Solarstrom-Produktion unter südlicher Sonne: Die italienischen Photovoltaik-Großkraftwerke Montalto di Castro und Rovigo

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Am 23. November 2010 meldete der Solar-Dienstleister SunEdison LLC (Beltsville, Maryland, USA) die Inbetriebnahme eines Photovoltaik-Großkraftwerks nahe der Stadt Rovigo in der Region Venetien in Nordost-Italien. Die Solarstromanlage an der Grenze zwischen einem Industriegebiet und Ackerflächen besteht aus 280.000 polykristallinen Solarmodulen, hat eine Nennleistung von 70 Megawatt und ist damit eines der größten PV-Kraftwerke der Welt.Nur einen knappen Monat später, am 15. Dezember 2010, gab die SunPower Corporation (San Jose, Kalifornien, USA) die Inbetriebnahme der Phasen drei und vier (zusammen 44 Megawatt) eines noch größeren Solarkraftwerks in Zentralitalien bekannt. Insgesamt hat die PV-Freiflächenanlage in Montalto Di Castro, nahe dem Mittelmeer, eine Nennleistung von 84,2MW-DC (72MW-AC) und ist damit das größte Solarkraftwerk Europas.
Auf Grund dieser vielversprechenden Entwicklungen präsentiert der Solarserver in der Rubrik Solaranlage des Monats im März die beiden Kraftwerke in Montalto di Castro und Rovigo, zwei Leuchtturmprojekte für die Zukunft der europäischen Energieproduktion. Sie zeigen, dass auf dem Weg zu einer schadstoffarmen Wirtschaft in kurzer Zeit bedeutende Fortschritte möglich sind.

Italienischer Sonnenschein, schnelles MarktwachstumDass diese Solarstromanlagen im Kraftwerksmaßstab in Italien stehen, passt: Das Land entwickelte sich 2010 zu einem der größten PV-Märkte der Welt, der mit Deutschland um die Spitzenposition konkurriert. 3,77 Gigawatt neue Photovoltaik-Leistung (darunter erst teilweise fertig gestellte Anlagen) wurden im Rahmen des italienischen Einspeisegesetzes angemeldet.
Der italienische Markt für PV-Großkraftwerke mit einer Nennleistung von 200 Kilowatt oder mehr wuchs weltweit am schnellsten und verdreifachte sich in nur einem Jahr.
Nach Deutschland und Spanien wurde Italien 2010 das dritte Land mit einer installierten Gesamtleistung von mehr als einem Gigawatt. In Folge der rasanten Marktentwicklung schaffte es Italien mit den Solarparks in Rovigo (70 MW) und Montalto di Castro (Lazio, 84 MW) in die Top5 der weltgrößten PV-Anlagen, und mit einer 34,6 MW-Anlage in Sant’Alberto in der Emilia-Romagna ist Italien auch in den Top10 vertreten.

Leistung
DC (MWp)

Land

Standort

Region

Fertig

gestellt

97

Kanada

Sarnia

Ontario

2010

84,2

Italien

Montalto di Castro

Lazio

2010

80,2

Deutschland

Finsterwalde

Brandenburg

2010

70,6

Italien

San Bellino

Veneto

2010

60

Spanien

Olmedilla de Alarcón

Kastilien-La Mancha

2008

54

Deutschland

Straßkirchen

Bayern

2009

52,8

Deutschland

Lieberose

Brandenburg

2009

48

USA

Boulder City, NV

Nevada

2010

47,6

Spanien

Puertollano

Kastilien-La Mancha

2008

46

Portugal

Amaraleja

Alentejo

2008

42,7

Italien

Cellino San Marco

Apulien

2010

40

Deutschland

Brandis

Sachsen

2008

36

Deutschland

Reckahn

Brandenburg

2010

35

Tschechische Republik

Vepřek

Středočeský kraj
(
Mittelböhmen)

2010

34,6

Italien

Sant’Alberto

Emilia-Romagna

2010

SunRay: Ehrgeiziger Start in Montalto di Castro
Der Photovoltaik-Projektentwickler SunRay Renewable Energy Ltd. (Floriana, Malta) begann im Februar 2009 mit dem Bau des Kraftwerks in Montalto Di Castro. Die Ziele waren ehrgeizig: Als SunRay mit dem Bau der Anlage mit einer Nennleistung von 25MW-DC begann, plante das Unternehmen bereits eine Erweiterung auf 100 MW bis Ende 2010.Im Oktober 2009 erhielt SunRay eine Projektfinanzierung in Höhe von 120 Millionen Euro von der Banca Infrastrutture Innovazione e Sviluppo, der Société Générale und der WestLB AG. Am 16. Dezember 2009 stellte SunRay den ersten Abschnitt 25MW-DC (20MW-AC) fertig, der allein schon eines der größten PV-Kraftwerke des Kontinents war.

