haus immer wieder. 2021 geht Stoltenberg nach 48 Berufsjahren in den Ruhestand. Im selben Jahr beginnt er, sich mit Photovoltaik und Batteriespeichern zu beschäftigen. Aus dem Haus soll nun eines werden, das einen möglichst großen Teil seiner Energie selbst erzeugt.
Der Traum wird zur Baustelle
Stoltenberg findet ein Unternehmen in der Nähe, das die energetische Modernisierung komplett übernehmen will. „Alles aus einer Hand“, lautet das Versprechen. Das Angebot ist teuer, setzt nach seinem Eindruck aber auf hochwertige Produkte. Der Internetauftritt und Besuche bei drei Referenzkunden überzeugen ihn. „Zu dem damaligen Zeitpunkt wusste ich noch nicht besonders viel über das ganze Thema“, erzählt er. Umso wichtiger ist ihm, dass das Unternehmen auch die Abwicklung mit Behörden und Förderstellen übernimmt.
Ende Juni 2022 beginnen die Arbeiten. Das Dach wird abgedeckt und energetisch saniert, anschließend sollen Solarziegel, Batteriespeicher und eine Wärmepumpe als Ersatz für die Gasheizung folgen. Doch dann häufen sich die Probleme. Die ausgewählte und bereits angezahlte Wärmepumpe ist nicht lieferbar. Stattdessen wird ein anderes Modell eingebaut, das Stoltenbergs Erwartungen nicht erfüllt. Auch bei der Photovoltaikanlage dauert es: Erst im März 2023 produziert das neue Dach Strom. Auf den Batteriespeicher wartet er zu diesem Zeitpunkt noch immer. „Und viel mehr kam von dieser Firma auch nicht mehr“, schreibt er. Ihm zufolge meldet das Unternehmen Mitte 2023 Insolvenz an.
Für Stoltenberg bleibt nicht nur eine unfertige Anlage zurück. Nach seiner Darstellung wird der Energieberater erst beauftragt, nachdem er bereits eine hohe Anzahlung geleistet hat. Die erhoffte Förderung erhält er nicht. Hinzu kommen Arbeiten, mit denen er unzufrieden ist. Ein Detail ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: „Der Elektriker montierte die 400-Volt-Leitung vom Sicherungskasten zur Wärmepumpe durch zwei Räume wie eine Wäscheleine.“
Schließlich beauftragt Stoltenberg ein anderes Unternehmen mit den noch ausstehenden Arbeiten. Den ursprünglich vorgesehenen Batteriespeicher ersetzt er durch ein größeres System, das er später noch einmal erweitert. „Trotz aller Probleme und Ärgernisse würde ich das heute wieder so machen, aber mit grundlegenden Änderungen.“
Aus vielen Komponenten wird ein System
Aus der ursprünglich geplanten Komplettlösung wird schließlich ein System aus Komponenten verschiedener Hersteller. Auf dem Dach arbeiten Solarziegel von SunStyle mit Leistungsoptimierern und Wechselrichter von SolarEdge. Der später angeschaffte und nachträglich erweiterte Batteriespeicher von Fenecon verfügt über ein eigenes Energiemanagement.
Eine Besonderheit zeigt sich bei der Ersatzstromversorgung. Fällt das öffentliche Netz aus, schaltet die Anlage nach Stoltenbergs Angaben innerhalb von ein bis zwei Sekunden auf den Batteriespeicher um. Bei der Umschaltung löst im Erdgeschoss regelmäßig der Fehlerstromschutzschalter aus. Stoltenberg hat sich mit der Situation arrangiert. „So merken wir immer sofort, dass unser Haus auf Batterie läuft und können unmittelbar unseren Stromverbrauch auf Sparmodus umstellen.“
Eine weitere Einschränkung betrifft den Wiederanlauf der PV-Anlage bei anhaltendem Netzausfall. Nach Stoltenbergs Darstellung startet die PV-Anlage nicht selbstständig neu, wenn am Folgetag wieder Sonne scheint, das öffentliche Netz aber weiterhin ausgefallen ist. Als Ursache vermutet er das Zusammenspiel von PV-Wechselrichter, Speicher und Ersatzstromsystem.
