Flaute bei Solarthermie in der Fernwärme

Montage der Vakuumröhren einer Freiflächen-SolarthermieanlageFoto: Guido Bröer
Montage der Vakuumröhren einer Freiflächen-Solarthermieanlage bei den Stadtwerken Lemgo.
Weil Investoren und Fernwärmeversorger auf die Bundesförderung Effiziente Wärmenetze warteten, war für die große Solarthermie 2021 ein verhaltenes Jahr. 2022 könnte sich das ändern.

2021 war ein Jahr der Flaute für die Solarthermie in der Fernwärme. Das geht aus einer Mitteilung des Solites – Steinbeis Forschungsinstitut für solare und zukunftsfähige thermische Energiesysteme hervor. Demnach ist in Deutschland nur eine einzige Solarthermieanlage an einem Fernwärmenetz in Betrieb gegangen. Dabei handelte es sich um die Kollektoranlage der Stadtwerke Mühlhausen mit 5.691 Quadratmetern Bruttokollektorfläche. Im Jahr davor hatten die Fernwärmeversorger noch mehr als 31.000 Quadratmeter in Betrieb genommen. Für die große Zurückhaltung ist neben der Rohstoffknappheit besonders die Verzögerung der noch ausstehenden Bundesförderung Effiziente Wärmenetze (BEW) verantwortlich.

Anlagen mit 38.000 qm in der Pipeline

Das BEW verspricht eine bessere Förderung als das aktuelle Förderprogramm. Institutsleiter des Steinbeis Forschungsinstituts Solites Dirk Mangold erinnert sich hier an frühere vergleichbare Situationen: „Ein mehrfach angekündigtes Förderprogramm, das nicht kommt, blockiert den Markt, da mögliche Investoren auf dieses Förderprogramm warten“. Allerdings stehen aktuell mehrere große Anlagen mit etwa 38.000 Quadratmetern kurz vor der Fertigstellung, so dass sie in den kommenden Monaten mit der Wärmelieferung beginnen können.

Aktuell können 45 solarthermische Großanlagen mit einer Bruttokollektorfläche von 112.325 Quadratmetern in deutschen Fernwärmenetzen eine Spitzenleistung von rund 79 Megawatt erzeugen.

Daran zeige sich zugleich, dass das Projektgeschäft mit großer Solarthermie bundesweit noch immer am Anfang stehe. Die Projekte würden immer größer, bald gehe in Greifswald die mit über 18.000 Quadratmetern leistungsstärkste Solarthermieanlage Deutschlands in Betrieb.

Die aktuelle Marktsituation der großen Solarthermie ist symptomatisch für die Investitionszurückhaltung der gesamten Fernwärmebranche. Die Wärmeversorger warten auf die bereits von der Vorgänger-Bundesregierung seit Jahren angekündigten neuen Bundesförderung. Doch die Förderrichtlinie der Bundesregierung, die für Solarthermie und Großwärmepumpen attraktive Betriebskostenzuschüsse in Aussicht stellt, wartet auf die erforderliche Genehmigung der EU-Kommission. Solarthermie- und Fernwärmeunternehmen hoffen nun, dass bald grünes Licht für die BEW-Förderung in Deutschland gegeben wird. Und zwar mit den kurz vor Weihnachten bekannt gegebenen neuen Leitlinien für Klima-, Umwelt- und Energiebeihilfen (KUEBLL) der EU-Kommission. „Damit wird sich der Investitionsstau auflösen und viele avisierte Solarthermieprojekte werden in die Umsetzung gehen“, sagt Branchenkenner Mangold.

17.2.2022 | Quelle: Solites | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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