Studie betrachtet erneuerbare Energien als gesellschaftliches Realexperiment mit offenem Ausgang

Die Studie widmet sich unterschiedlichen Problemfeldern des Realexperiments Energiewende
Die Studie widmet sich unterschiedlichen Problemfeldern des Realexperiments Energiewende

Das 2014 erschienene Buch „Renewable Energies“ von Matthias Groß und Rüdiger Mautz ist jetzt als Paperback erhältlich. In der Studie wird das Thema erneuerbare Energien aus soziologischer Perspektive untersucht, um wechselseitige Abhängigkeiten zwischen neuen Formen der Energieerzeugung und -versorgung sowie sozialen Veränderungs-Prozessen herauszuarbeiten.

Der Energiewandel hin zu erneuerbaren Energien wird dabei als gesellschaftliches Experiment mit offenem Ende betrachtet. Dabei geht es besonders um die Frage, wie die Gesellschaft mit Ungewissheit und Nicht-Wissen sowie unbeabsichtigten Folgen des Handelns umgeht.

 

Soziologischer Zugang zum Thema erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien gelten als eine der wichtigsten technischen Lösungen im Kampf gegen die weltweite Klimaerwärmung und als Schlüsseltechnologie auf dem Weg zu einer Dekarbonisierung der globalen Energiesysteme. Für ihre Studie „Renewable Energies“ wählten die Autoren einen soziologischen Zugang zum Thema.

Anhand einer kurzen Theoriegeschichte wird dargestellt, dass sich bereits soziologische Klassiker mit den energetischen Grundlagen von Gesellschaften befasst und das Zusammenspiel von technologischem und sozialem Wandel untersucht haben. Zeitgenössische Theorien soziotechnischen Wandels knüpfen an diese Überlegungen an und zeigen sowohl die transformativen Kräfte des globalen Energiewandels als auch die sozioökonomisch stabilisierende Funktion gewachsener Energieinfrastrukturen auf.

 

Beispiele aus der Windenergie, Photovoltaik und Geothermie

Ausgehend von neueren Ansätzen begreifen die Autoren die Energiewende als ein gesellschaftliches Realexperiment mit offenem Ausgang, bei dem es nicht nur um die künftigen infrastrukturellen Grundlagen der globalen Energieversorgung geht.

Die Studie zählt Beispiele aus der Windenergie, der Photovoltaik sowie der Geothermie auf, bei denen Probleme des Nicht-Wissens und der gesellschaftlichen Risikowahrnehmung in besonderer Weise deutlich werden.

 

Problemfelder des Realexperiments Energiewende

Die Studie widmet sich auch unterschiedlichen Problemfeldern des Realexperiments Energiewende: dem Problem der politischen Regulierung sowie der Entwicklung neuer Formen der energie- und umweltpolitischen Governance, dem Problem des Umgangs mit neuen gesellschaftlichen Konfliktfeldern oder dem Problem des systemischen Charakters der Energieinfrastruktur.

Groß und Mautz kommen zu dem Ergebnis, dass sich der gegenwärtige Energiewechsel hin zu erneuerbaren Energien, sofern er gesellschaftlich an den Zielen Klimaschutz und Nachhaltigkeit ausgerichtet sein soll, in einem zentralen Punkt von bisherigen Formen des energietechnischen Wandels zu unterscheiden hätte: Im Fall der erneuerbaren Energien gehe es nicht darum, den bisher genutzten fossilen und atomaren Energien lediglich ein neues Set an Energiequellen hinzuzufügen. Vielmehr handle es sich hier um einen Prozess soziotechnischer Transformation, bei der sich Innovation mit „Exnovation“ verbinden müsste. Damit meinen sie den endgültigen Ausstieg aus technologisch veralteten und zudem nicht-nachhaltigen Formen der Energienutzung.

 

07.12.2015 | Quelle: Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) | solarserver.de © Heindl Server GmbH

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