Gaskrise: Biogas anstelle von Kohle und Fracking-Gas nutzen

Zu sehen ist eine Biogasanlage. Biogas kann kurzfristig ausgebaut werden, um gegen die Gaskrise wirken zu können.Foto: Konrad Steininger / www.stock.adobe.com
Branchenverbände fordern, dass der Bund in der Gaskrise sein Augenmerk auf Biogas richtet, um die Versorgungssicherheit mit Brennstoffen im kommenden Winter zu gewährleisten.

Gemeinsam äußern der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE), der Fachverband Biogas e.V. (FvB) und der Deutsche Bauernverband e.V. (DVB) ihr großes Unverständnis, warum die Bundesregierung die Versorgungssicherheit im kommenden Winter ausschließlich über fossile Brennstoffe wie Kohle und importiertes Fracking-Gas sicherstellen will. Das kurzfristig mobilisierbare Potenzial von nachhaltigem heimischen Biogas solle hingegen in der Gaskrise ungenutzt bleiben. „Aktuell haben viele Biogas-Bauern noch mehr als ausreichend Substratvorräte aus der Ernte von 2021. Diese können im kommenden Winter aktiviert und für die die Erzeugung von Strom, Wärme und Biomethan genutzt werden. Die Bundesregierung sollte dafür jetzt den Weg freimachen“, so der Präsident des Bauernverbandes, Joachim Rukwied.

Kurzfristig mehr Biogas in der Gaskrise erzeugen

Tatsächlich hätte der derzeit bestehende Biogaspark in Deutschland die Möglichkeit, kurzfristig seine Biogasproduktion zu erhöhen und so die Nutzung von Erdgas zu reduzieren. „Seit dem EEG 2014 ist die vergütungsfähige Stromerzeugung jeder Anlage auf einen fixen Wert der sogenannten Höchstbemessungsleistung begrenzt. Aufgrund der Notsituation ist es daher ein Gebot der Stunde für 2022 bis 2024 die Begrenzung der Stromproduktion im EEG auszusetzen“, sagt der Präsident des Fachverbands Biogas Horst Seide.

Darüber hinaus ist aufgrund baurechtlicher Beschränkungen die Biogasproduktion an vielen Standorten auf 2,3 Mio. m³ Biogas begrenzt. Auch diese Begrenzung sollte man temporär aussetzen und notwendige Genehmigungsverfahren in diesem Zeitraum verkürzen. „So könnten wir sofort mehr Energie bereitstellen in Zeiten, in denen jede Kilowattstunde zählt. Kurzfristig lassen sich etwa 20 Prozent der aktuellen Leistung des Anlagenbestandes zusätzlich mobilisieren. Das entspricht insgesamt also 19 Terawattstunden (TWh) Gas beziehungsweise 7 TWh Strom, was den Strombedarf von 2 Millionen Haushalten decken würde“, rechnet Seide vor.

Simone Peter, Präsidentin des Dachverbandes BEE pflichtet ihren Kollegen bei: „Möglicherweise kommen wir, und in diesem Punkt stimme ich Minister Robert Habeck zu, für die kurzfristige Substitution von russischem Erdgas auch am Einsatz von fossiler Kohle zur Stromerzeugung nicht vorbei. Aber es ist klima- wie energiepolitisch vor allem geboten, die sofort nutzbare Biomasse in den bestehenden Bioenergieanlagen in dringend benötigte Energie umzuwandeln.“

So köne man bereits heute die Gasspeicher für den kommenden Winter schonen und der Bedarf zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken deutlich verringern. Statt weiter auf fossile Energieträger aus unsicheren Regionen zu setzten, müsse man heute die Weichen stellen, damit alle erneuerbaren Energien ihren Beitrag zur sicheren Energieversorgung leisten können.

Welche Schritte im Detail nötig sind haben die Bioenergieverbände bereits im Mai in einer Stellungnahme zum Referentenentwurf zum Ersatzkraftwerkebereithaltungsgesetz dargelegt, die unter dem nebenstehenden Link zu finden ist.

24.6.2022 | Quelle: BEE | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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