Solarmarkt 2026: Deutliche Modulpreiserhöhungen sorgen für Unruhe zum Jahresauftakt

Im Bild ein weißes Einfamilienhaus mit Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.Illustration: KB3 / stock.adobe.com
Chinas Exportpolitik treibt Modulpreise 2026 deutlich nach oben. Der Solarmarkt reagiert nervös – Projekte in Europa geraten unter Druck.
Der globale Solarmarkt startet mit spürbaren Verwerfungen ins Jahr 2026. Insbesondere die angekündigte Streichung chinesischer Exportrabatte treibt die Modulpreise deutlich stärker nach oben als von vielen Marktteilnehmern erwartet – mit potenziell gravierenden Folgen für Projekte in Europa. Marktkommentar von Martin Schachinger.

Ruhiger Jahresausklang, abrupter Stimmungswechsel

Ich möchte das neue Solarjahr mit einem kleinen Ausblick beginnen. Vorab schon sei gesagt: es ist bereits ein Jahr der radikalen Veränderungen und dieser Trend wird sich noch verstärken.

Das vergangene Jahr endete ja relativ ruhig und langweilig. Bei der Modulpreisentwicklung war über Monate hinweg kaum Bewegung zu erkennen. Auch verabschiedete sich die Branche aufgrund der speziellen Lage der Feiertage im Dezember bereits früh in den Weihnachtsurlaub. Es gab ausreichend Zeit, sich zu erholen, runterzukommen, über das Vergangene nachzudenken und Pläne für das vermeintlich Kommende schmieden. 

Feuerpferd und geopolitische Unsicherheiten als Taktgeber

Doch mit dieser angenehmen Ruhe ist es bereits in den ersten Tagen seit Neujahr vorbei. Denn das Jahr 2026 soll laut verschiedener, noch allgemein gehaltener Prognosen eine Mischung aus Wandel, Chancen und Herausforderungen bringen. Für China respektive ganz Asien ist es astrologisch das Jahr des Feuerpferds. Das Tierkreiszeichen steht für Unabhängigkeit, Tatkraft, Energie und einen starken Drang nach Veränderung steht. Und es kommt nur alle 60 Jahre vor. Nun, das Feuerpferd hat sich mit Wucht in unseren bis dato ruhigen Alltag gedrängt. Nicht nur durch Wetterkapriolen, auch geopolitisch haben wir in den wenigen Tagen des neuen Jahres bereits heftige Erschütterungen erlebt. Kein Stein scheint mehr auf dem anderen zu liegen, die Welt scheint neu geordnet werden zu müssen.

In ganz unterschiedlichen Regionen des Globus erschallt der Ruf nach Veränderung. Leider geschieht dies selten friedlicher Natur, häufig ist Gewalt im Spiel – Energie, Feuer, Wandel. Gewaltig versprechen auch die Veränderungen im Solarmarkt zu werden, auch wenn die Dramatik in keinerlei Art und Weise mit den Zuständen in den Krisenregionen vergleichbar ist. Im Prinzip hat beinahe jeder auf eine Modulpreisanpassung nach oben gewartet, auch wenn der Zeitpunkt nicht klar war. Allerdings hat wieder einmal niemand mit der Heftigkeit der Anpassungen gerechnet. 

China streicht Exportrabatte – Preise ziehen früher an

In China ist die Katze aus dem Sack gelassen worden: die angekündigte Streichung der Exportrabatte tritt ab dem 1. April diesen Jahres in Kraft. Doch was zunächst als laues Lüftchen in nicht allzu weiter Ferne beginnt, scheint sich schneller als erwartet zu einem ausgewachsenen Tsunami zu entwickeln. Aus diesem Grunde habe ich auch die untenstehende Grafik um eine 2-Monats-Prognose erweitert. Betrachtet man nämlich nur die gemittelte Preisentwicklung aller Technologieklassen im Januar, scheint sich mit 0 bis maximal 5 Prozent Preissteigerung noch alles in geordneten Bahnen abzuspielen. Blickt man aber in die nahe Zukunft und hört auf die Ankündigungen diverser Hersteller, dann ergibt sich bereits ein ganz anderes Bild.

Handel und Distribution reagieren mit massiven Aufschlägen

Aktuell informieren etliche Händler Ihre Kunden per Newsletter, Sozialen Medien oder persönlich darüber, dass die Preise ab Anfang April steigen werden und sie sich entsprechend ihrer Projektpipeline bevorraten möchten. Versuchen die Kunden, sich Ware für eine Lieferung im zweiten Quartal zu sichern, werden sie in der Regel bereits mit deutlich angehobenen Preisen konfrontiert. Diese stehen auch kaum im Verhältnis zu den 9 Prozent, die durch die Anpassungen in China gerechtfertigt wären. Vielmehr sind im Projektbereich Preiserhöhungen um bis zu 20 Prozent zu akzeptieren. Im Distributionsbereich oder in Webshops wurden die Modulpreise in den vergangenen Tagen teilweise um bis zu 30 Prozent nach oben korrigiert.

