Neue Studie: Photovoltaik kann Wettbewerbsfähigkeit gegenüber herkömmlichen Energien erreichen

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Eine an der Universität Kassel vorgelegte wirtschaftswissenschaftliche Dissertation zeigt, wie die Photovoltaik als noch immer teuerste der Techniken zur Nutzung der erneuerbaren Energien aufgrund der üblichen Massenproduktions-Lerneffekte gegenüber fossilen Energieträgern wettbewerbsfähig werden kann. Voraussetzung ist laut Studie, dass ihre Markteinführung im eigenen Land weiterhin energisch genug betrieben wird.
Bei einem jährlichen Wachstum der Photovoltaik-Installationen um 20 % würden im Jahr 2020 ungefähr 50 Gigawatt (GW) Solarstromleistung in Deutschland zur Verfügung stehen. Ob dann bereits die Gewinnschwelle (break-even-point) erreicht sein wird, hängt laut Studie nicht nur von der Entwicklung in Deutschland sondern auch im Weltmaßstab ab. In volkswirtschaftlicher Hinsicht wäre es besonders günstig, wenn die deutschen Photovoltaikhersteller nicht nur den Binnenmarkt beliefern, sondern darüber hinaus einen zunehmenden Anteil exportieren. Wenn die Nachfrage des deutschen Marktes zurückgehe, der Weltmarkt jedoch noch weiter wachse, könnte die deutsche PV-Industrie die bei der Markteinführung volkswirtschaftlich aufgebrachten so genannten Lernkosten über Exporteinnahmen für die Volkswirtschaft sogar mehrfach zurückgewinnen, so eines der Ergebnisse der Untersuchung.

Erfahrungskurven beziehen Investitionskosten, Lebensdauer des Systems und performance ratio ein
Der Autor, Dr. Martin Staffhorst, verwendet das Konzept der Erfahrungskurven, um Preissenkungen der Photovoltaik in der Vergangenheit zu untersuchen und die möglichen ökonomischen Auswirkungen verschiedener PV-Wachstumsszenarien zu bewerten. Er untersucht, welche Lerninvestitionen notwendig sind, damit die Solarstromtechnik die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit für die Stromerzeugung erreicht, und welche Gewinne durch die Photovoltaik im Strommix möglich sind. Der Autor hebt hervor, wie wichtig es für die Erfahrungskurvenanalyse ist, neben den Investitionskosten weitere Faktoren wie beispielsweise die Lebensdauer des Systems oder die so genannte performance ratio (Verhältnis von Nutzertrag und Sollertrag) mit einzubeziehen. Verschiedene Datenquellen für die Konstruktion von PV-Erfahrungskurven werden bewertet und die Herausforderung von globalem und lokalem Lernen wird erörtert.

Break-even-Modell simuliert PV-Wachstum und Preissenkungen
Die Ergebnisse der konstruierten Erfahrungskurven auf Basis von Modul-, System- oder kWh-Preisen werden ausgewertet. In einem dritten Schritt werden die Lerninvestitionen verschiedener Szenarien analysiert. Durch die Kombination von Preisdaten der Strombörse und Erzeugungsprofilen von PV-Systemen mit mehr als 10 Megawatt (MW) Leistung wird der Wert der Photovoltaik im öffentlichen Stromnetz ermittelt. Das break-even-Modell simuliert die Kombination verschiedener Szenarien für das PV-Wachstum, für PV-Preissenkungen, den Anstieg des herkömmlichen Strompreises sowie für verschiedene Methoden zur Berechnung der Verzinsung (Diskontierung) sowohl auf einer weltweiten Basis als auch aus dem Blickwinkel der deutschen Wirtschaft. Diese Ergebnisse werden in einem Szenario für einen stark exportorientierten deutschen Markt und einem Szenario der schnellen PV-Verbreitung in globalen Nischenmärkten erweitert.

Die Dissertation von Dr. Martin Staffhorst ist erhältlich unter
http://www.upress.uni-kassel.de/publi/abstract.php?978-3-89958-241-3

23.01.2007 | Quelle: Dr. Martin Staffhorst | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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