Projekt MELANI: Stromspeicher im Mehrfamilienhaus

Flachdach mit Photovoltaikanlage, Ingenieure zwischen den ReiehneFoto: stock.adobe.com/rh2010
Das neue Forschungsprojekt MELANI untersucht, wie sich mehrere Wohnparteien im Mehrfamilienhaus eine Photovoltaikanlage und einen Stromspeicher teilen können.

Eigenheimbesitzer nutzen immer mehr Photovoltaik-Stromspeicher. Eigentümer und Bewohner von etwa 19 Mio. Mietwohnungen schauen derzeit nur zu. Das Forschungsprojekt MELANI soll tehnische und regulatorische Hürden für Stromspeicher im Mehrfamilienhaus-Bereich abbauen.

„Mit einer Photovoltaikanlage oder einem BHKW wird die Immobilie zum Kraftwerk“, erklärt Dr. Tim Meyer. Er ist Vorstand bei der Naturstrom AG, die das Projekt koordiniert. „Die günstige Stromerzeugung im Gebäude lohnt sich für alle – für die Bewohner, den Vermieter und den Klimaschutz. Dieser Nutzen lässt sich durch einen mit einem Energiemanagement-System kombinierten Stromspeicher, auf den alle Wohnparteien zugreifen können, noch deutlich erhöhen.“

MELANI-Konsortium

Allerdings stehen dem Strompeicher im Mehrfamilienhaus bislang mehrere Hürden entgegen. Um die aus dem Weg zu räumen, haben sich Naturstrom, die SMA Solar Technology AG, die Physikalisch-Technischen Bundesanstalt und das elenia Institut für Hochspannungstechnik und Energiesysteme der TU Braunschweig zusammengetan. Ihr auf drei Jahre angelegtes Projekt MELANI wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit 2,3 Millionen Euro gefördert. Von Seiten der Wohnungswirtschaft unterstützen die Verbände GdW und VDIV sowie die Berliner Gewobag das Forschungsvorhaben.

Es geht im Kern um Messtechnik

„Die nötige Messtechnik zu entwickeln, eichrechtskonform auszugestalten und die Messwerte rechtssicher abzurechnen ist Kern des Projektes MELANI“, sagt Hauke Witte, der bei Naturstrom für die Projektleitung zuständig ist. Denn beim Zugriff mehrerer Wohnparteien auf ein und denselben Stromspeicher muss stets exakt bestimmt und abgerechnet werden können, welche Strommengen welche Wohnpartei aus der häuslichen Stromerzeugungsanlage, dem Speicher oder aus dem öffentlichen Netz bezieht.

Diese Daten müssen eichrechtskonform erhoben werden und den Partnern im Strommarkt zur Verfügung stehen. Zu denen zählt der lokale Stromnetzbetreiber, der Stromanbieter, der den lokal erzeugten Strom, den gespeicherten Strom sowie Reststrommengen aus dem öffentlichen Netz für die Wohnparteien zur Verfügung stellt. Und auch weitere Stromanbieter benötigen gegebenenfalls Informationen. Denn schließlich müssen die Wohnparteien in einem Haus mit Mieterstrom-Modell ihren Energieversorger nach wie vor frei wählen dürfen.

Modernisierungsschub für Gebäudetechnik

Aus dem technisch Machbaren muss aber auch ein Geschäftsmodell folgen. Denn das Ziel ist: günstiger, sauberer Strom für die Wohnparteien und ein einträglicher Betrieb der Erzeugungsanlage und des Speichers für deren Investor. Dies kann der Immobilieneigentümer sein, es ist aber auch die Aufgabenteilung mit einem energiewirtschaftlichen Dienstleister denkbar. „Mit MELANI erschließen wir den Geschosswohnungsbau für die Speichernutzung“, so Naturstrom-Vorstand Meyer. „Damit geht ein enormer Modernisierungsschub für die energetische Gebäudetechnik einher. Denn mit der Optimierung der lokalen Ökostromerzeugung, ihrer Speicherung, der Nutzung durch die Wohnparteien oder auch im Schaffen von Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge hält die Digitalisierung der Energiewende im Mehrparteienhaus Einzug. Wir schaffen die Grundlagen, damit künftig ein Großteil der Bevölkerung Teil einer digitalisierten Energiewende sein kann.“

Netzdienlicher Aspekt

MELANI soll darüber hinaus auch einen netzdienlichen Effekt haben. Denn in hochverdichteten urbanen Räumen würden ohne dezentrale Erzeugungsanlagen und Stromspeicher durch die zunehmende Elektrifizierung vieler Alltagsanwendungen und des Mobilitätsbereichs hohe Summen in den Ausbau der Verteilnetze fließen müssen. Laut Naturstrom können Lösungen, die durch MELANI angestoßen werden, einen kostendämpfenden Effekt auf diese Entwicklung haben.

In gut einem Jahr soll ein Feldtest zeigen, ob die bis dahin entwickelten Lösungen in der Praxis unktionieren. Dafür suchen die Projektpartner bereits jetzt nach einer passenden Immobilie. Um verlässliche rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen für innovative Geschäftsmodelle zu schaffen, wollen sie auch in der Politik Aufklärungsarbeit leisten.

25.1.2021 | Quelle: Naturstrom AG
© Solarthemen Media GmbH

Schließen