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Detlef Neuhaus von Solarwatt zum Standort Deutschland

Foto: Solarwatt

Detlef Neuhaus ist Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Solarwatt GmbH in Dresden. Das Unternehmen besteht bereits seit 1993. 2012 hatte das Unternehmen in Eigenverwaltung eine finanzielle Krise zu meistern und nutzte die Phase zu einer Neuausrichtung. Solarwatt produziert weiterhin Module in Deutschland. Der SolarServer hat gefragt, wie es aus Sicht von Solarwatt um Deutschland als Produktionsstandort für Solarzellen und -module bestellt ist. In der kommenden Zeit präsentieren wir die Antworten von weiteren Unternehmen, die in Deutschland und Europa produzieren.

Solarserver: Welche Chance räumen Sie der Solarindustrie, speziell den Produzenten von Solarzellen und -modulen, in Deutschland und Europa in den nächsten Jahren ein?

Neuhaus: „In Deutschland und Europa wird es nach dem wiederholten Ende von Solarworld im Modul-Massenmarkt, das zum Großteil Projektgeschäft ist, keinen großen Solarkonzern mehr geben – zumindest kann ich mir das aktuell nicht vorstellen. Dafür ist die Konkurrenz aus Asien schon zu weit enteilt und die Preise am Modulmarkt zu niedrig. Auch bei der Zellproduktion werden hiesige Firmen keine Chance mehr haben. Dafür haben sich mittlerweile gerade in Deutschland einige hochtechnisierte Mittelständler herausgebildet, die mit innovativen Produkten die Energiewende in Europa und auf der ganzen Welt nach vorne bringen – so wie wir.“

Solarserver: Produzieren Sie selbst noch Solarzellen und/oder -module in Deutschland oder Europa? Was produzieren Sie hier? In welcher Menge?

Detlef Neuhaus: „Die Zellen kaufen wir von ausgewählten Zellherstellern zu. Die Module werden ausnahmslos in unserem Stammwerk in Dresden gefertigt. 2017 haben wir Module mit einer Leistung von mehr als 85 MWp verkauft. Glas-Glas-Module machen dabei mittlerweile den Großteil unseres Modulgeschäfts aus.“ 

Werk Heckert Solar
Solarwatt-Zentrale

Solarserver: Was stimmt Sie zuversichtlich, dass wir mit Ihrem Unternehmen auch in fünf Jahren noch Interviews führen können? Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Neuhaus: „SOLARWATT hat sich bereits vor Jahren strategisch neu aufgestellt. Wir haben zwei klare Fokussierungen: Wir konzentrieren uns auf dezentrale Energieversorgung für Eigenheimbesitzer und wir produzieren alle wesentlichen Komponenten dafür, also Module, Stromspeicher und Energie-Management, selbst. Diese Systemstrategie funktioniert für uns sehr gut, der Umsatz wächst jedes Jahr, genauso unsere Beschäftigtenzahlen. Wir haben mit Stefan Quandt einen Investor an Bord, der nicht nur auf kurzfristigen, sondern auch auf einen langfristigen, nachhaltigen Erfolg der SOLARWATT GmbH setzt. Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Unternehmen noch viele Jahre eine große Rolle am Markt spielen wird.“  

Solarserver: Worin sehen Sie für Ihr Unternehmen besondere Erfolgsfaktoren bzw. Marktoptionen?

Neuhaus:„Wir haben in den vergangenen Jahren viel in die Bereiche Forschung & Entwicklung investiert und sehen uns dort extrem gut aufgestellt. SOLARWATT bietet alle Komponenten eines dezentralen PV-Energiesystems für Privathaushalte und das Gewerbe zusammen als Systemlösung an. Wir entwickeln und produzieren diese Komponenten selbst in Deutschland und stellen sie auch hier her – und zwar in Premiumqualität.  Das gibt uns die Möglichkeit, auch immer wieder auf neue Entwicklungen oder Anforderungen am Markt zu reagieren.“

Solarserver: Worin sehen Sie eventuell besondere Vorteile für eine Produktion in Europa bzw. in Deutschland?