Über den Umbau eines Bestandsgebäudes sagt Stoltenberg: „Wenn man heute neu baut, dann kann man alles im Vorfeld planen. Bei einer bestehenden Bausubstanz so etwas nachträglich zu ändern, ist immer aufwendiger und damit deutlich teurer. Und es sind immer Kompromisse nötig.“

Foto: Martin Stoltenberg
Jede Kilowattstunde wird dokumentiert
Für Stoltenberg gehört zur Technik deshalb auch, genau zu wissen, was sein Haus gerade erzeugt und verbraucht – und den eigenen Stromverbrauch daran anzupassen. Über die Monitoringsysteme verfolgt er Solarstromerzeugung, Speicherstand und die Stromflüsse zwischen PV-Dach, Speicher, Haus und öffentlichem Netz. Vor allem aber führt Stoltenberg seine eigene Statistik. „Diese Excel-Tabelle ist mit der Zeit gewachsen. Ich habe immer mehr Werte erfasst, die mich interessierten und den Stromertrag beeinflussten.“ Tag für Tag notiert er Erzeugung, Netzbezug und Einspeisung, Be- und Entladung des Speichers sowie Temperaturen, Niederschlag und Autarkiegrad. Unter „Bemerkungen“ hält er größere Verbraucher wie Wärmepumpe, Elektroauto, Sauna, Klimagerät und Schwimmbadpumpe fest.
Die Daten nutzt Stoltenberg, um seinen Verbrauch zu planen: „Ich habe die Möglichkeit, mein Strommanagement mit dem Wetterbericht und meinem Strombedarf, der ja auch durch mein Verhalten beeinflusst ist, zu koppeln und anzupassen.“ Die Reserve im Batteriespeicher kann Stoltenberg selbst verändern. Auch größere Verbraucher versucht er nach Möglichkeit an die verfügbare Energie anzupassen: „Ich muss ja nicht unbedingt nach jeder Fahrt den E-Wagen laden oder ausgerechnet bei Dunkelflaute den Backofen ohne Pausen benutzen oder die Sauna anwerfen. Okay – klar kommt das vor, aber wesentlich verantwortungsbewusster.“
Nicht jeder Verbrauch lässt sich beliebig verschieben. Das Elektroauto steht nicht zwangsläufig am Haus, wenn besonders viel Solarstrom zur Verfügung steht. Die Wärmepumpe hat im Sommer nach Stoltenbergs Angaben nur einen geringen Laufzeitbedarf. Dann kann der Speicher bereits früh am Tag voll sein, ohne dass sich zusätzlicher Solarstrom unmittelbar im Haushalt einsetzen lässt. Für Stoltenberg zeigt sich daran eine Grenze automatisierter Verbrauchsverschiebung. An besonders ertragreichen Tagen erzeugt die Anlage laut Stoltenbergs Aufzeichnungen bis zu 180 kWh Strom. „Mit einem einzigen Blick auf die Grafik weiß ich genau, welche Verbraucher aktuell aktiv sind, wo ich sparen kann.“
Warum Martin Stoltenberg seine Energie lieber selbst steuert
Diese Erfahrungen prägen Stoltenbergs Blick auf Smart Meter, dynamische Stromtarife und eine automatisierte Steuerung von Speichern und Verbrauchern. Skeptisch wird er dort, wo andere über seinen Speicher oder seinen Stromverbrauch mitentscheiden sollen. „Was ich hier absolut nicht gebrauchen kann, ist, wenn jemand Drittes auf meinen Stromspeicher oder auf meine Verbraucher zugreift.“
Auch bidirektionales Laden und dynamische Stromtarife kommen für Stoltenberg derzeit nicht infrage. Eine automatisierte Steuerung könne seine persönlichen Pläne und seinen tatsächlichen Bedarf nicht so berücksichtigen, wie er es selbst tue, argumentiert er. Besonders kritisch sieht er die Vorstellung, die Kapazität seines Batteriespeichers für das Stromsystem zu nutzen und ihn später wieder zu laden. Dafür hat Stoltenberg seine eigene Bezeichnung: „Wenn Dritte mir den Speicher, wenn er voll ist, leersaugen und später wieder laden müssen, dann bezeichne ich das nur als Stromtourismus.“
Damit beschreibt Stoltenberg seine persönliche Sicht auf eine energiewirtschaftliche Debatte, die über sein eigenes Haus hinausgeht. Vernetzte Heimspeicher, Elektroautos und flexible Verbraucher können grundsätzlich zusätzliche Flexibilität im Stromsystem bereitstellen. Stoltenberg stellt jedoch infrage, ob sein eigener Speicher dafür eingesetzt werden sollte. Für den Ausgleich im Stromsystem setzt er stärker auf große Batteriespeicher. Genau die Solarserver-Berichterstattung über deren Ausbau war der Anlass für seine Nachricht an die Redaktion.

