DUH-Studie: Biokraftstoffe aus der Landwirtschaft für Klima schädlicher als fossile

Kanister mit Rapsblüten vor Rapsfeld - Symbol für Biodiesel, Biokraftstoffe, BioenergieFoto: foto_tech /stock.adobe.com
Laut einer neuen Ifeu-Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sind pflanzenbasierte Biokraftstoffe („Agrokraftstoffe“) aufgrund ihres Flächenbedarfs klimaschädlicher als bisher gedacht.

Nach Berechnungen des Ifeu-Instituts sind derzeit mehr als 1,2 Millionen Hektar wertvolle Agrarflächen rund um den Globus für den Anbau von Raps, Getreide & Co. zur Produktion von Agrokraftstoffen für deutsche Diesel- und Benzinautos belegt. Allein in Deutschland würde der Anbau von Energiepflanzen für Biokraftstoffe 500.000 Hektar Fläche benötigen. Dieser hohe Flächenverbrauch mache den Vorteil der Biokraftstoffe fürs Klima gegenüber fossilem Sprit mehr als zunichte. Horst Fehrenbach, Fachbereichsleiter des ifeu-Instituts in Heidelberg, spricht von einem „großen blinden Fleck“ in der Klimabilanz der landwirtschaftlichen Biokraftstoffe.

Natürliche Vegetation bringt mehr fürs Klima als Biokraftstoffe

Anstelle dieser Monokulturen könnte sich auf einer Fläche dieser Größe auch natürliche Vegetation entwickeln, die große Mengen an CO2 bindet, so die DUH. Die Studie ermittelt den Klimavorteil bei alternativer Nutzung der jetzigen Anbauflächen über einen Zeitraum von 30 Jahren. Die Berechnungen zeigen, dass pro Jahr durchschnittlich 16,4 Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre gebunden werden könnten, wenn man auf einer Fläche in Größe der heutigen Anbaufelder natürliche Vegetation wie Wald wieder aufwachsen ließe. Das sind 7,2 Millionen Tonnen CO2 mehr, als die Nutzung von Agrokraftstoffen in Deutschland laut amtlichen Angaben in 2020 eingespart hat.

Deutschland soll Förderung von biogenen Kraftstoffen aus der Landwirtschaft beenden

Der Umweltverband fordert deshalb, die Förderung von „Agrokraftstoffen“ in Deutschland und in der EU sofort zu beenden. Dazu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Diesel aus Raps, Soja oder Palmöl und Benzin aus Getreide gehören nicht in den Tank.“ Viel Platz für Raps- und Getreideanbau für den Tank bedeute letztlich weniger Platz für natürliche Ökosysteme, die CO2 binden und vielfältige Lebensräume bieten. Der Ausstieg aus Agrokraftstoffen würde dagegen sofort eine spürbare Flächenentlastung schaffen.

Fruchtbares Ackerland sei zuerst für die naturverträgliche Nahrungsmittelproduktion zu nutzen. Auf geeigneten Flächen, wie etwa entwässerten Mooren, fordert die DUH eine konsequente Renaturierung. Diese sei „ohnehin bitter nötig“, wenn die Ampel-Koalition die verpflichtenden Ziele für CO2-Senken aus dem Klimaschutzgesetz einhalten wolle.

Elektroantrieb braucht am wenigsten Fläche

Die Studie zeige außerdem, dass sich erneuerbare Antriebsenergie für Fahrzeuge auch ohne immense Flächenverschwendung herstellen lasse. Für die gleiche Kilometerleistung benötigt die Erzeugung von Solarstrom für E-Fahrzeuge 97 Prozent weniger Fläche als die landwirtschaftliche Produktion von Biokraftstoff für Verbrennerfahrzeuge.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Unsere Studie zeigt: Die gesamte Agrokraftstoffpolitik der letzten 15 Jahre war eine fundamentale Fehlkalkulation. Weder Agrosprit noch andere sogenannte ‚alternative‘ Kraftstoffe machen Verbrenner-Autos klimafreundlich. Solche Scheinlösungen dürfen nicht länger von der Politik gefördert werden.“ Er fordert ein verbindliches Aus für die Verbrennungsmotoren. Spätestens 2030 dürften diese in der EU nicht mehr neu zugelassen werden.

Gemeinsam mit den Fridays-for-Future-Aktivisten Frida Mühlhoff und Jannis Krüßmann startet die DUH heute eine Petition im Rahmen der EU-weiten Kampagne #beyondburning. Diese fordert die EU auf, die Förderung für Agrokraftstoffe und die Förderung für das Verbrennen von Waldholz zur Energieerzeugung insgesamt einzustellen, weil sie die Klimakrise nicht eindämmen, sondern zusätzlich befeuern. Die vollständige Studie ist hier erhältlich.

Biokraftstoff-Verband hält dagegen

Biokraftstoffe haben bisher den größten Anteil daran, die sogenannte Treibhausgasminderungsquote im Verkehr in Deutschland zu erfüllen. Das betont auch der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), der wenige Stunden später mit einer eigenen Pressemitteilung reagierte. VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann bezeichnet die Studie als „unterkomplex“ und die Forderung als „für den Klimaschutz kontraproduktiv“. Selbst wenn die ehrgeizigen Ziele der Bundesregierung von 15 Millionen Elektroautos im Jahr 2030 in Deutschland erreicht würden, wären dann noch über 30 Millionen Verbrenner auf der Straße. Dieser Fahrzeugbestand könne in den nächsten Jahren nur mit nachhaltig produzierten Biokraftstoffen klimafreundlicher fahren.

Zudem entstehe aus Raps nur zu etwa 40 Prozent Pflanzenöl. Dieses fände Verwendung als Nahrungsmittel oder für die Herstellung von Biodiesel. Die übrigen 60 Prozent seien eiweißreiches Tierfuttermittel, das Sojaimporte aus Südamerika ersetze. Außerdem spiele der Raps als tiefwurzelnde Blattfrucht eine wichtige Rolle in der Fruchtfolge. Auch der Verweis auf die Renaturierung von Moorflächen überzeugt Baumann nicht. Rohstoffe für Biokraftstoffe dürfe man ohnehin nicht auf Flächen anbauen, die nach 2007 entwässert worden seien.

23.2.2022 | Quelle: DUH, VDB | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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