Grüngasquote: Verbände kritisieren Anrechnung und Kosten

Eine Biogasanlage mit Methanaufbereitung und PV-Anlage.Foto: Konrad Steininger / stock.adobe.com
Die Bioenergiebranche fordert, Biomethan bei der geplanten Grüngasquote gleichberechtigt mit grünem Wasserstoff zu berücksichtigen.
Die geplante Grüngasquote soll ab 2028 den Einsatz klimaneutraler Brennstoffe in Wohngebäuden erhöhen. Energieverbände verlangen strengere Anrechnungskriterien und verlässliche Absatzperspektiven. Der Bauherren-Schutzbund warnt vor einer einseitigen Kostenbelastung privater Haushalte.

Das Bundeswirtschaftsministerium lädt Branchenverbände am 16. Oktober zu einem ersten Dialog über die Eckpunkte zur Grüngasquote und Grünheizölquote ein. Das teilt das Hauptstadtbüro Bioenergie (HBB) mit. Nach den vorliegenden Verbändemitteilungen sollen Brennstoffhändler künftig einen steigenden Anteil erneuerbarer und kohlenstoffarmer Brennstoffe für die Versorgung privater Haushalte bereitstellen.

Für die Grüngasquote nennt der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) einen Zielwert von 50 Prozent bis 2040. Anschließend soll sie jährlich um zehn Prozentpunkte auf 100 Prozent im Jahr 2045 steigen. Nach Angaben des BEE soll die Quotenerfüllung handelbar sein.

Grüngasquote: Streit um Wasserstoff und Biomethan

Anrechnungsfähig sollen laut BEE alle erneuerbaren und kohlenstoffarmen Brennstoffe sein, die den europäischen Definitionen der RED III und der Gas-/Wasserstoff-Binnenmarktrichtlinie entsprechen. Der Verband fordert dagegen eine Beschränkung auf erneuerbare Gase. Eine vollständige Quotenerfüllung gewährleiste andernfalls keine Klimaneutralität.

Die Energieverbände verlangen Anreize sowohl für Biomethan als auch für grünen Wasserstoff. Das HBB kritisiert insbesondere eine vorgesehene Mehrfachanrechnung von Wasserstoff. Diese schwäche die Quote und verzerre den Wettbewerb zwischen den Energieträgern.

Zusätzlich fordert das HBB eine ambitioniertere Quotenerhöhung. Die Branche könne Bioöl und Biomethan in ausreichenden Mengen bereitstellen, erklärt das Verbändebüro. Es verweist auf ungenutzte Rest- und Abfallstoffe sowie einen perspektivisch sinkenden Gas- und Ölverbrauch im Wärmemarkt. Bei einer optionalen Teilnahme der Industrie am Quotenhandel bemängelt das HBB die Beschränkung auf Wasserstoff. Biomethan müsse ebenfalls berücksichtigt werden.

Haushaltskosten und Wasserstoffverfügbarkeit bleiben offen

Der Bauherren-Schutzbund (BSB) kritisiert den vorgesehenen Zuschnitt der Verpflichtung. Nach seiner Darstellung bleiben Industrie, Gewerbe, Verkehr sowie Strom- und Fernwärmeerzeugung von der Quote ausgenommen. Die Berechnungsbasis für Gas umfasse ausschließlich den Verbrauch privater Haushalte. Der BSB sieht deshalb eine einseitige Kostenbelastung von Eigentümern und Mietern. Für eine Nichterfüllung sei eine Ersatzzahlung vorgesehen. Deren Höhe, Berechnungsgrundlage und Fälligkeit seien jedoch offen. Der BSB fordert, eine Weitergabe dieser Zahlungen an Verbraucher auszuschließen.

Grüner Wasserstoff soll laut BSB nur eingeschränkt anrechenbar sein, etwa bei Beimischung in Gasverteilnetzen mit vorgesehener Wasserstoffumstellung. Die Verfügbarkeit der benötigten Mengen sei ungeklärt. Fehlende Angaben zu Brennstoffkosten und verfügbaren Mengen erschwerten Investitionsentscheidungen bei Bau und Modernisierung.

Zertifikate und zeitliche Übertragung brauchen Grenzen

Beim Quotenhandel verlangen die Energieverbände nachvollziehbare Lieferbeziehungen und Schutz vor gefälschten Zertifikaten. Bereits im Herkunftsland subventionierte Gase sollten nicht angerechnet werden dürfen. Der BEE unterstützt grundsätzlich, Übererfüllungen ins Folgejahr zu übertragen und Untererfüllungen im Folgejahr nachzuholen. Für dieses „Banking“ und „Borrowing“ fordert er jedoch Grenzen, damit die Quote ihre Lenkungswirkung behält.

Für die praktische Wirkung der Quote sind damit neben dem Mengenpfad auch die Anrechnungs- und Handelsregeln entscheidend. Verbindliche Vorgaben zu Importen, Ersatzzahlungen und zeitlichen Übertragungsmöglichkeiten stehen nach Angaben des BEE noch aus.

Quelle: Hauptstadtbüro Bioenergie / Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. / Bauherren-Schutzbund e.V. | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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