Einordnung: Smart Meter und steuerbare Verbraucher
Ein intelligentes Messsystem dient in erster Linie dazu, Stromverbrauch und – soweit erfasst – Erzeugung zu messen sowie die Daten sicher zu kommunizieren. Es ist damit zunächst Mess- und Kommunikationsinfrastruktur, nicht automatisch eine Fernsteuerung des Haushalts.
Davon zu unterscheiden ist die netzorientierte Steuerung nach § 14a Energiewirtschaftsgesetz. Sie erlaubt Verteilnetzbetreibern, den Strombezug bestimmter steuerbarer Verbrauchseinrichtungen – etwa Wärmepumpen, privater Wallboxen, Klimaanlagen oder beim Laden auch Batteriespeicher – bei einer drohenden lokalen Netzüberlastung vorübergehend zu begrenzen. Für seit dem 1. Januar 2024 neu in Betrieb genommene steuerbare Verbrauchseinrichtungen gelten die Regelungen bei einer Netzanschlussleistung von mehr als 4,2 Kilowatt. Für ältere Anlagen bestehen je nach bisheriger Ausgestaltung Bestands- und Übergangsregelungen. Der normale Haushaltsstrom, etwa für Licht, Kühlschrank oder Herd, bleibt von der Steuerung unberührt.
Für die Steuerung sind neben dem intelligenten Messsystem weitere technische Voraussetzungen erforderlich, insbesondere eine geeignete Steuerungseinrichtung. Bei einer Direktansteuerung bleibt für die steuerbare Verbrauchseinrichtung grundsätzlich eine Mindestleistung von 4,2 Kilowatt verfügbar. Gesteuert wird der Strombezug aus dem Netz. Selbst erzeugter Solarstrom kann weiterhin im Haus genutzt werden.
Davon wiederum zu unterscheiden sind freiwillige Tarif- und Flexibilitätsmodelle. In solchen vertraglichen Vereinbarungen können Haushalte etwa Batteriespeicher, Wallboxen oder Wärmepumpen nach Preissignalen oder für zusätzliche Marktdienstleistungen einsetzen lassen. Ob, wann und in welchem Umfang dies geschieht, richtet sich nach dem jeweiligen Vertrag mit Stromlieferant, Aggregator oder Speicheranbieter. Eine solche marktliche Flexibilität ist nicht dasselbe wie die netzorientierte Steuerung bei einem lokalen Engpass.
Martin Stoltenberg weiß, dass seine Art, eine PV-Anlage zu betreiben, nicht für jeden geeignet ist. Sie verlangt Zeit, Interesse und den Willen, sich täglich mit den eigenen Energiedaten auseinanderzusetzen. Für ihn gehört genau das zur eigenen Energieversorgung: zu wissen, was sein Haus gerade erzeugt und verbraucht – und möglichst selbst zu entscheiden, was mit diesem Strom geschieht.
Quelle: Martin Stoltenberg | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH