NORD/LB erwartet “natürliche Auslese” auf dem Photovoltaik-Markt: Finanzierung und Vertriebsmodelle gewinnen an Bedeutung

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Der Solarmarkt sieht sich sowohl einem technologischen als auch einem strukturellen Wandel gegenüber, berichtet die NORD/LB in einem Beitrag des Sonderdrucks “Solartechnologie 2009” des Magazins GoingPublic. Produktqualität, Markt- und Kapitalstärke der Wettbewerber werden nach Einschätzung der Bank entscheidend sein, damit sich Photovoltaik-Unternehmen unter verschärften Rahmenbedingungen behaupten und als Gewinner der zu erwartenden “natürlichen Auslese” hervorgehen können. Exemplarisch für diesen Trend seien jüngst bekannt gegebene Unternehmensübernahmen, welche unter anderem zur gezielten Erweiterung der Wertschöpfungskette vorgenommen wurden. Dabei liege der Schwerpunkt nicht nur auf der Sicherung des Solarzellen-Absatzes, sondern auch auf dem Erwerb von Expertise und Bekanntheit im Endkundengeschäft.
(Anmerkung der Red.: eines der jüngsten Beispiele ist die Übernahme der aleo solar AG durch die Robert Bosch GmbH). Ein weiterer Meilenstein sei die Einweihung des derzeit größten Photovoltaik-Kraftwerks in Deutschland, des Solarparks “Lieberose” (53 MW) in Brandenburg, für dessen Finanzierung die NORD/LB Gruppe als “Lead Arranger” verantwortlich zeichnete. “Es zeigt sich also, dass trotz der weltweiten Kapitalmarktkrise gute Projekte weiterhin realisierbar sind und sich aktuell durchaus interessante Chancen bieten, die es mit kompetenter Unterstützung strukturiert anzugehen gilt, sei es finanzierungsseitig oder bei der Umsetzung von M&A-Strategien”, betonen Olaf-Alexander Wiedemann, Leiter Structured Finance Industrial Projects, und Bernd Sablowsky, Leiter Mergers & Acquisitions bei der NORD/LB.

Schlagkräftige Vertriebsmodelle für den umkämpften Markt erforderlich
“Als Auswirkung der weltweiten konjunkturellen Eintrübung und des Wegbrechens des spanischen Marktes, in dem staatliche Subventionen gekürzt worden sind, sieht sich die Solarindustrie im laufenden Jahr mit einem Angebotsüberhang konfrontiert, der sich erst in den kommenden Jahren sukzessive abbauen wird. Nachdem sich die Module in der Vergangenheit quasi von selbst verkauften, ist nunmehr eine strukturelle Veränderung vom Verkäufer- zum Käufermarkt eingetreten, die zu Preis-, Margen- und Wettbewerbsdruck führt und einen ‘echten Markt’, bilden”, erläutern Wiedemann und Sablowsky. Damit würden Synergien, Economy of Scale, moderne Produktion sowie ein diversifiziertes Produktportfolio und insbesondere funktionierende und schlagkräftige Vertriebsmodelle zunehmend relevanter, um in dem umkämpften Markt bestehen zu können.

Höhere Anforderungen an die Finanzierung von Photovoltaik-Unternehmen in Zeiten schwieriger Märkte
Die Finanzierbarkeit einer Solarmodul-Produktion hänge inzwischen weniger von der jeweils zur Anwendung kommenden Modultechnik ab, sondern vielmehr von der Größe des für diese Technik in Betracht kommenden Marktes, so die Nord LB. Genauso sei ein dauerhaft wettbewerbsfähiger Preis entscheidend. Daraus ergebe sich die Anforderung nach einem ausgereiften Marketing- und Vertriebskonzept, um für die erfolgreiche Marktpositionierung und das notwendige Branding zu sorgen, betont die Bank. Daneben fordere der Produktionsprozess eine große technische Kompetenz, um hohe Qualität bei dauerhaft sinkenden Endproduktpreisen zu gewährleisten. Potenziellen Effizienzsteigerungen einer Technologie komme dabei als größter Stellschraube für Preis-/Kostensenkungen eine besondere Bedeutung zu.

Angesichts der zunehmenden Komplexität des PV-Marktes seien nur Banken mit proprietärem Industrie-Know-how in der Lage, angemessene Beratung und Finanzierungslösungen anzubieten oder Unternehmen bei der Umsetzung von Expansionsstrategien bzw. Portfolioarrondierungen zu unterstützen. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor schon bei der Projektinitiierung sei auch die Einbindung kompetenter Gutachter zur Bewertung der Technik, des Marktes sowie der rechtlichen Basis.
Unabhängig von produkt- und marktspezifischen Themen sei auch bei den reinen Finanzierungsaspekten ein Umdenken zu beobachten. So würden die Finanzierungsstrukturen aufgrund der zuletzt erlebten Marktpreisschwankungen für Module sowie der Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich konservativer als noch vor zwei Jahren vereinbart. Zudem seien die Margen- und Gebührenanforderungen der Kreditgeber als Folge der enorm gestiegenen Refinanzierungs- und Kapitalkosten fühlbar höher. “Dies zusammen fordert derzeit eigenkapitalstarke Initiatoren, um auch in schwierigen Zeiten neue Projekte zur Modulherstellung umzusetzen”, so die Nord LB.

03.09.2009 | Quelle: NORD/LB; Going Public | solarserver.de © EEM Energy & Environment Media GmbH

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