SunPower kauft Montalto di Castro
SunRay hatte bei Planung, Lieferung und Bau bereits mit der SunPower Corporation zusammengearbeitet, ebenso bei der Bereitstellung der Module und Nachführsysteme für die Anlage. In Montalto di Castro werden SunPower E19–Module verwendet, die auf SunPower T0-Nachführsystemen montiert sind. Laut SunPower produzieren sie bis zu 25 Prozent mehr Strom als ohne Nachführung.
SunPower hat jedoch mehr als diese Dienstleistungen und Komponenten beigetragen: Im Frühjahr 2010 übernahm das Unternehmen SunRay mitsamt seinen 70 Angestellten. Am 29. März 2010 war die Übernahme abgeschlossen.
Montalto di Castro war eines von mehreren Projekten, die durch die SunRay-Übernahme auf SunPower übergingen. Im Sommer und Herbst 2010 erweiterte SunPower das Kraftwerk um weitere 8MW-AC, die im Herbst 2010 an das Netz gingen.

Solar-Anleihen und der Verkauf von Montalto di Castro
Für die letzten Abschnitte der Anlage entwickelte SunPower ein neues Finanzierungsinstrument, die nach Angaben des Unternehmens ersten "Solarbonds" (Solar-Anleihen) der Branche. Hauptverantwortliche waren BNP Paribas und die Société Générale. Durch die Anleihen erhielt SunPower 195 Millionen Euro, um die Anlage fertig zu stellen.SunPower meldete am 15. Dezember 2010 die Inbetriebnahme des dritten und vierten Abschnittes mit insgesamt 44 MW und gab am selben Tag die vollständige Platzierung der Anleihe bekannt.

Nachführsysteme in Montalto di Castro. Foto: SunPower Corp.Am 27. Dezember 2010 verkaufte SunPower das Solar-Kraftwerk an einen Zusammenschluss von Investoren, darunter MetLife, Fondo PPP Italia und Voigt & Collegen. SunPower übernimmt weiterhin den Betrieb und die Wartung der Anlage. Das Gelände wurde teilweise wieder seiner ursprünglichen Verwendung zugeführt: als Weideland für Tiere neben den Photovoltaik-Modulen.

Beschleunigte Solar-Projektentwicklung: Photovoltaikanlage in Rovigo in neun Monaten fertig gestellt
SunEdison begann mit dem Bau des PV-Kraftwerks in Rovigo im Februar 2010. In nur neun Monaten wurde dort ein 70 MW-Kraftwerk gebaut. "Der Bau wurde in weniger als einem Jahr fertig gestellt. Wir halten diese Entwicklung für einen neuen Meilenstein in der Solar-Branche und glauben, dass das Standard für künftige Großprojekte wird", kommentiert SunEdison-Präsident Carlos Domenech.
“SunEdison hat wieder einmal seine Fähigkeiten und Fachkenntnis bei der Entwicklung solarer Großprojekte bewiesen und den Regierungsbehörden dabei geholfen, Inititiativen für erneuerbare Energien bekannt zu machen.“SunEdison hat das Projekt ursprünglich mit der Santander-Bank entwickelt, die Isolux Corsan mit dem Bau beauftragt hatte. "Die Entwicklung von Rovigo in so kurzer Zeit wurde durch das Engagement unserer Projektpartner sowie örtlicher und regionaler Behörden möglich gemacht", erklärt SunEdison EMEA General-Manager Pancho Perez.
70 MW-Solarkraftwerk Rovigo. Foto: SunEdisonDie erfolgreiche Fertigstellung in so kurzer Zeit wurde von allen Seiten gelobt, auch von der italienischen Regierung. In einem Brief an den SunEdison-Geschäftsführer Carlos Domenech gratulierte der italienische Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Paolo Romani, SunEdison zu diesem Erfolg und unterstrich die Herausforderungen der Energieversorgung in Italien sowie die Bedeutung dieses Projekts für das Wirtschaftswachstum.

Solarmodule von vier verschiedenen Herstellern
Der 2010 weltweit explodierende PV-Zubau, der von Deutschland und Italien angeführt wurde, führte auch zu Schwierigkeiten bei der Modulbeschaffung für die Anlage. Schließlich bezog SunEdison die polykristallinen Module von vier verschiedenen Herstellern: Canadian Solar Inc. (Kitchener, Kanada), Chint, Hanwha Solar One Company Ltd. (Qidong, China) und Trina Solar Ltd. (Changzhou, China).In Rovigo kommen Wechselrichter der Bonfiglioli Riduttori SpA (Bologna, Italien) mit Wechselrichter-Stationen von Areva zum Einsatz. 840 Kilometer Kabel und 50 Kilometer Leitungen verbinden das Solar-Kraftwerk mit dem Stromnetz. Die Module sind auf Stahlkonstruktionen mit einer Gesamtlänge von 914 km montiert.
Die Montage erfolgte ohne Nachführung. Nach Schätzungen von SunEdison waren dafür 6.090 Tonnen Metall notwendig. Zusätzlich verwendet SunEdison ein SEEDS-System, um die Leistung zu überwachen. Laut SunEdison wurden zum Bau der Anlage 350 Arbeitskräfte benötigt.Verkauf von Rovigo an First Reserve
Auf Grund attraktiver Photovoltaik-Einspeisevergütungen durch das Förderprogramm "Conto Energia" ist die Anlage eine lohnende Energie-Investition. Am 4. Oktober 2010 meldete SunEdison den Verkauf an die First Reserve Corporation für 276 Millionen Euro.
FirstReserve sicherte die Projektfinanzierung in dieser Höhe durch Banken wie Santander, Unicredit Corporate Banking, Dexia Crediop, Natixis, Société Générale und Credit Agricole. Nach dem Verkauf wird SunEdison die Anlage weiterhin betreiben und warten.

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