Bundesverband des Solarhandwerks kritisiert Reiches Netzpaket
Foto: zhengzaishanchu / stock.adobe.comDer Bundesverband des Solarhandwerks (BDSH) kritisiert die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) zum Netzpaket. Ministerin Katherina Reiche plant einen „Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts zur Synchronisierung des Anlagenzubaus mit dem Netzausbau sowie zur Verbesserung des Netzanschlussverfahrens“. Dieser Referentenentwurf sieht tiefgreifende Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und am Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) vor. Nach Einschätzung des BDSH sind vor allem drei Maßnahmen vorgesehen, die den Ausbau erneuerbarer Energien in weiten Teilen Deutschlands erheblich erschweren würden.
- Kapazitätslimitierte Netzgebiete: Verteilnetzbetreiber sollen Netzgebiete, in denen die Abregelung erneuerbarer Energien im Vorjahr über drei Prozent lag, für bis zu zehn Jahre als „kapazitätslimitiert“ ausweisen können.
- Redispatchvorbehalt: Neue Erneuerbare-Energien-Anlagen dürfen Betreiber in diesen Gebieten nur errichten, wenn sie für zehn Jahre auf sämtliche Entschädigungen bei Abregelung verzichten. Der Einspeise- und Anschlussvorrang für Erneuerbare würde laut BDSH damit faktisch aufgehoben.
- Baukostenzuschuss für Erzeugungsanlagen: Wer künftig einen Netzanschluss für eine Erzeugungsanlage beantragt, soll dem Netzbetreiber einen Baukostenzuschuss pro Kilowatt Netzanschlussleistung zahlen – unabhängig davon, ob tatsächlich Netzausbau erforderlich ist. Reguläre Netzentgelte würden darüber hinaus weiterhin anfallen.
Der Bundesverband des Solarhandwerks erkennt an, dass der wachsende Anteil dezentraler Erzeugung die Stromnetze vor neue Herausforderungen stellt. Er teilt das Anliegen, Netzausbau und Erneuerbaren-Zubau besser zu synchronisieren. Der vorliegende Entwurf verfolgt dieses Ziel jedoch mit den falschen Mitteln. Er verwaltet Engpässe, statt sie zu lösen – und belastet ausgerechnet jene, die die Energiewende täglich umsetzen. Gerade Photovoltaik-Anlagen bieten durch ihre Steuerbarkeit enorme Potenziale zur Netzentlastung. Diese Potenziale im aktuellen Netzpaket jedoch weitgehend ignoriert. Statt Flexibilität zu fördern, wird Verzicht verlangt, so der BDSH.
Forderungen des Bundesverbands des Solarhandwerks
Der BDSH fordert folgende Punkte im Netzpaket zu berücksichtigen:
- Redispatchvorbehalt zurücknehmen: Der pauschale Verzicht auf Entschädigungen bei Abregelung als Bedingung für Genehmigungen bestraft Investoren für Verzögerungen im Netzausbau, die sie nicht zu verantworten haben. Der Einspeise- und Anschlussvorrang für erneuerbare Energien muss erhalten bleiben.
- Baukostenzuschuss für Erzeugungsanlagen streichen: Einen Baukostenzuschuss für die bloße Nutzung bestehender Netzanschlüsse zu erheben, widerspricht dem Prinzip der Netzanschlussfreiheit. Insbesondere Kleinanlagen bis 30 kW müssen von jeglichen zusätzlichen Anschlusskosten freigestellt bleiben.
- Smart-Meter-Rollout massiv beschleunigen: Intelligente Messysteme sind die Grundlage für alle flexiblen Lösungen – von dynamischen Tarifen über netzdienliches Laden bis hin zu Energy Sharing. Der Rollout muss mit konkreten Zeitzielen und Sanktionen für Messstellenbetreiber versehen werden.
- Flexible Netzentgelte und dynamische Tarife fördern: Statt den Erneuerbaren-Ausbau zu drosseln, müssen Anreize geschaffen werden, Erzeugung und Verbrauch intelligent zu synchronisieren. Verbraucher, die ihren Stromverbrauch an die Erzeugungslage anpassen, müssen davon profitieren.
- Energy Sharing und Mieterstrom entbürokratisieren: Die bestehenden gesetzlichen Grundlagen für Energy Sharing sollte der Bund so vereinfachen, dass sie in der Praxis auch kleine Akteure und Energiegemeinschaften nutzen können.
- Speicherausbau gezielt fördern: Stromspeicher können auch in Haushalten ohne Photovoltaik in Zeiten hoher Netzbelastung Strom aufnehmen und das Netz entlasten. Regulatorische Hürden für den Heimspeicherausbau sollte der Bund abbauen und er sollte Anreize für netzdienliches Speicherverhalten schaffen.
- Netzanschlussverfahren digitalisieren und vereinheitlichen: Die Priorisierungslogik von über 800 Verteilnetzbetreibern mit jeweils eigenen Verfahren ist eine bürokratische Zumutung. Der Netzanschluss muss bundesweit digitalisiert, standardisiert und beschleunigt werden.
- Klimaschutzziele einhalten: Das Netzpaket muss man laut BDSH im Rahmen des BVerwG-Urteils vom 29. Januar 2026 bewerten. Jede Maßnahme, die den Erneuerbaren-Ausbau bremst, verschärft die Emissionslücke und gefährdet die rechtsverbindlichen Klimaschutzziele.
Quelle: BDSH | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH