Redispatch-Abrechnung: Anlagenbetreiber ab 2026 in der Verantwortung

Eine Hand hält Geldscheine vor Windenergieanlage, die Redispatch-Abrechnung erfolgt ab 2026 direkt zwischen Anlagenbetreiber und Netzbetreiber.Foto: gottsfam / stock.adobe.com
Bei einem größeren Windportfolio können Fehler in der Redispatch-Abrechnung schnell zu nicht realisierten Erlösen im hohen sechsstelligen Bereich pro Jahr führen.
Das Softwareunternehmen Node Energy weist darauf hin, dass ab diesem Jahr die Redispatch-Abrechnung direkt zwischen dem Anlagenbetreiber der Erneuerbaren-Energien-Anlage mit dem Netzbetreiber erfolgt.

Mit der Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes zum 23. Dezember 2025 steht die Redispatch-Abrechnung nach Einschätzung des Softwareunternehmens Node Energy vor einem strukturellen Umbruch. Die bislang undurchsichtige Zahlungskette werde aufgebrochen und die Verantwortung ab 2026 operativ wie finanziell auf die Anlagenbetreiber verlagert.

Denn mit der Anpassung des § 14 EnWG hat der Gesetzgeber zwei weitreichende Änderungen am Redispatch-Prozess verabschiedet. Insbesondere die neue, direkte Entschädigungszahlung von Netzbetreibern an Anlagenbetreiber von Windenergie oder Photovoltaik hat weitreichende Folgen für alle Beteiligten. „Der Gesetzgeber nimmt damit den Direktvermarkter aus der undurchsichtigen Zahlungskette für Redispatch-Entschädigungen raus. Das birgt zwar Chancen, doch der komplizierte und fehleranfällige Prozess trifft die meisten Betreiber vollkommen unvorbereitet“, sagt Matthias Karger, CEO von Node Energy.

Vereinfachte Zahlungswege bei der Redispatch-Abrechnung verlagern Verantwortung

Künftig erfolgt die Entschädigungszahlung direkt vom Netzbetreiber an den Anlagenbetreiber. Damit wird es für Anlagenbetreiber zwar einfacher, Ansprüche geltend zu machen, allerdings entfällt der Direktvermarkter auch als energiewirtschaftliche Kontrollinstanz. Betreiber müssen nun die Prüfung, Durchsetzung und eventuell auch Abrechnung ihrer Ansprüche selbst leisten.

Die Höhe der Entschädigung basiert auf rechnerisch ermittelten Strommengen, die man ohne Netzengpässe hätte einspeisen können und dem BDEW-Mischpreis. Abgerechnet wird im 15-Minuten-Takt. Für jedes Zeitintervall muss man den der korrekten Referenzwert bestimmen. Das ist laut Node Energye ein kompliziertes und fehleranfälliges Verfahren, das schon zwischen Netzbetreibern und Direktvermarktern in den letzten Jahren für viel Abstimmungsaufwand und Streit um angemessene Entschädigungen geführt hat. „Ab sofort sind die Betreiber selbst in der Verantwortung, ihren Anspruch geltend zu machen und mit einer soliden Datengrundlage zu belegen. Das ist neu und viele haben hier heute einen blinden Fleck.“ so Karger.

Fehleranfällige Abwicklung erhöht wirtschaftliches Risiko

Einige große Netzbetreiber planen, Gutschriften für Redispatch-Ausgleichszahlungen zu erstellen. Nach den im Markt beobachteten bisherigen Abrechnungen ist laut Node Energy jedoch etwa jede zehnte Abrechnung fehlerhaft, etwa durch falsche Stammdaten, Leistungswerte oder Zeitzuordnungen. Anlagenbetreibern empfiehlt das Unternehmen daher, Ansprüche auf Basis eigener Daten aktiv zu prüfen und nicht ausschließlich auf Gutschriften zu vertrauen. Bereits geringe Abweichungen können erhebliche Erlösverluste verursachen.

Viele Netzbetreiber werden jedoch längere Zeit brauchen, um ihre Systeme vollständig auf die neuen Redispatch-Prozesse umzustellen. Dies kann zu Verzögerungen bei Auszahlungen führen, mit entsprechenden Auswirkungen auf Seiten der Anlagenbetreiber bei Liquidität und Finanzierung, insbesondere bei länger andauernden Redispatch-Maßnahmen. Modellrechnungen von Node Energy zeigen die wirtschaftliche Dimension: Bei einem größeren Windportfolio kann bereits eine Abweichung von einem Prozent rechnerisch zu nicht realisierten Erlösen im hohen sechsstelligen Bereich pro Jahr führen. Selbst kleine systematische Ungenauigkeiten gewinnen damit betriebswirtschaftliche Relevanz.

Redispatch wird Teil des kaufmännischen Anlagenmanagements

Der regulatorische Wandel, die komplexe Preislogik und die Datenanforderungen machen die Redispatch-Abrechnung zu einer dauerhaft zu steuernden Managementaufgabe. Genau dafür haben die Energieexperten von Node Energy ein Erlösmonitoring in ihrer Software für professionelle Anlagenbetreiber integriert. Es bündelt alle Redispatch-relevanten Informationen in einem zentralen Tool, gleicht Abrufdaten automatisiert mit Anlagendaten und Marktpreisen ab, macht Abweichungen zwischen erwarteter und tatsächlicher Entschädigung sichtbar und dokumentiert sämtliche Vorgänge revisionssicher.

Neben der Gesetzesänderung zur Entschädigungszahlung hat der Gesetzgeber außerdem den Prozess des bilanziellen Ausgleichs durch den Netzbetreiber abgeschafft. Die praktischen Auswirkungen dieser zweiten Gesetzesänderung sind allerdings kaum spürbar, denn der eigentlich seit Oktober 2021 mit der Einführung von Redispatch 2.0 geltende Prozess konnte sich in der Praxis nie etablieren. Mit der Zulassung des bilanziellen Ausgleichs durch den Direktvermarkter legitimiert der Gesetzgeber lediglich die seit über vier Jahren praktizierte Übergangslösung.

Quelle: Node Energy | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

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