Der Deutsche Umweltpreis für Klimaforscher und Unternehmer

Preisträger der Umweltpreises 2020 der DBUFoto: DBU
Preisträgerin und Preisträger des Umweltpreises 2020 der DBU (v.l. vordere Reihe): Dr. Martin Sorg, die Geschwister Trappmann und Prof. Dr. Ottmar Edenhofer
Den mit 500.000 Euro dotierte Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) haben gestern zu gleichen Teilender Klima-Ökonom Prof. Dr. Ottmar Edenhofer sowie die Unternehmer Annika und Hugo Sebastian Trappmann erhalten.

Trotz Quarantäne überreicht Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die DBU-Ehrung während des Festakts symbolisch per Videobotschaft. Der Deutsche Umweltpreis zählt zu den höchstdotierten Umweltpreisen in Europa zählt.

Der DBU-Umweltpreis geht dieses Jahr zu gleichen Teilen mit je 250.000 Euro an Klima-Ökonom Prof. Dr. Ottmar Edenhofer sowie die Geschwister Annika und Hugo Sebastian Trappmann. Einen Ehrenpreis in Höhe von 10.000 Euro vergibt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt an Insektenforscher Dr. Martin Sorg.

„Wichtiges Instrument zur Senkung der Treibhausgase“

Edenhofer (59), unter anderem Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), nannte die Auszeichnung „eine große Ehre“ – und „auch eine Verpflichtung: Ich werde mich weiter mit voller Kraft dafür einsetzen, damit ein Preis für den Kohlendioxid(CO2)-Ausstoß zu einem wirksamen Klimaschutz-Instrument wird.“ Der Deutsche Umweltpreis sei Motivation, „zum Erfolg des von der EU angestrebten europäischen Grünen Deals meinen Teil beizutragen“. Die DBU-Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter, zugleich Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, betonte, Edenhofer habe mit seinem Ansatz, dem CO2-Ausstoß einen Preis zu geben, „ein wichtiges Instrument zur Senkung der Treibhausgase“ und somit für mehr Klimaschutz geliefert. Schwarzelühr-Sutter: „Seine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse haben wesentlich dazu beigetragen, einen CO2-Preis auch für den Verkehrs- und Gebäudebereich einzuführen.“

Edenhofer: Kein Prophet, sondern Problemlöser

Nach eigenen Worten will der PIK-Direktor „kein Prophet, sondern Problemlöser“ sein. Umso mehr empfinde er den DBU-Umweltpreis als Anerkennung für seinen Einsatz in der Klimapolitik, durchaus im Sinne einer „Verankerung der Klima-Ökonomie in der Wissenschaft“. Das Engagement für Klimaschutz könne „ja nie ein losgelöstes Unterfangen sein – weder von Politik, noch von Wissenschaft“. Wissenschaft müsse Grundlage für politische Entscheidungsprozesse sein. Edenhofer: „Der Mainstream der Wirtschaft und die Mitte der Gesellschaft müssen mit im Boot sein.“ Nur dann seien Problemlösungen angesichts des Klimawandels möglich.

Firma komplett auf den Kopf gestellt

Als Problemlöserinnen und Problemlöser haben sich die Geschwister Trappmann bewiesen. Ihre Leistung: Annika (28) und ihr Bruder Hugo Sebastian (37) haben mit rund 320 Mitarbeitenden in der Blechwarenfabrik Limburg sprichwörtlich ihre komplette Firma auf den Kopf gestellt – mit einem Neubau an einem anderen Standort und dem Bestreben, mittels Digitalisierung zur Ressourcenschonung beizutragen. Annika Trappmann: „Für meinen Bruder Hugo Sebastian und mich als Geschäftsführende der Blechwarenfabrik ist der DBU-Umweltpreis Anerkennung und Ansporn, mit unserem Projekt für mehr Energie- und Ressourceneffizienz als Vorbild für andere kleinere Mittelständler voranzugehen.“ Eine solche Breitenwirkung sei ohne den Preis nicht möglich, sagte die 28-Jährige. Dieser Umweltpreis sei aber noch viel mehr: „eine enorme Bestätigung und Respekt vor der Leistung unserer 320 Mitarbeitenden in Limburg“.

