Offshore-Windbranche: Bundesregierung beim Ausbau der Windenergie auf See gefordert

Die deutsche Offshore-Windbranche fordert von der Politik mehr Unterstützung bei der Umsetzung der Ausbauziele der Windenergie auf See.Foto: RWE AG / Matthias Ibeler
Im Jahr 2022 ging der Offshore-Windpark Kaskasi von RWE in Betrieb.
Die deutsche Offshore-Windbranche fordert von der Politik mehr Unterstützung bei der Umsetzung der Ausbauziele für Windenergie auf See. Ein Aufbau von Kapazitäten der Zulieferindustrie, der Hafeninfrastruktur, im Schiffbau und bei der Qualifizierung von Fachkräften ist erforderlich.

Die deutsche Offshore-Windbranche hat die Ausbauzahlen für die Offshore-Windenergie 2022 vorgestellt. Demnach gingen im vergangenen Jahr 38 Offshore-Windenergieanlagen (OWEA) mit einer Leistung von 342 MW im Projekt Kaskasi erstmalig ans Netz. Insgesamt speisen damit in der deutschen Nord- und Ostsee 1.539 OWEA mit einer Leistung von insgesamt 8.100 MW Strom ein. Darüber hinaus hat die Branche alle 27 Fundamente für Arcadis Ost 1 bis Jahresende installiert. Davon hat man bereits neun mit Offshore-Windenergieanlagen versehen. Für das laufende Jahr rechnet man mit der Fertigstellung und Inbetriebnahme von Arcadis Ost 1.

In den kommenden Jahren rechnet die Offshore-Branche mit höheren Zubau-Raten. Die Projekte zur Realisierung der Ausschreibungen aus dem Jahr 2023 erfolgen ab 2028. Dabei sind insgesamt 8.800 MW ausgeschrieben. Denn für das Erreichen der Ausbauziele bis 2030 müsse man in Deutschland in weniger als acht Jahren 22 Gigawatt (GW) auf See installieren. In Europa sollen in diesem Zeitraum zusammen rund 150 GW Windenergieleistung zugebaut werden. Die Branche erwartet daher einen erheblichen Anstieg ab 2025 und vor allem gegen Ende des Ausbauzieles 2030, was eine industrielle Machbarkeit voraussetzt. Für den Aufbau stabiler Lieferketten und einen zukunftsorientierten Ausbau von Fertigungskapazitäten brauche es einen stetigen und gleichmäßigen Zubau-Pfad. Die für das Erreichen der Ausbauziele notwendigen Produktionskapazitäten und Fachkräfte fehlen laut den Branchenorganisationen BWE, BWO, Stiftung Offshore-Windenergie, VDMA Power Systems, WAB e.V. und WindEnergy Network e.V. bisher in substanziellem Maße. Ein Plan allein reiche hier nicht. Man müsse gemeinsam mit der Politik umgehend eine realistische Grundlage für die Umsetzung der Ausbauziele im Bereich Windenergie auf See für Strom und grünen Wasserstoff schaffen.

Anpassungen am WindSeeG erforderlich

Um die Ziele zu sichern, seien darüber hinaus Anpassungen am WindSeeG erforderlich. Die im WindSeeG 2022 eingeführte Gebotskomponente erhöhe die Risiken für Investoren und belaste die Stromkunden mit zusätzlich steigenden Preisen. Denn klar sei, dass die Windparkbetreiber auf See die Gebotskomponente zurückverdienen müssen. Der Ukraine-Krieg hätte schmerzhaft gezeigt, wie wichtig Akteursvielfalt ist. Zu deren Gewährleistung bestünde im aktuellen Ausschreibungsdesign allerdings kein Sicherungsmechanismus. Daher sollte die maximal zu bezuschlagende Ausbaumenge pro Bieter und Jahr begrenzt werden, fordern die Interessenvertretungen.

Deutsche Offshore-Windbranche beklagt Engpässe bei Komponenten und Hafeninfrastruktur

Viele deutsche Zulieferunternehmen sind laut Offshore-Branche wegen des schwachen Marktes in Deutschland mit Auftragsabarbeitungen für den internationalen Offshore-Windmarkt beschäftigt. Ein weiterer Engpass seine die erforderlichen Materialien für den Komponentenbau für Offshore-Windenergieanlagen. Neben den fehlenden industriellen Kapazitäten für den Ausbau der Windenergie auf See seien Hafeninfrastrukturen erforderlich sowie eine deutliche Erhöhung des Angebots deutscher Werften für den Bau von Gründungsstrukturen, Umspann- und Konverter-Plattformen, Spezialschiffen für Service & Wartung und für die Errichtung.

Zudem weisen die Branchenvertretungen darauf hin, dass die Erzeugung von grünem Wasserstoff auf See steckt noch in den Kinderschuhen steckt. Sie benötigt den erforderlichen regulatorischen Rahmen, der die Entwicklung von konkreten Geschäftsmodellen ermöglicht. Nur so kann der festgelegte Hochlauf der Wasserstoffproduktion aus der Windenergie auf See durch Ausschreibungen von mindestens 500 MW pro Jahr ab 2023 gelingen.

Die Offshore-Windindustrie benötige eine große und von der Bundesregierung unterstützte Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive, einfache Investitions- und Finanzierungsbedingungen und die Förderung neuer Produktionskapazitäten, die für die erforderliche Liquidität in der herstellenden Industrie sorgen, sowie international faire Wettbewerbsbedingungen. Besonders auf die Maßnahmen des US-amerikanischen Inflation Reduction Acts muss Europa eine starke, gemeinsame Antwort finden. Mit Blick auf die Fachkräftebedarfe wünschen sich die Verbände mehr Arbeitnehmerfreizügigkeit über EU-Grenzen hinaus und eine effektive Einwanderungspolitik.

16.1.2022 | Quelle: Stiftung Offshore-Windenergie | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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