Neuhaus: „SOLARWATT ist ein Premiumanbieter für Photovoltaiksysteme, deshalb sind für uns die Bedingungen rund um die Produktion ganz entscheidend. Wir haben in unseren Werken perfekte Voraussetzungen, um unsere Geräte effizient und in bester Qualität produzieren zu können. Natürlich würde sich ein Modul oder ein Speicher in Osteuropa oder Asien für ein paar Euro günstiger produzieren lassen, aber wir stehen zum Standort Dresden. Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.“

Solarwatt-Energiemanager

Solarserver: Welche Ihrer Produkte sind aus Ihrer Sicht von besonderer Bedeutung?

Neuhaus: „In den vergangenen Jahren wurde natürlich viel über unseren Speicher gesprochen, der ja auch 2017 mit dem ees Award ausgezeichnet wurde. Ich würde mich aber ganz spontan für unseren EnergyManager entscheiden, der so eine Art Kommandozentrale ist und durch intelligentes Managen des erzeugten Stroms noch ein paar Prozent Effizienz mehr aus einem PV-System herausholen kann. Die Eigenversorgung mit Solarstrom macht ohne Energie-Management eigentlich gar keinen Sinn mehr.

Solarserver: Vor allem Unternehmen in Asien haben enorme Produktionskapazitäten im Gigawattbereich aufgebaut. Wir können Sie hier gegenhalten?

Neuhaus: „Ich habe es vorhin schon gesagt: Wir sind ein Premiumanbieter für Photovoltaiksysteme und setzen ganz bewusst auf Privathaushalte und Gewerbebetriebe, die sich selbst mit PV-Strom versorgen wollen. Und dieses Segment wächst und hat eine große Zukunft vor sich. Das ist unser Fokus, der ruinöse Massenmarkt für Großprojekte interessiert uns dagegen nicht.“

Solarserver: Wie viele Beschäftigte arbeiten bei Ihnen. Werden Sie deren Zahl in nächster Zeit ausbauen können oder sogar müssen? Oder werden Sie deren Zahl reduzieren?

Neuhaus: „Wir haben seit 2015 rund 100 neue Mitarbeiter eingestellt, besonders in den Bereichen F&E und in der Kundenbetreuung. Aktuell arbeiten weltweit rund 350 Menschen für SOLARWATT. Wir werden aber auch 2018 noch weiter wachsen und haben neue Stellen geschaffen.“

Solarserver: Ist Fachkräftemangel für Sie ein großes Problem?

Neuhaus: „Wir finden aktuell gutes Personal und sind ein bedeutender Arbeitgeber in unserer Region. Generell hat sich das Stellenprofil bei uns in den vergangenen Jahren schon verändert. Die zunehmende Vernetzung setzt beispielsweise bei unseren Technikern heute schon erweiterte IT-Kenntnisse voraus, die vor zehn Jahren so noch nicht nötig waren.“

Solarserver: Die Solarbranche ist weiterhin - wie fast jede andere Branche auch - von politischen Rahmenbedingungen abhängig. Welche politische Maßnahme auf deutscher oder europäischer Ebene könnte den hiesigen Produzenten besonders helfen?

Neuhaus: „Die Branche braucht endlich verlässliche Rahmenbedingungen, die nicht nur wenige Jahre bzw. eine Legislaturperiode gelten. Darüber hinaus muss es endlich ein klares Bekenntnis der hiesigen Politik geben, dass die regenerative Energieerzeugung der richtige Weg ist. Dabei reden wir nicht über finanzielle Förderung, sondern darum, dass dieser zukunftsträchtigen Art der Energieerzeugung keine Steine in den Weg gelegt werden. Befragungen zeigen immer wieder, dass der überwältigende Teil der Bevölkerung für den endgültigen, schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kohle ist. Nur scheint es so, als ob die Politik dies noch nicht mitbekommen hat. Zum anderen wäre es sehr sinnvoll, wenn für ausländische Module in Deutschland dieselben Umweltmaßstäbe angelegt würden, die hier in Deutschland gelten. “

Das Interview führte Andreas Witt.

 

 

22.06.2018 | Interview: Andreas Witt (Solarthemen), Fotos: Solarwatt GmbH | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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