Agrophotovoltaik sorgt für Ernteplus in Oberbayern

Aufgeständerte Solarmodulreihen beschatten eine Agrarfläche, dazwischen fährt ein Traktor.Foto: Öko-Haus GmbH
Die Agrophotovoltaik kann die Ernteerträge vcerbessern.
Mit einer Agrophotovoltaikanlage erzielen Landwirte in Oberbayern zusätzliche Ernteerträge von bis zu 30 Prozent. Dienstleister Öko-Haus hat die 750 kW starke Anlage realisiert und ans Netz angeschlossen.

Agrophotovoltaik sorgt für ein deutliches Ernteplus in Oberbayern. Darüber berichtet der Fachbetrieb für Photovoltaikanlagen und Speicherkonzepte, Öko-Haus. Bei dem System gehe es um eine Solaranlage mit 749 Kilowatt Spitzenleistung (kWp) in Althegnenberg. Seit diesem Frühjahr liefere sie Sonnenstrom, während darunter Agrarfrüchte wachsen können. Initiator des PV-Projekts sei Thomas Rebitzer. Seit Jahrzehnten setze sich der studierte Maschinenbauer und Lehrer an Fach- und Berufsoberschulen (FOS/BOS) in Friedberg privat wie beruflich für Solarstrom ein. Mit seinen Schülern plane er zudem Projekte wie die Agrophotovoltaik-Anlage in Althegnenberg.

Für die Umsetzung der Anlage habe Rebitzer schließlich das Ehepaar Wiedemann, Besitzer der Agrarfläche in Althegnenberg, sowie Pächter und Bio-Landwirt Martin Gastl gewinnen können. Zusammen gründeten sie die Agro-Photovoltaik-GbR und stemmten die Finanzierung aus eigenen Mitteln. Die Öko-Haus GmbH, die seit über 20 Jahren Solaranlagen baut und überwacht, bekam den Zuschlag für den Bau der PV-Anlage.

Astronomisch gesteuerte PV-Module

Über der rund 2,2 Hektar großen Ackerfläche habe die Firma die Solarmodule im Abstand von 14 Metern errichtet. Im Gegensatz zur sonst üblichen Ost-West-Ausrichtung seien die PV-Module auf einem Nachführsystem nach Süden ausgerichtet und in 2,5 Meter Höhe auf einer drehbaren Welle mit einer Gesamthöhe von 4,4 Meter montiert. Durch Solar-Tracking folgen sie somit dem Lauf der Sonne. Damit ließen sich überdurchschnittlich hohe Stromerträge erreichen. „Die PV-Anlage liefert im Durchschnitt rund 20 Prozent Mehrertrag“, freut sich Felix Steber, Geschäftsführer von Öko-Haus.

Um auch beim Ernteertrag ein Maximum zu erzielen, seien die Module senkrecht einstellbar. Der Landwirt könne folglich den Acker bis zu einem halben Meter an die Tragstützen heran maschinell bewirtschaften. Der Bereich unter den PV-Montagesystemen soll durch Anlegen von Biotopen oder spezieller Kräuter- und Beerensträucher dem Artenschutz dienen.

Durch die Teilverschattung erreiche der Landwirt je nach Bepflanzung einen Mehrertrag von rund 30 Prozent. Wissenschaftlern zufolge wirke sich dabei der Schattenwurf positiv auf Lufttemperatur, Einstrahlung und den Wasserbedarf aus. Der Schatten führe konkret zu kühleren Tages- sowie wärmeren Nachttemperaturen und höherer Luftfeuchtigkeit als beim traditionellen Anbau unter freiem Himmel.

Einspeisevergütung für Agrophotovoltaik

Die Agrophotovoltaik-Anlage in Althegnenberg ist seit April 2020 am Netz. Die Betreibergesellschaft hofft jetzt auf Signalwirkung für Folgeprojekte. Auch auf politischer Ebene will Thomas Rebitzer etwas bewirken: „Zur offiziellen Einweihung der AGV-Anlage im Oktober laden wir politische Entscheider ein. Agrophotovoltaik ist die Lösung für den Nutzungskonflikt um Flächen. Wir möchten eine Gesetzesänderung erreichen. Wenn die Einspeisevergütung für AGV-Anlagen an Autobahnen und Bahnlinien ohne den Abstand von 110 Metern gilt, werden mehr PV-Anlagen dieser Art entstehen. Das ist unser Ziel“, so Rebitzer.

2.9.2020 | Quelle: Öko-Haus | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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