Negative Strompreise zu Pfingsten: Branchenverband fordert sieben Sofortmaßnahmen
Foto: BillionPhotos.com / stock.adobe.comSpeicherausbau scheitert am Netzanschluss
Der bne beziffert den Rückstau bei Großspeicherprojekten auf über 100 GW installierter Leistung mit mehr als 200 GWh Speicherkapazität – nach Verbandsangaben allesamt wartend auf Netzanschluss. Der Verband fordert, das geplante Netzanschlusspaket der Bundesregierung explizit auf Genehmigungsbeschleunigung für Speicher auszurichten.
Parallel sieht der bne Handlungsbedarf bei privaten Heimspeichern. Mehr als 20 GWh installierter Batteriekapazität in Haushalten seien bislang nicht systematisch in Markt- und Netzprozesse eingebunden. Fehlanreize im Regulierungsrahmen verhinderten eine sinnvolle Nutzung dieser Flexibilität.
Elektrofahrzeuge als ungenutztes Speicherpotenzial
Rund 100 GWh Speicherkapazität rollen nach Verbandsschätzung bereits auf deutschen Straßen in Form von Elektrofahrzeugen. Intelligentes Laden setze Smart-Meter sowie Datenkompetenz bei Netzbetreibern voraus, so der bne. Mittelfristig solle bidirektionales Laden zum Standard werden – relevant nicht nur für Überschusszeiten, sondern auch für Dunkelflauten und Netzstabilität.
Den stockenden Smart-Meter-Rollout nennt der Verband als strukturelles Hemmnis. Ohne flächendeckende Messsysteme blieben flexible Stromtarife für Haushaltskunden faktisch unerreichbar. Der bne verweist darauf, dass bereits moderne Messsysteme mit einfachen technischen Ergänzungen variable Tarife ermöglichen könnten.
Direktvermarktung und Abregelung konventioneller Erzeuger
Für Bestandsanlagen mit Dach-Photovoltaik fordert der Verband erleichterte Wechselmöglichkeiten in die Direktvermarktung – auch vor Auslaufen der EEG-Förderung. Marktpreissignale könnten so bereits heute stärker auf die Einspeisung wirken.
Daneben richtet sich die Kritik gegen konventionelle Kraftwerke. Kohle-, Gas- und Biomasseanlagen müssten sich in Zeiten hoher erneuerbarer Einspeisung konsequent am Marktpreis orientieren und vollständig abgeregelt werden können, so der bne. Eine markt- und netzdienliche Fahrweise müsse technologieübergreifend gelten.
Dynamische Netzentgelte als regulatorische Baustelle
Die laufende Netzentgeltreform im Rahmen des AgNes-Prozesses müsse zwingend zu dynamisierten Entgelten führen, fordert der Verband. Aktuell könne kaum ein Netzbetreiber dynamische Netzentgelte in der Praxis anbieten – obwohl gesetzliche Vorgaben und Fristen bereits bestehen. Der bne spricht sich für ambitionierte, sanktionsbewehrte Zielvorgaben für Netzbetreiber aus.
Fazit / Ausblick
Alle sieben Maßnahmen seien nach Verbandsangaben haushaltsneutral oder entlasteten den Bundeshaushalt durch höhere Marktwerte für erneuerbare Energien. Ob und in welchem Tempo die Bundesregierung die Vorschläge aufgreift, bleibt offen. Für Netzbetreiber, Speicherprojektierer und Direktvermarkter dürfte die Debatte um negative Preise und Systemflexibilität in den kommenden Monaten weiter an Dringlichkeit gewinnen.
Sieben Maßnahmen gegen negative Strompreise im Überblick
- Großspeicher – Netzanschlussverfahren beschleunigen
- Heimspeicher – in Markt- und Netzprozesse integrieren
- Elektrofahrzeuge – intelligentes und bidirektionales Laden als Standard
- Smart Meter – Rollout beschleunigen, flexible Tarife ermöglichen
- Dach-PV – Wechsel in die Direktvermarktung erleichtern
- Konventionelle Kraftwerke – konsequente Abregelung bei Überschuss
- Netzentgelte – dynamische Entgelte im AgNes-Prozess verankern
Quelle: BNE – Bundesverband Neue Energiewirtschaft e.V. | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH