Biogasproduktion: Universität Kassel erhält 1,6 Millionen € für europäisches Forschungsprojekt

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Grünlandschnitt, der von Naturschutzflächen aus ganz Europa stammt, als Energielieferanten für Biogas zu nutzen, ist der Forschungsansatz von Professor Dr. Michael Wachendorf, von der Universität Kassel (Fachgebiet Grünlandwissenschaft und Nachwachsende Rohstoffe). In Zusammenarbeit mit dem EU-Referat der Universität konnte Wachendorf Drittmittel in Höhe von 1,6 Millionen Euro für das Projekt PROGRASS einwerben, berichtet die Universität Kassel in einer Pressemitteilung. PROGRASS soll erforschen, wie die wirtschaftliche und ökologische Nutzung von unter Naturschutz stehenden Grünlandflächen zur Bioenergiegewinnung in Europa möglich ist.
Ziel sei, Lebensräume durch ein angepasstes, landwirtschaftliches System zu erhalten und Bioenergie zu produzieren, ohne dabei in Konkurrenz zu der Nahrungsproduktion zu treten. Gleichzeitig sollen auf diese Weise neue Einnahmequellen für kleine Landwirtschaftsunternehmen geschaffen und ökonomisch benachteiligte Regionen wirtschaftlich aufgewertet werden.

Hohes Potenzial der Grünlandmasse
Das Potenzial sei hoch, betont die Universität Kassel: In Deutschland zum Beispiel gebe es rund 1,5 Millionen Hektar Grünland, in England 2,2 Millionen Hektar und in Estland 0,6 Millionen Hektar, die sich grundsätzlich für die Biomasse- und Bioenergie-Produktion eignen könnten – allerdings von sehr unterschiedlicher Qualität und Zusammensetzung. In einem mehrstufigen Arbeitsplan soll das PROGRASS-Konzept über dreieinhalb Jahre erprobt werden: In der Demonstrationsphase soll ein mobiles Pilotsystem zur Wandlung von Biomasse zu Festbrennstoffen eingesetzt werden, in drei europäischen Modellregionen in Estland, England und Deutschland. Parallel sollen die technischen Umsetzungsmöglichkeiten erforscht und konstant kontrolliert werden, inwiefern PROGRASS hinsichtlich der wirtschaftlichen und sozioökonomischen Faktoren in den Regionen zukunftsfähig und auf andere Regionen übertragbar ist. Für die Umwandlung der Grünlandmasse in Brennstoffe soll ein neues Verfahren eingesetzt und weiterentwickelt werden, das bis zu 70 Prozent der in der Biomasse enthaltenen Energie nutzen könne.

Forschungsprojekt soll Naturschutzaspekte berücksichtigen und sowie sozioökonomische und technischen Fragen beantworten
Gefördert wird das Forschungsprojekt von der Europäischen Union im Rahmen des LIFE+ Environmental Policy and Governance-Programms. Insgesamt acht Teilprojekte sollen mit Kooperationspartnern in Deutschland, England und Estland durchgeführt werden, um den vielschichtigen Prozess wissenschaftlich und praktisch zu erarbeiten, von den Naturschutzaspekten über sozioökonomische bis hin zu technischen Fragen. Partner sind die Universität Bonn, die estnische University of Life Science, das Institute of Grassland and Environmental Research in Wales, der Landkreis Vogelsberg, Industrie- und Umsetzungspartner aus Deutschland und Österreich wie etwa die VIESSMANN Werke GmbH & Co. KG in Allendorf/Eder sowie das Hessische Umweltministerium.

29.11.2008 | Quelle: Universität Kassel | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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