Der DBU-Umweltpreis ist nach Ansicht von Annika Trappmann „ein Signal besonders an die mittelständische Wirtschaft: nämlich den Mut zu haben, Risiken einzugehen“. Zuweilen habe sie zwar „schon große Zukunftssorgen“, wenn sie über Klimawandel, Umwelt- und Ressourcenschutz nachdenke. „Aber: Ich sehe viele tolle Unternehmen, mit deren Beitrag diese Herausforderung zu bewältigen ist.“ Ein gutes Beispiel sei der deutschlandweite Verband der Klimaschutz-Unternehmen, den es seit ungefähr zehn Jahren gebe und in dessen Vorstand sie mitwirke. „Das ist eine großartige Initiative, um mit Innovationen und Ideen für mehr Klimaschutz auch eine Breitenwirkung zu erzielen“, so die 28-Jährige.

„Aus der Brücke wird eine Dose“

Ihr Bruder ist überzeugt: Eine CO2-neutrale Produktion sei bereits mit heute zur Verfügung stehenden Technologien möglich. „Wir können und müssen dies jetzt umsetzen“, so Trappmann. Die mittelfristig größere Herausforderung der Menschheit sei der Umgang mit begrenzten Ressourcen. Wie DBU-Generalsekretär Bonde ist auch Trappmann sicher: „Wir müssen Materialkreisläufe schließen.“ Der 37-Jährige: „Stahl ist keine Molekülkette, die bei jeder Erwärmung immer kürzer wird, sondern er wird endlos im Kreislauf geführt. Aus einer Dose wird eine Kaffeekanne, aus der Kaffeekanne wird eine Brücke, aus der Brücke wird wieder eine Dose.“ 80 Prozent des jemals hergestellten Stahls befindet sich nach Trappmanns Worten „immer noch in unseren Kreisläufen“.

„Biodiversitätsschäden von Menschen verursacht“

Ein echter Pionier in seinem Fachgebiet ist Insektenforscher Dr. Martin Sorg (65). Seine Leistung würdigt die DBU mit einem Ehrenpreis: Er war als leitender Wissenschaftler beim Entomologischen Verein Krefeld maßgeblich an der „Krefelder Studie“ beteiligt – eine der ersten Untersuchungen, die den eklatanten Rückgang der Insekten-Biomasse wissenschaftlich untermauerten. Sorg: „Es besteht kein Zweifel, dass die wissenschaftlich festgestellten Biodiversitätsschäden von Menschen verursacht sind.“ Daraus ergebe sich eine Verpflichtung: „Es liegt jetzt in unseren Händen und unserer Verantwortung, wohin die Reise beim Schutz der Artenvielfalt geht – insbesondere bei den Insekten als artenreichster Tiergruppe“, so Sorg.

Die Lage sei durchaus dramatisch, sagte der Insektenforscher. „Man muss sich das wirklich einmal vor Augen halten: In Deutschland gehen wir von mehr als 34.000 verschiedenen Insektenarten aus. Aber für mehr als 75 Prozent davon ist uns die tatsächliche Gefährdungssituation nicht bekannt.“ Das müsse sich ändern. Sorgs Appell: „Wir brauchen als Handlungsgrundlage eine weitaus umfangreichere Rote Liste, die bewertet, welche Arten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben sind.“ Es sei „höchste Zeit, die Prioritäten neu zu justieren“. Vorrang müsse ein nachhaltig wirksamer Biodiversitätsschutz in Naturschutzgebieten haben. Sorg: „Es geht darum, die Inhalte von Gesetzen, Richtlinien und Verordnungen unter die Lupe zu nehmen, deren Umsetzung zu überprüfen und einen Blick auf Risikoanalysen zur Landnutzung zu werfen.“

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26.10.2020 | Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt
© Solarthemen Media GmbH

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