Millionenförderung für Photovoltaik-Forschung an der Universität Konstanz

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Die Solarbranche boomt wie nie zuvor. Nicht nur mehr und mehr private Haushalte rüsten Dächer mit Solarzellen aus. Auch in Gebieten ohne Stromnetzzugang, in Elektrogeräten und bei Raumflugkörpern oder auf Booten wird die Photovoltaik sehr erfolgreich genutzt. Der Physiker und Privatdozent Dr. Giso Hahn von der Universität Konstanz hat sich mit seinem rund 30-köpfigen Team auf die Forschung rund um die Photovoltaik spezialisiert. Seine Abteilung kooperiert mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). Für seine Arbeit bekommt der Wissenschaftler nun Fördermittel in Höhe von 2,5 Millionen Euro vom Bundesumweltministerium. Der Bund investiert damit in eines der Zukunftsforschungsthemen und in die Ausbildung neuer Photovoltaik-Experten, die in der Industrie dringend gebraucht werden.
“Unsere Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler haben ausgezeichnete Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Kaum haben sie ihr Diplom in der Tasche oder ihre Doktorarbeit gemacht, werden sie schon von Firmen gezielt abgeworben. Es gibt einen unglaublichen Bedarf an qualifiziertem Personal in diesem Bereich”, sagt Hahn zu den Jobperspektiven. Auch in Sachen Naturwissenschaften und Frauenanteil muss sich Hahn keine Sorgen machen: Neun Frauen gehören zu seinem Team.

Die Fördermittel will Hahn in neue High-Tech-Geräte in seinen Laboren stecken. Herzstück wird ein neues Rasterelektronenmikroskop mit vielen technischen Finessen sein, das im Nanolabor des Fachbereichs Physik stehen wird und auch den anderen Physikern der Universität zugute kommen wird. Hinzu kommen weitere kleinere Geräte, die alte ersetzen und auch ergänzen werden. Hahn und sein Photovoltaik-Team haben sich darauf spezialisiert, die Effizienz von Solarzellen zu erhöhen, das Material zu optimieren, neue Solarzellenkomponenten zu entwickeln und den Materialabfall beim Herstellungsprozess zu verringern. Auch die Erforschung der Auswirkung von Materialverunreinigungen, welche die Leistungsfähigkeit des Materials beeinträchtigen können, und die Messung, wie effektiv die unterschiedlichen Solarzellenvarianten arbeiten, stehen auf der Tagesordnung der Wissenschaftler. Sie arbeiten in fünf Gruppen gezielt und konzentriert an all diesen Einzelfragen. Hinzu kämen auch ästhetische Fragestellungen, denn wenn die Solarmodule an Gebäuden angebracht würden, müssten sie einfach auch in das architektonische Gesamtbild passen, so der Physiker. “Längst müssen Solarzellen nicht mehr nur grau-silbrig schimmern. Man kann die Zellen prinzipiell auch in peppigen Farben herstellen, die sich gut mit anderen Materialien kombinieren lassen und Farbe auf die Hauswand bringen”, so Hahn.
Das Wissenschaftlerteam arbeitet sehr erfolgreich und eigenständig. In den letzten sechs Jahren wurde die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fast ausschließlich über Drittmittel finanziert, eingeworben über Fördermittel von EU, Bund und der Industrie. Der hohe praktische Bezug der Forschung ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Wissenschaftler. “Wir betreiben Forschung mit sehr praktischen Bezügen, versuchen optimale Lösungen für eine industrielle Verwertung zu entwickeln”, sagt Hahn.
Gibt es Materialalternativen zu Silizium? Dazu erklärt der Physiker: “Es wurden schon andere Materialien getestet, aber Silizium hat sich bisher einfach bewährt, Silizium wird das Zugpferd in der Photovoltaik bleiben.” Glaubt der Wissenschaftler daran, dass irgendwann die Photovoltaik die einzige Säule der Energiegewinnung sein wird? Darauf antwortet Hahn mit einem klaren Nein. “Wir brauchen einen Mix unter anderem aus Windenergie, Solarenergie, Geothermie, Erdwärme und Biomasse. Wenn die Photovoltaik mit 20 Prozent beteiligt ist, wären das schon sonnige Aussichten.”

11.08.2008 | Quelle: Universität Konstanz | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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