Produktionsstrategie und Überkompensation der Hersteller

Woher kommt nun plötzlich der sprunghafte Preisanstieg, obwohl die tatsächliche Kostensteigerung auf der Produktionsseite deutlich geringer ausfallen dürfte? Fragt man beim asiatischen Hersteller nach, verweist der einen auf den Wegfall der Exportsteuererleichterung sowie auf einen Preisanstieg bei Vorprodukten. Dazu gehören Siliziumingots über Silberpasten, Zellen, Glas bis hin zum Aluminium für die Modulrahmen. Aber rechtfertigt das einen Preisanstieg von 20 bis 30 Prozent? – Wohl kaum. Ist das nachhaltig? – Wohl kaum.

Aktuell laufen die Produktionen in China auf Hochtouren. Die Hersteller versuchen bis März noch so viel Ware zu fertigen, wie die Produktionslinien hergeben. Bis Ende März heißt es dann: alles muss raus! So viel Ware wie möglich soll bis dahin auf dem Seeweg oder bereits in den Zielländern sein, um die bereits jetzt eingepreiste Steuererhöhung als Marge mitnehmen zu können. Die Linien werden im April dann vermutlich erst einmal runtergefahren, um weitere Kosten zu sparen. Offenbar versuchen viele Produzenten, die von Staatsseite angekündigte Verteuerung und die damit verbundene vermeintliche Akzeptanz durch Erfüllung der ohnehin existierenden Erwartungen als Anlass dazu zu nutzen, in die Gewinnzone zu kommen. Gleichzeitig dazu die horrenden finanziellen Verluste durch die Niedrigpreisphase der vergangenen Jahre zu kompensieren. Diese Tendenz zum Überkompensieren von Ereignissen, die sich auf den Modulpreis auswirken, konnten wir in den vergangenen Jahren bereits häufiger beobachten. Oft können sich die Preise auf dem überzogenen Niveau aber durch die automatisch einsetzende geringere Nachfrage nicht halten. Die Folge ist, dass sie zeitnah wieder nach unten korrigiert werden.

Europäischer Markt bleibt hoch preissensibel

Die Rechnung wird – wie so oft – ohne die Kunden und potenziellen Abnehmer der verteuerten Ware gemacht. Wir befinden uns zumindest in Europa in einem Markt, in dem die Zubauzahlen für Kleinanlagen rückläufig sind. Projektentwickler und Installateure müssen oder dürfen sich zunehmend mit größeren Gewerbe- und Freiflächenanlagen beschäftigen. Auch im Jahr 2026 spricht vieles für diesen Trend. Allerdings sind solche Projekte sehr preissensibel. Ein Preisanstieg in der oben genannten Höhe dürfte sehr viele Planungen aufgrund wegfallender Wirtschaftlichkeit zunichtemachen. Bereits bei dem bisherigen Preisniveau mussten Projektierer sehr selektiv vorgehen. Rein durch das EEG finanzierte Photovoltaikanlagen lohnen sich nur unter gewissen Umständen, wie zum Beispiel bei geringen Planungs- und Netzzugangskosten.

Politische und regulatorische Stellschrauben in Europa

Um den Photovoltaik-Markt nicht gleich in den ersten Monaten abzuwürgen, sollten Preiserhöhungen also mit Bedacht gemacht werden. Gleichzeitig muss der seit Jahren geforderte und vielzitierte Bürokratieabbau endlich Fahrt aufnehmen. Nur so können verschleppte Netzzusagen, erforderliche Genehmigungen und Zertifikate nicht zum Terminator eines jeden Bauvorhabens werden. Wenn dann eine zwar geringe EEG-Vergütung als Fall-Back-Lösung sowie auskömmliche Zuschlagswerte in den Ausschreibungen erhalten bleiben, könnte der sich ankündigende Wandel noch in eine wünschenswerte solare Zukunft führen, anstatt zurück in die fossile Vergangenheit.

Über den Autor
Martin Schachinger ist studierter Elektroingenieur und seit mehr als 30 Jahren im Bereich Photovoltaik und regenerative Energien aktiv. 2004 machte er sich selbständig und gründete die Online-Handelsplattform pvXchange.com.

Quelle: Martin Schachinger / pvXchange.com | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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