Kritische Rohstoffe – Europäischer Rechnungshof warnt vor Engpass

Auf einem Tisch sind einige Batterien aufgebaut, in Schalen daneben liegen Pulver und Granulate in verschiedenen Farben - Recycling-Verfahren für Lithium-Batterien.Foto: Amadeus Bramsiepe, KIT
Rückgewonnene Rohstoffe aus der Batterie: Lithium-Karbonat (Li2CO3, weiß), Graphit aus den Anoden (schwarz), Kobalt-Sulfat (CoSO4, rot), Nickel-Sulfat (NiSO2, blau). Das schwarze Pulver mit großen orangefarbenen Stücken ist die „Schwarze Masse“, die in der Industrie meist an Anfang des Recycling-Prozesses steht.
Die Europäische Union hat Schwierigkeiten, die Versorgung mit den für die Energie- und Klimaziele notwendigen kritischen Rohstoffen sicherzustellen. Dies geht aus einem aktuellen Bericht des Europäischen Rechnungshofs hervor. Bisherige Schritte der EU zur Diversifizierung der Einfuhren führten demnach nicht zu greifbaren Ergebnissen. Für den Rechnungshof scheint die Sicherung der Rohstoff-Versorgung bis 2030 außer Reichweite zu sein.

Engpässe hemmten die heimische Produktion, so der Rechnungshof, und das Recycling stecke noch in den Kinderschuhen. Angesichts dessen halten es die Prüfer für unwahrscheinlich, dass viele EU-geförderte Projekte noch im geplanten Zeitrahmen erfolgreich umsetzbar sind. Denn kritische Rohstoffe, die auch für den Einsatz erneuerbare Energien wichtig sind, sind Mangelware.

EU-geförderte Projekte gefährdet

Die Energiewende in der EU hängt stark von technischen Komponenten wie Batterien, Windturbinen und Solarpaneelen ab. Für all diese Geräte werden Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und seltene Erden benötigt. Die meisten davon sind derzeit entweder nur in einem einzigen oder in einer Handvoll Nicht-EU-Länder wie China, der Türkei und Chile vorhanden. Um der damit verbundenen Anfälligkeit zu begegnen, hat die EU 2024 eine Verordnung zu sogenannten kritischen Rohstoffen verabschiedet. Sie soll die langfristige Versorgung mit 26 Rohstoffen sichern, die für die Energiewende als unverzichtbar eingestuft werden.

“Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben”, sagt Keit Pentus-Rosimannus, die als Mitglied des Rechnungshofs für die Prüfung zuständig war. “Leider sind wir bei der Versorgung mit diesen Rohstoffen heute in gefährlicher Weise von einer Handvoll Länder außerhalb der EU abhängig” Es sei daher für die EU entscheidend, sich stärker ins Zeug zu legen und ihre Verwundbarkeit auf diesem Gebiet zu verringern.

EU-Verordnung zu kritischen Rohstoffen enthält nur unverbindliche Ziele

Eine sichere Versorgung, so die Prüfer, sei durch diversifizierte Einfuhren, eine Steigerung der heimischen Produktion und durch Recycling erreichbar. In der Verordnung über kritische Rohstoffe seien aber nur unverbindliche Ziele bis 2030 festgelegt worden. Diese würden außerdem nur für einige wenige Rohstoffe gelten, die aufgrund ihrer großen wirtschaftlichen Bedeutung und der Versorgungsrisiken als “strategisch” eingestuft wurden. Unklar sei auch, nach welchen Kriterien die Zielvorgaben bis 2030 festgelegt wurden. Hinzu komme, dass dies noch in weiter Ferne liege und dass es für die EU schwierig werde, die Versorgung mit den nötigen strategischen Rohstoffen bis zum Ende des Jahrzehnts zu sichern.

Mit der Verordnung über kritische Rohstoffe will die EU ihre Abhängigkeit von nur wenigen Lieferländern verringern. Ihre Bemühungen um eine Diversifizierung der Einfuhren hätten jedoch noch nicht zu greifbaren Ergebnissen geführt, so der Rechnungshof. So habe die EU in den letzten fünf Jahren 14 strategische Rohstoffpartnerschaften unterzeichnet, sieben davon mit Ländern mit als wenig verlässlich geltenden Regierungen. Die Einfuhren aus diesen Partnerländern seien zwischen 2020 und 2024 bei rund der Hälfte der untersuchten Rohstoffe jedoch zurückgegangen.

Quellen für kritische Rohstoffe nicht gesichert

Andere Initiativen der EU lägen derzeit auf Eis, etwa die Verhandlungen mit den USA (2024 ausgesetzt), oder seien noch nicht vollständig unter Dach und Fach, wie das Abkommen zwischen der EU und dem Mercosur (mit den an kritischen Rohstoffen reichen Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay), das noch von allen EU-Ländern ratifiziert werden muss.

In der Verordnung zu kritischen Rohstoffen ist außerdem festgelegt, dass bis 2030 mindestens 25 Prozent der strategischen Rohstoffe in der EU aus Recyclingquellen stammen sollten. Doch auch hier sehen die Prüfer Probleme. Bei sieben von 26 Rohstoffen, die für die Energiewende benötigt werden, lägen die Recyclingquoten derzeit zwischen 1 und 5 Prozent. Und zehn Rohstoffe würden überhaupt nicht wiederaufbereitet. Darüber hinaus handele es sich bei den meisten Recyclingzielen der EU nicht um spezifische Vorgaben für einzelne Rohstoffe. Daher schafften sie keine Anreize für das Recycling einzelner Materialien – insbesondere solcher, die schwerer wiederzugewinnen seien, wie seltene Erden aus Elektromotoren oder Palladium aus Elektronikgeräten.

Auch förderten sie nicht die Nutzung recycelter Rohstoffe. Die Prüfer betonen, dass die europäischen Recyclingunternehmen unter hohen Verarbeitungskosten, geringen verfügbaren Mengen sowie unter technologischen und regulatorischen Hindernissen leiden Das beeinträchtige ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Eigene Förderung kritischer Rohstoffe in der EU kommt nicht voran

Die EU will auch vermehrt strategische Rohstoffe in der EU fördern und so 10 Prozent ihres Verbrauchs decken. Faktisch sei die Erkundung von Rohstoffen jedoch unterentwickelt. Und selbst wenn neue Vorkommen gefunden würden, könne es bis zu 20 Jahre dauern, bis ein Bergbauprojekt in der EU in Betrieb genommen werde.

Ein konkreter Beitrag bis 2030 sei daher nur schwer vorstellbar. Außerdem würden trotz des Ziels, bis 2030 40 Prozent der in der EU verbrauchten strategischen Rohstoffe auch innerhalb der EU zu verarbeiten, entsprechende Anlagen stillgelegt. Dies sei zum Teil auf die hohen Energiekosten zurückzuführen, die sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirkten. Die Warnung der Prüfer: Die EU könnte in einen Teufelskreis geraten, in dem eine mangelnde Versorgung mit Rohstoffen den Ausbau der Verarbeitung hemmt, was wiederum den Anreiz zur Sicherung der Versorgung verringert.

Der Sonderbericht 04/2026 “Kritische Rohstoffe für die Energiewende: Keine solide Strategie vorhanden” sowie ein Kurztext mit den wichtigsten Fakten und Feststellungen stehen auf der Website des Europäischen Rechnungshofs zur Verfügung.

Quelle: Europäischer Rechnungshof | www.solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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