Neues Forschungszentrum für Silizium-Solarzellen entsteht in Halle

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Ein neues Forschungszentrum, das Center für Silizium-Photovoltaik (CSP) soll am Standort Halle/Saale seine Arbeit aufnehmen. Darauf verständigten sich das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt, der Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft und die Leiter der Fraunhofer-Institute für Werkstoffmechanik (IWM) in Halle und Freiburg und Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Mit dem gemeinsam vom Fraunhofer IWM und vom Fraunhofer ISE betriebenen CSP, das in der Endausbaustufe mindestens 60 Arbeitsplätze bieten soll, entstehe ein weltweit einmaliges Kristallisations- und Materialanalysezentrum, in dem gezielte Forschung und Entwicklung zu Silizium-Material durchgeführt wird, heißt es in der Pressemitteilung des IWM.
Diese Arbeiten sollen in Zusammenarbeit mit Industriepartnern durchgeführt werden. Weitere Schwerpunkten sind Konzepte für Silizium-Dünnschichtzellen und Modulintegration. Der Aufbau der Forschungskapazität sollte nach erfolgter Zustimmung durch die EU möglichst noch 2007 in vorhandenen und angemieteten Gebäuden in Halle starten. Parallel soll mit der Planung eines Neubaus begonnen werden.

Solarforschungsinstitute kooperieren mit Photovoltaik-Unternehmen
Das Fraunhofer IWM bringt sein Know-how auf dem Gebiet der Optimierung und Bewertung von Silizium-Prozesstechnologien und Modulintegration mit ein, das Fraunhofer ISE, das größte Solarforschungsinstitut in Europa, seine Kompetenzen in der Materialherstellung, Solarzellen- und Modulentwicklung und Charakterisierung. Das CSP soll die bisherigen Aktivitäten beider Institute ergänzen und durch Nutzung von Synergien die Effektivität der bisherigen Arbeit weiter steigern. Die Institute stehen in engem Kontakt zu den Photovoltaik-Unternehmen in Mitteldeutschland, welche durch die geplanten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten gezielt unterstützt werden sollen.

15 Prozent der weltweit hergestellten Solarzellen kamen 2005 aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
„Die geografische Nähe des Zentrums zu den in Mitteldeutschland ansässigen Unternehmen der Solarzellenindustrie wird uns auch inhaltlich näher zusammenbringen,“ so Prof. Eicke R. Weber, Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. „Die für Halle vorgesehenen Aktivitäten ergänzen sehr schön insbesondere das von uns gemeinsam mit dem Fraunhofer IISB (Erlangen) betriebene Technologiezentrum Halbleitermaterialien THM in Freiberg (Sachsen)“, so Weber weiter. In den drei Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden 2005 rund 15 Prozent der weltweit hergestellten Solarzellen produziert. „Damit dies so bleibt, muss der Technologievorsprung der hier ansässigen Firmen gewahrt und ausgebaut werden. Und das ist eine der Herausforderungen, der wir uns mit dem Forschungszentrum stellen“ argumentiert Professor Ralf B. Wehrspohn, Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM in Halle. Dafür biete das Forschungsumfeld in Halle mit seinem ausgeprägten Profil in der Mikrostrukturphysik einen ausgezeichneten Standort. Besonders wichtig ist den beteiligten Partnern der Ausbau der Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik.

10 Prozent der weltweiten Solarzellenproduktion stammen aus Sachsen-Anhalt
Wirtschaftsminister Dr. Reiner Haseloff begründet das Engagement des Landes Sachsen-Anhalt mit dem Ausbau der Arbeitsplätze in diesem Industriezweig: „Mittlerweile stammen nahezu 10 Prozent der weltweiten Solarzellenproduktion aus Sachsen-Anhalt. Wir haben bereits jetzt 1.500 Arbeitsplätze in der Solarzellenindustrie und wir möchten den Ausbau auf über 5.000 im Jahr 2010 mit dem neu gegründeten Zentrum unterstützen. Dies stärkt uns nicht nur mit Blick auf diese Zukunftsbranche im internationalen Wettbewerb und erhöht zugleich die Attraktivität der Region für weitere industrielle Ansiedlungen“.

Mehr Solarstrom aus weniger Silizium
Die geplante Forschungsstrategie „Mehr Solarstrom aus weniger Silizium“ ist auch getrieben durch die Verknappung und Verteuerung des Solarzellenrohstoffs. Daher konzentriert sich der erste Forschungsschwerpunkt maßgeblich auf die Entwicklung von kostengünstigen Silizium-Wafern unter Verwendung von gereinigtem metallurgischem Silizium. Hierzu werden entsprechende Technologien für die Siliziumkristallisation installiert. Die Nutzung von metallurgischem Silizium erfordert eine gezielte Kontrolle der darin enthaltenen Verunreinigungen. Für dieses „defect engineering“ wird das vorhandene Know-how der Mikrostrukturdiagnostik von Silizium am Standort Halle gezielt ausgebaut. Parallel sollen bis 2010 an der Forschungseinrichtung Kompetenzen zu Dünnschicht-Solarzellen und in der Modulfertigung aufgebaut werden.

21.03.2007 | Quelle: Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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